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Marktausblick Woche 37: Alle Augen auf die EZB

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Das Update zur Woche von Dr. Martin Lück






Leichte Beruhigung

Die globalen Aktienmärkte waren in der letzten Woche in guter Stimmung. Um zwischen 1,5% und 2% legten die meisten größeren Indizes zu, Asien noch etwas stärker. Auf der Suche nach Gründen wird man schnell fündig. Denn gerade die Entwicklung von Risikoanlagen ist zurzeit stärker als im langfristigen Vergleich von Ereignissen an der politischen Front geprägt, zu messen etwa an dem Performancebeitrag, der aus anderen Quellen als Gewinnwachstum - mithin aus politischer Unsicherheit - gespeist wird. Just diese Unsicherheit hat in der letzten Woche abgenommen, und zwar in Italien und auf der britischen Insel. Die neue Regierung in Rom, bestehend aus Fünfsternepartei und Sozialdemokraten, dürfte einen weniger radikalen Konfrontationskurs zur EU steuern als ein von Lega-Chef Matteo Salvini geführtes rechtsnationales Bündnis, das zwischenzeitlich gedroht hatte. Und in London hat der neue Premierminister Boris Johnson seine No-Deal-Brexit-Rechnung ohne das Parlament gemacht, so dass ein hartes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU zunächst unwahrscheinlicher geworden ist.

Die Märkte honorieren derartige Nachrichten mit steigenden Aktienkursen, niedrigerer Volatilität (für Europa letzte Woche zurück auf unter 15, also in die Nähe des Durchschnitts der letzten Jahre) und leicht nachgebenden Gold- und Anleihepreisen. Allerdings scheint den Marktteilnehmern bewußt zu sein, dass die Entwarnung nur vorübergehend sein könnte, und zwar sowohl in Italien als auch in Großbritannien. Nach wie vor drohen Neuwahlen in beiden Ländern, und die könnten dann doch noch zu Konstellationen führen, die aus Marktsicht negativ wären. Kommt es nämlich in Großbritannien zu einer Neuwahl noch im Oktober, könnte sogar das Gesetz wieder rückgängig gemacht werden, welches letzte Woche zur Verhinderung eines harten Brexit verabschiedet wurde. Dann hätte Boris Johnson doch noch gewonnen.Die Zentralbankkonferenz in Jackson Hole war gerade ohne große Überraschungen über die Bühne gegangen, da platzte letzte Woche doch noch eine geldpolitische Bombe in den USA. Bill Dudley, seines Zeichens ehemaliger Vize-Chef der US-Notenbank veröffentlichte bei einem großen Nachrichtendienst einen Artikel, in dem er der Fed recht deutlich eine Geldpolitik ans Herz legte, die Donald Trump das Leben und vor allem die Wiederwahl erschwert. Konkret schrieb er, die Fed habe eine Wahl: Entweder bleibt sie Getriebene der Handelspolitik Trumps und senkt als Reaktion auf die protektionistische und wirtschaftsfeindliche Politik des US-Präsidenten die Zinsen. Oder aber sie setzt ein Zeichen und signalisiert, dass sie das Spiel Trumps nicht mitspielt und nicht weiter gewillt ist, dessen „schlechte Entscheidungen“ mitzutragen. Soll heißen: Keine Zinssenkungen mehr!

Und täglich grüßt der Handelskonflikt

Derweil mehren sich die Zeichen, dass es im Handelskonflikt zwischen den USA und China Entspannung gibt. Beide Seiten scheinen gesprächsbereit zu sein, so dass ein Abkommen doch wieder in greifbare Nähe rücken könnte. Auch hier ist allerdings Vorsicht geboten. Schon allzu oft erschien der Konflikt nahezu beigelegt, nur um dann im letzten Moment wieder hochzukochen. Erinnern wir uns nur an Anfang Mai, als die chinesische Delegation gefühlt schon auf dem Weg nach Washington war und der Vertragsabschluß dann doch in letzter Minute durch einen Tweet des US-Präsidenten verhindert wurde. Es erscheint also ratsam, die Entspannung im Handelskonflikt erst zu feiern, wenn die Tinte auf dem Vertrag trocken ist. Ohnehin geht es ja nur um eine relativ oberflächliche Verabredung. Denn auf mehr als auf niedrigere Zölle und darauf, dass China mehr aus den USA importiert, wird man sich kaum einigen können. Die eigentlich relevante Rivalität, nämlich jene um die strategische und vor allem technologische Vormachtstellung im 21. Jahrhundert, ist weder für die chinesische noch für die US-Führung verhandelbar. Und so wird es wohl hinsichtlich kritischer Fragen wie ‚Made in China 2025‘, also des chinesischen Anspruchs auf globale Führerschaft in einer Reihe von Zukunftstechnologien bis zum Jahr 2025, kaum Annäherung geben. Andererseits haben aber trotzdem beide Seiten Interesse an einem Deal, der sich nur auf so profane Dinge wie Zölle oder Handelsvolumina beschränkt.

Der chinesischen Führung würde eine Belebung des Handels helfen, das schwächelnde Wachstum zu stützen, und US-Präsident Trump könnte einen Handelsdeal mit den Chinesen im Wahlkampf des nächsten Jahres als Erfüllung eines wichtigen Wahlversprechens feiern. Und wenn beide Seiten eine Einigung wollen, ist realistisch, dass es sie auch gibt.Auch in Großbritannien bleiben die politischen Fronten verhärtet. Premier Johnson versucht mit allen Tricks den No-Deal-Brexit bis Ende Oktober zu realisieren. Wer jedoch hofft, dass das leidige Thema Brexit zeitnah der Vergangenheit angehören wird, dürfte so oder so enttäuscht werden. Denn einerseits spricht die Einigkeit der Opposition sowie zahlreicher Tory-Abgeordneter gegen einen harten Brexit und für eine abermalige Verschiebung des Austrittsdatums. Daran ändert auch die Verlängerung der Sitzungspause des Parlaments nichts. Dem Parlament bleibt nach wie vor genug Zeit, um an der Regierung vorbei eine Verschiebung des Austrittsdatums zu erzwingen. Andererseits wäre ein harter Brexit alles andere als das Ende der Konfrontation zwischen EU und Großbritannien, da es dann Aufgabe der britischen Regierung wäre, das neue bilaterale Verhältnis mit einer EU zu auszuhandeln, die man gerade im Unfrieden verlassen hat. Womöglich wird sich sogar rasch eine Bewegung zusammenfinden, die unmittelbar einen baldigen Wiedereintritt in die EU anstreben wird.

Was bedeutet das für Anleger?

Dass vor dem Hintergrund der vielen politischen Unsicherheiten die Risikomärkte überhaupt so gut laufen, liegt vor allem an den Zentralbanken. Und in diesem Zusammenhang ruhen diese Woche alle Augen auf der EZB, die früher im Jahr weitere Expansion angekündigt hatte und vermutlich nun auch liefern wird. Die Frage scheint eigentlich nur, ob es eine weitere Zinssenkung und neuerliche Assetkäufe im Paket gibt, oder nur eines von beiden. Wir denken, dass Mario Draghi auf seiner vorletzten Pressekonferenz als EZB-Präsident die Senkung des Einlagezinses um 10, maximal 20 Basispunkte bekanntgeben, den Ankauf weiterer Finanztitel aber zunächst nur in Aussicht stellen wird, ohne ihn zu präzisieren. Dafür rechnen wir mit Maßnahmen, um die negative Wirkung des ‚Strafzinses‘ auf die Banken abzumildern, etwa ein Staffelungssystem. Weitere Lockerung könnte dann später im Jahr bekanntgegeben werden. So sichert die EZB sich selbst und den Märkten die Aussicht auf positiven Newsflow Richtung Jahresende, was auch mit Blick auf die neue Präsidentin Christine Lagarde erwünscht sein kann. Für Risikoanlagen wären dies in jedem Fall gute Nachrichten. Solange es dann aus London, Washington, Peking etc. keine dramatischen Störgeräusche gibt, bleiben fürs erste die Signale auf grün.Besorgniserregende Nachrichten von der politischen Front, schwache Wirtschaftsdaten aus fast allen Ecken der Welt, ein steigender Goldpreis und Zinsen auf Rekordtief inklusive einer invertierten Zinsstrukturkurve in den USA: Ein Umfeld, von dem man eigentlich erwarten würde, dass es selbst dem letzten Anleger die Lust auf Aktien verdirbt. Tatsächlich liegen EuroStoxx 600 und S&P 500 jedoch gerade einmal neun bzw. drei Prozent unterhalb ihres jeweiligen Allzeithochs. In der letzten Woche ging es mit den Kursen sogar deutlich nach oben. Die Zentralbanken machen es möglich.





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