Markiert der große Verfall heute wieder den Wendepunkt am Markt?

Stefan Riße

Die Hexen haben heute den Besen im Schrank gelassen. Es wäre nicht verwunderlich gewesen, hätte es an den Märkten und beim DAX heute noch mal große Bewegung gegeben am dreifachen Verfallstag an der Terminbörse Eurex, im Volksbund auch dreifacher Hexensabatt genannt. Denn extrem viele Optionen sind in den letzten Monaten gehandelt worden. Doch ganz offenkundig hatten die Anleger ihre Engagements bereits zuvor glattgestellt.

Marktwende im März fand genau am Verfall statt

Als im Zuge der Coronakrise die Kurse im März ins Bodenlose stürzen, da fand die Abwärtsbewegung am Donnerstag dem 19. März ihr Ende. Nach über zehn Jahren Hausse und vor allem nachdem der Aktienmarkt im Januar und Februar der bereits in China grassierenden Pandemie widerstanden hatte, war die Mehrheit der Anleger voll auf steigende Kurse engagiert. Die kurzfristig agierenden Akteure nehmen diese Engagements meistens mit Derivaten wie Terminkontrakten oder Optionen vor. Und so ist es kein Wunder, dass mit dem Auslaufen genau dieser Kontakte im März die Abwärtsbewegung ihr Ende fand. Die Longpositionen waren bis dahin zwangsliquidiert worden. Und die letzten Engagements lösten sich mit dem Auslaufen der Termingeschäfte auf.

Ist die Erholungsrallye heute zu Ende?

Nach dem März-Verfallstermin gingen die Aktienkurse dann auf Erholungsfahrt und das in einem Ausmaß, dass alle und auch mich verblüffte. Da erleben wir die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg und den Aktien ist es quasi egal. Diese offensichtliche Diskrepanz zog viele Spekulanten an, die auf fallende Kurse setzten. Das zeigten die Positionierungsdaten ganz eindeutig. Ich hatte dies in der Kolumne der vergangenen Woche ausführlich beschrieben. So wie die Anleger im März wegen der fallenden Kurse unter Druck kamen, dürften sie diesmal mit ihren DAX Futures und Optionen auf den deutschen Leitindex sowie auf einzelne Aktien wegen der steigende Kurse unter Druck geraten sein. Wenn das so ist, dann könnten sich am heutigen Tage die letzten dieser Engagements aufgelöst haben. Damit fällt aber auch der Druck weg, weiterer dieser Engagements auflösen zu müssen. Und da die Auflösung dieser Positionen durch Käufe erfolgt als Gegengeschäft zu den Leerverkäufen zur Öffnung der Position, fehlt diese Nachfrage jetzt. Insofern würde es nicht verwundern, wenn dieser Verfallstermin erneut zum Wendepunkt des Marktes wird.

Es wäre nicht das erste Mal

Schon mehrfach in der Geschichte waren Verfallstermine Wendepunkte an den Märkten. Genau erinnere ich mich an das Börsenhoch bei den Technologie Aktien im März 2000. Eine mehrjährige Abwärtsbewegung begann, die wiederum um den Verfallstermin herum im März 2003 ihr Ende fand und die Kurse nach oben drehen ließ. Seien wir also gespannt wie es am Montag weitergeht.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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