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Marktausblick Woche 44: Grazie, Mario Draghi

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Das Update zur Woche mit Dr. Martin Lück






Der Retter des Euro

Dabei war es nicht nur Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, die das Draghi-Bashing auf die Spitze trieb, sondern zuweilen auch Stimmen, denen man ein Minimum an ökonomischer Grundausbildung zutrauen darf. Grund dafür, dass der ausscheidende EZB-Präsident auch die Zunft der Fachleute spaltete, dürfte die Richtungsentscheidung gewesen sein, welche die EZB unter Draghi traf. Jene nämlich, zunächst einmal den Fortbestand der Währung zu sichern, für deren Stabilität man als Zentralbank gemäß EU-Vertrag zu sorgen hatte. Kein Euro, keine Stabilität, so Draghis Begründung. Die Entscheidung, mit seiner berühmten „Whatever-it-takes“-Rede am 26. Juli 2012 zunächst einmal die Existenz der Europäischen Währungsunion zu sichern, traf Draghi denn auch nicht mit uneingeschränkter Unterstützung im EZB-Rat, wohl aber mit stillschweigender Zustimmung der wesentlichen Regierungen Europas. Den Titel als Retter des Euro nimmt der am MIT promovierte Topökonom, der zudem durch leitende Rollen im italienischen Finanzministerium, bei einer globalen Investmentbank sowie als Gouverneur der Banca d’Italia ideal auf sein EZB-Amt vorbereitet war, nun verdientermaßen mit in die Geschichtsbücher.

Dabei hat nicht alles funktioniert, was die EZB unter Draghi probiert hat, um der Inflation in der Eurozone wieder Leben einzuhauchen. Die an Kreditvergabe der Banken gekoppelte Langfristrefinanzierung (sogenannte TLTROs) funktionierten nicht recht, weil die Kreditinstitute - unter anderem mangels Nachfrage - nicht genügend neue Darlehen herausgaben. Der erst anschließend folgende Versuch der Bilanzausweitung mittels ‚Quantitative Easing‘ (QE) kam dann wohl zu spät. Die Zinsen waren bereits zu niedrig, um einem inflationsrelevanten Effekt zu erzielen, allenfalls in Kombination mit den ebenfalls 2014 eingeführten Negativzinsen konnte mit Umweg über eine Abwertung des Euro ein kleiner Inflationseffekt generiert werden. Kritiker monieren somit, teils zu Recht, dass mit sehr viel - und sehr umstrittener - monetärer Expansion bezüglich Inflation am Ende relativ wenig erreicht wurde.

Der September-Beschluss des EZB-Rates, bei dem eine weitere Senkung des Einlagezinses und der Wiedereinstieg in die Anleihekäufe beschlossen wurden, stellt sicher, dass sich auch unter Christine Lagarde so bald nichts an der Ausrichtung der EZB-Politik ändern muss. Im Stil allerdings dürfte Lagardes Präsidentschaft sich von Draghis unterscheiden. Die charmante Französin gilt als Brückenbauerin, der die Kompromisssuche im EZB-Rat leichter fallen könnte als dem knurrigen, für seine einsamen Entscheidungen bekannten Italiener. Eine nach außen weniger zerstritten auftretende EZB dürfte aber in der Öffentlichkeit und an den Finanzmärkten mehr Glaubwürdigkeit genießen, mit der Folge, dass ihr Handeln effektiver würde. Darüber hinaus könnte der neue EZB-Rat von der Ablösung Sabine Lautenschlägers durch Isabel Schnabel im Direktorium profitieren. Anders als Lautenschläger, die sich oft durch Draghi-Kritik im typisch deutschen Monetaristensound hervortat, gilt Schnabel als versierte Ökonomin. Also solche ist sie wesentlich besser in der Lage, der deutschen Öffentlichkeit die trübe Aussicht auf noch lange niedrige Zinsen nahe zu bringen.

Was das für Anleger bedeutet

In dieser Woche richtet sich der Blick zudem auf die Fed, denn am Mittwoch steht vermutlich deren dritte Zinssenkung in Folge ins Haus. Während wir erwarten, dass die US-Notenbank danach erst einmal auf Sicht fahren, das heißt ‚datenabhängig‘ entscheiden wird, ist zu rund 45% mindestens eine weitere Zinssenkung bis Ende Q1 2020 eingepreist. Falls - was wir für wahrscheinlich halten - sich die realwirtschaftlichen Indikatoren über die nächsten Monate eher aufhellen, ist damit zu viel Zinssenkungsfantasie in den Notierungen enthalten. Verschwindet sie aus den Preisen, bedeutet das meist Rückschläge für Aktien. An Freitag geben der Arbeitsmarktbericht und der ISM-Index für die Industrie Aufschluss über den Zustand der US-Wirtschaft.

Die Argentinier haben mit hoher Wahlbeteiligung (81%) die Peronisten zurück an die Macht gewählt. Zwar siegte Herausforderer Alberto Fernàndez mit 48% zu 41% knapper gegen Amtsinhaber Mauricio Macri als nach den Vorwahlen erwartet, aber die Finanzmärkte müssen nun endgültig ihre Hoffnung auf den 2015 mit großen Vorschußlorbeeren gestarteten Macri begraben. Vier Jahre später sieht die Realität düster aus. Millionen von Familien sind in die Armut gerutscht, die Inflation steht bei 50%, und Argentinien droht die Staatspleite. Für Anleger wird entscheidend sein, welche Signale der künftige Präsident Fernàndez, der am 10. Dezember sein Amt übernimmt, nun aussendet. Aus Marktsicht wäre wohl eine Umschuldung der rund 100 Mrd. US-Dollar umfassenden Verbindlichkeiten sowie eine neuerliche Einigung mit dem IWF (der Argentinien allein 57 Mrd. US-Dollar geliehen hat) die am wenigsten schädliche Lösung. Über Aktien und Schuldverschreibungen aus Lateinamerika dürfte aber bis auf weiteres die Unsicherheit hängen wie ein Damoklesschwert.





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