Microsoft: Deutsche Wirtschaft kann KI ohne eigene Cloud nutzen

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Die Wirtschaft in Deutschland kann nach Einschätzung von Microsoft -Präsident Brad Smith auch ohne eine eigene große technische IT-Plattform seine führende Rolle in der Weltwirtschaft verteidigen. "Wenn wir über Deutschland und Technologie nachdenken, geht es nicht nur darum, ob es eine deutsche Version von Facebook geben wird, sondern es geht grundsätzlich darum, ob Daten und künstliche Intelligenz die deutsche Wirtschaft insgesamt weiter vorantreiben werden", sagte Smith am Donnerstag in Berlin.

"40 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts werden durch Exporte erwirtschaftet, das ist außergewöhnlich", sagte der Microsoft-Manager. Deutschlands Stärke bestehe darin, Güter zu produzieren, die der Rest der Welt kaufen wolle. Bei der Verteidigung der führenden Positionen in den Bereichen Maschinenbau, Chemie und Elektrotechnik sowie in der Automobilindustrie werde es künftig auch darauf ankommen, wie stark Dienste in der Internet-Cloud und Verfahren der künstlichen Intelligenz genutzt würden.

Beim Bestreben der Europäer, sich von IT-Konzernen aus den USA und in China unabhängig zu machen, müsse man zwischen zwei unterschiedlichen Ebenen unterscheiden, betonte Smith: Zu einen gehe es um die Daten selbst und die verwendeten Modelle der künstliche Intelligenz. Zum anderen müsse man die technischen Plattformen betrachten, auf denen die Daten schließlich verarbeitet würden.

Das von Deutschland und Frankreich vorangetriebene Projekt Gaia-X sei ein "durchdachter Vorschlag", sagte Smith. Microsoft wolle hier nicht nur in einer Beobachterposition bleiben. "Der Vorschlag besagt, dass Unternehmen aus verschiedenen Ländern an Gaia-X teilnehmen können, solange sie objektive Standards für den Datenschutz und die Nutzung der Daten erfüllen."

Das von Deutschland und Frankreich vorangetriebene Projekt einer europäischen Daten-Infrastruktur war ursprünglich als Alternative zu den US-Internetriesen aufgesetzt worden. Das Netzwerk Gaia-X soll nach den Vorstellungen der Bundesregierung Ende 2020 online gehen und im Kern dafür sorgen, dass Daten in Europa "sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können"./chd/DP/fba

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