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Nestle: Aktivistischer Investor macht Lebensmittelriesen Beine

dpa-AFX
Nestle: Aktivistischer Investor macht Lebensmittelriesen Beine

Beim Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle ist Feuer unterm Kessel. Der aktivistische Investor Dan Loeb drängt auf schnelle Veränderungen bei dem schwerfälligen Riesen und treibt das Management um den früheren Fresenius-Chef Mark Schneider an. Die Führungsriege wiederum fühlt sich zu Unrecht der Langsamkeit beschuldigt und sieht Erfolge beim Konzernumbau. Wie die Lage bei Nestle ist, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

DIE LAGE BEI NESTLE:

Aktivistische Investoren kaufen sich in der Regel bei Unternehmen ein, bei denen sie noch nicht gehobene Wertreserven vermuten. Dann üben sie publikumswirksam Druck auf das Management aus, den strategischen Kurs zu ändern, Teile zu verkaufen - um dann am Ende wieder mit Gewinn auszusteigen. Dan Loeb zählt zu dieser Kategorie von Investoren. Über seinen Hedgefonds Third Point hat er sich vor über einem Jahr für 3,5 Milliarden US-Dollar bei Nestle eingekauft und hält aktuell gut ein Prozent der Aktien.

Konsumgüterhersteller geben mit ihren hohen Ausgaben und recht mauen Wachstumsraten eine Zielscheibe für aktivistische Investoren ab. Dies hatte auch der Milka-Hersteller Mondelez erfahren müssen, der unter Bill Ackman zu Sparmaßnahmen angetrieben wurde, oder Procter & Gamble , bei dem der Investor Nelson Peltz inzwischen im Aufsichtsrat sitzt.

Dan Loeb hat konkrete Pläne für den weltgrößten Lebensmittelhersteller. Der US-Investor fordert die Trennung von Unternehmensteilen, die für 15 Prozent des Umsatzes stehen. Die Mittel daraus soll Nestle für Zukäufe und weitere Aktienrückkäufe verwenden. Auch die Beteiligung von 23 Prozent am Kosmetikkonzern L'Oreal soll Nestle versilbern. Darüber hinaus schlägt Loeb die Aufteilung des Konzerns in die drei Sparten Getränke, Gesundheit und Lebensmittel vor. Damit könnte die Bürokratie bei Nestle verringert werden, so die Begründung.

Beim Gewinn will Loeb den Schweizern ebenfalls Beine machen. Ihm schwebt eine operative Gewinnmarge von 20 Prozent vor. Nestle hat sich dagegen bis 2020 ein Ziel in der Bandbreite von 17,5 bis 18,5 Prozent gesetzt.

WIE REAGIERT DAS UNTERNEHMEN:

Nestle-Chef Mark Schneider war gerade mal ein halbes Jahr im Amt, als Investor Loeb auf den Plan trat. Die Berufung des Managers, der zuvor die Geschicke des Gesundheitskonzerns Fresenius lenkte, sahen bereits viele als ein Signal für Veränderung. Denn Schneiders Vorgänger bei Nestle waren alles Eigengewächse.

Schneider nahm dann auch einiges in Angriff, wie den Ausbau des Kaffee-Geschäfts in den USA. Auf die Übernahme der Mehrheit am kalifornischen Kaffeeröster Blue Bottle Coffee folgte eine Kaffee-Partnerschaft mit Starbucks . Von der Kaffeehauskette aus Seattle erwirbt Nestle das Handelsgeschäft und kann somit künftig weltweit Starbucks-Kaffee vertreiben. Nestle ist bereits mit Verkaufsschlagern wie Nescafé und Nespresso der größte Kaffee-Konzern der Welt. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht. Vor allem die Holding der deutschen Unternehmerfamilie Reimann JAB ist umtriebig und hat sich ein Portfolio an Kaffee-Marken zusammengekauft.

Auch das Thema Gesundheit hat Nestle auf dem Schirm. Der Konzern kaufte den kanadischen Hersteller von Multivitaminpräparaten und Proteinnahrung Atrium Innovations. Zudem investierte der Konzern in Unternehmen rund um gesundes Essen wie Freshly, Sweet Earth oder Terrafertil.

Im Gegenzug wurden schwächelnde Geschäfte wie das Süßwarengeschäft in den USA an den Nutella-Hersteller Ferrero verkauft. Für das Lebensversicherungsgeschäft Gerber Life prüft Nestle Optionen. Kreisen zufolge denkt der Konzern auch über den Verkauf des deutschen Fleischwarenkonzerns Herta nach.

Darüber hinaus verschärften die Schweizer ihren Sparkurs und legten ein Aktienrückkaufprogramm auf. Schneider hat zudem angedeutet, sich beim L'Oreal-Anteil die Möglichkeiten offen zuhalten. Loeb geht dies jedoch alles nicht weit genug. "Das Management von Nestle bewegt sich beim Ausstieg aus wenig rentablen und nicht strategischen Geschäftsteilen zu langsam", schrieb er.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die Kritik, die Loeb in Bezug auf die Schwerfälligkeit von Nestle übt, halten viele Analysten für nachvollziehbar. Nicht jeder begrüßt aber die rigorose Art, mit der Loeb vorgeht. Aus Sicht von Analyst Martin Deboo von Jeffries tobt bei Nestle derzeit hinter den Kulissen ein Kampf der Kulturen. Und Deboo glaubt nicht, dass der konfrontative Kurs des Investors zielführend sein wird. Noch sei Third Point ein recht kleiner Aktionär und es sei unklar, wie viel Rückendeckung Loeb von anderen Investoren erhalten könne, schrieb er in einer Studie.

Zudem habe Konzernchef Schneider für Nestle-Standards geradezu revolutionäre Veränderungen eingeleitet. Erstmals gebe es mittelfristige Ziele, und das Aktionärsbündnis mit der L'Oreal-Gründerfamilie sei nicht erneuert worden. Mit der Berufung der Chefs von Inditex und Adidas wehe nun auch ein frischer Wind im Verwaltungsrat.

Warren Ackerman von der französischen Bank Societe General findet ebenfalls, dass sich das Management nicht zu sehr von Loeb die Agenda bestimmen lassen sollte. Es sei nicht weise, Nestle zu hohe Zielvorgaben zu setzen. Besser sei es, die gültigen zu übertreffen, schreibt er. Aus seiner Sicht würde der von Loeb geforderte Verkauf der L'Oreal-Beteiligung zum jetzigen Zeitpunkt auch wenig Sinn machen, da Nestle bereits ein 20 Milliarden Franken schweres Aktienrückkaufprogramm laufen habe. Der Konzern solle den Anteil lieber als Akquisitionswährung behalten. Interessante Zielobjekte könnten die medizinische Ernährung Nutricia von Danone , die Babynahrung Similac von Abbott oder die Tierfuttermarke Hills von Colgate sein.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Mit Blick auf den Aktienkurs hat sich das Milliarden-Investment für Loeb bislang wohl nicht gelohnt. Vor der Bekanntgabe des Einstiegs notierte die Aktie bei gut 82 Schweizer Franken. Aktuell notiert sie etwas darunter. Dazwischen liegt ein Rekordhoch von 86,40 Franken, das die Aktie im Dezember letzten Jahres erreichte. Danach ging es bergab mit dem Papier bis auf 75 Franken im Juni./she/tav/jha/

Foto: Olaf Naami / Shutterstock.com

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