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Marktausblick Woche 42: Trumps Fest der Liebe

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Das Update zur Woche mit Dr. Martin Lück






The Greatest

Der Handelskrieg mit China sei endlich beigelegt, ließ US-Präsident Trump am Freitag verlauten, nicht weniger als „the greatest and biggest deal ever“ für die amerikanischen Farmer habe er gerade mit Liu He, dem stellvertretenden chinesischen Ministerpräsidenten verabredet. Letzterer wollte dann doch nicht so ganz in Trumps Übertreibungsorgie von einem „Fest der Liebe“ zwischen den Kontrahenten einstimmen, äußerte sich aber zuversichtlich, am 16. November beim APEC-Gipfel in Santiago de Chile ein „Phase 1-Abkommen“ mit den USA unterzeichnen zu können. Obwohl bis dato kaum Konkretes bekannt ist und wir gesehen haben, dass vollmundigen Versprechungen zum Thema Handelskonflikt schon allzu oft Enttäuschung gefolgt ist, haben die Finanzmärkte positiv auf die Nachricht reagiert. Aktien in Amerika, Asien und Europa verzeichneten über den Verlauf der letzten Woche satte Kurszuwächse, der DAX legte um über 4% zu. Renditen zehnjähriger Staatsanleihen mit hoher Bonität stiegen markant, um 15 Basispunkte in Deutschland, um 24 in den USA, der Goldpreis verlor 1,7%. All dies sind Zeichen einer markanten „risk-on“-Reaktion.

Schwein gehabt

Dass US-Exporte nach China demnächst die Größenordnung von 40-50 Mrd. US-Dollar erreichen, wie von Trump behauptet, erscheint indes fragwürdig. Dies entspräche rund einer Verdopplung der Lieferungen im Vergleich zu der Phase vor Eskalation des Handelskonflikts. Eine Erhöhung der Importe von Sojabohnen, die infolge der jüngsten Streitigkeiten eingebrochen sind, dürfte hierfür ebenso wenig ausreichen wie deutlich mehr amerikanische Exporte von Schweinefleisch. Besonders an letzterem haben die chinesischen Behörden durchaus Interesse, weil die afrikanische Schweinepest die eigenen Bestände an Zuchtschweinen erheblich dezimiert hat und Versorgungsengpässe drohen. Unterm Strich dürften aber nur Exporte auch außerhalb des Agrarsektors das Potenzial eröffnen, in die angestrebte Region von 40-50 Mrd. zu gelangen. Ein geeigneter Kandidat könnte amerikanisches Schieferöl sein, zuletzt waren aber auch in diesem Bereich die Lieferungen infolge gestiegener Frachtkosten zurückgegangen. Im Wettbewerb mit dem Mittleren Osten sind die weiten Lieferwege aus Nordamerika ein Nachteil für Fracking-Öl made in USA.

Plan B(rexit)

Auch in Europa gab es in der Vorwoche Hoffnung auf Entspannung, die sich in den Preisen von Finanzaktiva, vor allem in Pfund Sterling, niederschlug. Gespräche zwischen der britischen Regierung und der EU, ganz besonders ein Treffen Boris Johnsons mit seinem irischen Kollegen Leo Varadkar, ließen Erwartungen bezüglich eines Deals ins Kraut schießen. Sollte es tatsächlich gelingen, im Austrittsabkommen eine harte Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Land Republik Irland zu vermeiden, könnte der in Großbritannien so verhasste „Backstop“ aus dem Vertragswerk entfernt und das Abkommen somit doch noch unterzeichnet werden. Für Boris Johnson wäre das ein großer Sieg. Er könnte sich dann als der Premierminister darstellen, der den Briten endlich den ersehnten Brexit geliefert hat, und zwar in der soften, also für alle schonenderen Variante. Es dürfte sein Plan B sein, nachdem Plan A, die Suspendierung des Unterhauses und ein gleichsam dem Zeitmangel geschuldetes Herausrutschen aus der EU ohne Deal zum 31.10., am Widerstand des Parlaments gescheitert ist. Johnson ist schlau genug, immer wieder darauf hinzuweisen, dass ein weicher Brexit, also einer mit Abkommen natürlich viel besser sei als ein harter „no-deal Brexit“, man letzteren aber dennoch einem weiteren Aufschub vorziehe. Damit hat er sich quasi für alle Eventualitäten abgesichert. Während also auch ein harter Brexit weiterhin nicht ausgeschlossen ist (offenbar arbeitet Johnsons Regierung daran, einzelne EU-Länder zur Ablehnung eines eventuellen Verlängerungsantrages zu nötigen), steigen die Chancen dafür, dass Großbritannien nun doch am 31. Oktober auf der Basis des 570-seitigen, von Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommens die EU verlässt. Endlich, möchte man sagen. Die EU muss nur höllisch aufpassen, auf den letzten Metern nicht noch von Johnson & co. über den Tisch gezogen zu werden.

Was steht sonst noch an?

In dieser Woche stehen Makrodaten aus den beiden größten Volkswirtschaften der Welt im Mittelpunkt. China legt Wachstumszahlen zum 3. Quartal vor, der Markt rechnet mit einer leichten Verlangsamung auf 6,1%. In Amerika geben Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktionszahlen Aufschluss über die Robustheit der US-Wirtschaft. Wir halten weiterhin eine Rezession für unwahrscheinlich und erwarten, dass niedrige Arbeitslosigkeit und um gut 3% wachsende Löhne die Konsumlaune der Verbraucher hochhalten sollten. Der private Verbrauch, der für rund 70% der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage steht, hat in den letzten Jahren konstant die höchsten Wachstumsbeiträge geliefert. Selbst wenn also die zuletzt schwachen Frühindikatoren aus der Industrie sich in den harten Daten, etwa in den Outputzahlen dieser Woche, niederschlagen sollten, bleibt angesichts des robusten privaten Verbrauchs die Rezessionsgefahr gering. Dieses Thema wird umso wichtiger - und umso umstrittener - je mehr sich die USA der Präsidentschaftswahl 2020 nähern.





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