Merkel warnt vor vierter Corona-Welle

Reuters

- von Andreas Rinke

Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat davor gewarnt, dass ich Deutschland auf dem Weg in eine vierte Corona-Welle befindet.

Die Infektionszahlen stiegen derzeit besorgniserregend, sagte sie am Donnerstag mit Blick auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Bundesländer hätten die Möglichkeit, dagegen entsprechend Maßnahmen zu ergreifen. Merkel verband die Warnung mit einem deutlichen Appell an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. "Je mehr geimpft sind, desto freier werden wir sein ... auch als Gemeinschaft", sagte sie mit Blick auf möglicherweise wieder drohende Einschränkungen. Eine Impfung biete nicht nur individuelle Schutz.

Am Vortag hatte Gesundheitsminister Jens Spahn vor einem drastischen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland gewarnt. Im September schon könne die Marke von 400 und im Oktober die von 800 überschritten werden, hatte er gesagt. Merkel betonte, dass auch im Herbst noch Maskenpflicht und regelmäßiges Testen nötig sein werde. Sie distanzierte sich damit von Forderungen etwa von Außenminister Heiko Maas nach der Abschaffung der meisten Auflagen im August. Man dürfe nicht nur an die Geimpften denken, sondern auch an die, die wie kleine Kinder oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen keine Impfung bekommen könnte, sagte die Kanzlerin. "Alle wollen Normalität zurück." Jüngsten Daten des RKI und der Bundesregierung zufolge sind in Deutschland 48 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft, 60,4 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

Merkel betonte auf eine entsprechende Frage, dass es bei der derzeitigen Corona-Politik keine Differenzen mit Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet gebe. "Und wenn die Inzidenzen steigen, werden wir auch alles daran setzen, gemeinsame Lösungen zu finden", sagte sie. Sie sei bereit zu Gesprächen mit den 16 Ministerpräsidenten. In den vergangenen Tagen hatte es wiederholt Forderungen gegeben, festzulegen, ab welchen Inzidenzwerten wieder Corona-Einschränkungen greifen sollen.

Das RKI meldete am Donnerstag 1890 neue Positiv-Tests, 248 mehr als vor einer Woche. Damit flacht sich die Anstiegdynamik etwas ab. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg erneut und lag bei 12,2 nach 11,4 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Virus angesteckt haben. Den Angaben zufolge starben 42 weitere Personen im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 91.458. Insgesamt fielen in bislang mehr als 3,75 Millionen Corona-Tests positiv aus. Die höchste Inzidenz weist Berlin mit 22,6 auf, die niedrigste Sachsen-Anhalt mit 2,8. Die Zahl der in Krankenhäusern registrierten Corona-Intensivpatienten sank auf 350.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung kündigte an, nun auch zwölf bis 15-jährige in Impfzentren gegen das Coronavirus impfen zu wollen. Das Land wolle dabei die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beachten, teilt das Gesundheitsministerium mit. Diese empfehle Impfungen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren bei Vorliegen bestimmter Vorerkrankungen oder bei regelmäßigem Kontakt zu Personen mit erhöhtem Risiko schwerer Krankheitsverläufe, die selbst nicht geimpft werden können. Aber auch weitere Kinder und Jugendliche könnten nach ärztlicher Aufklärung eine Impfung erhalten. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Impfstoff von BioNTech/Pfizer für über Zwölfjährige zugelassen.

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