Machtwechsel in Washington - Biden löst Trump ab

Reuters

- von Trevor Hunnicutt und Jarrett Renshaw und Christian Rüttger

Washington/Berlin (Reuters) - Joe Biden ist neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Der 78-Jährige legte den Amtseid am Mittwoch unter freiem Himmel vor der Westfront des Kapitols in Washington ab. "Die Demokratie hat sich durchgesetzt", sagte Biden bei seiner Antrittsrede. Er appellierte an den Zusammenhalt der Amerikaner, nur so ließen sich Frieden und Fortschritt erreichen. Vor ihm wurde Kamala Harris als Vizepräsidentin vereidigt. Anders als in früheren Jahren fand die Zeremonie wegen der Corona-Pandemie nicht vor einem Massenpublikum statt, sondern in deutlich kleinerem Rahmen. Aus Sorge vor gewaltsamen Ausschreitungen galten besonders strikte Sicherheitsvorschriften. Vor zwei Wochen hatten wütende Anhänger des bisherigen Präsidenten Donald Trump das Kapitol gestürmt.

Biden ist der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit 78 Jahren ist er zugleich der älteste US-Präsident aller Zeiten. Der Stellvertreterposten geht mit Harris erstmals an eine Frau und an eine Schwarze.

Zur dringendsten Aufgabe seiner Präsidentschaft hat Biden den Kampf gegen die Corona-Pandemie erklärt. Außerdem will er das Land wieder versöhnen. Nach vier turbulenten Jahren unter Trump ist die amerikanische Gesellschaft so gespalten wie selten zuvor. Besonders in den zweieinhalb Monaten seit der Präsidentenwahl haben sich die Gräben noch einmal vertieft. Trump weigerte sich bis zuletzt, seine Niederlage anzuerkennen, und behauptete stattdessen unzählige Male, bei der Abstimmung sei betrogen worden. Beweise lieferte er keine. Mehrere Anfechtungsversuche vor Gericht scheiterten. Dennoch sind viele Trump-Anhänger überzeugt, dass die Wahl "gestohlen" wurde. Ihre Wut entlud sich am 6. Januar bei den Ausschreitungen im und rund um das Kapitol. Fünf Menschen starben. Das FBI warnte im Vorfeld der Vereidigung Bidens vor weiteren Angriffen.

Wegen der angespannten Lage wurden allein Zehntausende Nationalgardisten nach Washington beordert, um bei der Absicherung der Amtseinführung zu helfen. Das Kapitol wurde weiträumig abgesperrt. Statt Hunderttausender Zuschauer, die normalerweise zu Vereidigungen von Präsidenten kommen, säumten die Parkfläche vor dem Parlament dieses Jahr stellvertretend fast 200.000 US-Fahnen. Fernsehsender im In- und Ausland übertrugen die Vereidigung live.

TRUMP VERSPRICHT RÜCKKEHR - "IN IRGENDEINER FORM"

Beratern zufolge will Biden unmittelbar nach seinem Amtsantritt mit der Arbeit beginnen und mindestens 15 Erlasse und Anordnungen unterzeichnen, die zum Teil Beschlüsse seines Vorgängers rückgängig machen sollen. Sie betreffen die Virus- und Rassismusbekämpfung, die Wirtschaft und die Klimapolitik. So sollen etwa die Weichen gestellt werden für eine Rückkehr der USA in das Pariser Klimaschutzabkommen, aus dem das Land unter Trump ausgetreten war.

Trump kündigte in einer kurzen Abschiedsrede auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews an, er werde das Geschehen weiter verfolgen. Biden erwähnte er erneut namentlich nicht, wünschte der neuen Regierung aber Glück. Er denke, dass sie erfolgreich sein werde, da seine Administration dafür das Fundament gelegt habe. Seinen Anhängern versicherte Trump, immer für sie da zu sein. "Wir lieben euch. Wir werden wiederkehren - in irgendeiner Form." Anschließend machte er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania an Bord der Präsidenten-Maschine Air Force One auf den Weg nach Florida, wo er ein Luxusanwesen besitzt.

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