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Börsen-Zeitung: Vom Zinspfad abhängig, Marktkommentar von Dietegen Müller Frankfurt (ots) - Die Würfel scheinen gefallen zu sein, dass die US-Notenbank Fed am Mittwoch den Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent anheben wird. Zumindest signalisieren dies die aus Terminkontrakten abgeleiteten impliziten Zinserwartungen im Markt, und eine deutliche Mehrheit der Auguren erwartet ebenfalls einen solchen Schritt. Deshalb dürfte die marktbewegende Frage sein, ob sich die Fed darüber hinaus auch zu einem Statement hinreißen lässt, in dem sie vier statt wie bisher drei Zinsschritte für dieses Jahr in Aussicht stellt.

Die BayernLB geht davon aus, dass genau dies geschehen wird. So sei seit der Veröffentlichung der Konjunkturprognose im Dezember durch den Fed-Offenmarktausschuss einiges geschehen, was einen steileren Zinsanhebungspfad rechtfertigen würde. So hat der US-Kongress eine Steuerreform verabschiedet, und es zeichnet sich ein Haushaltspaket ab, das rund 150 Mrd. Dollar an konjunkturfördernden Effekten haben dürfte. Die BayernLB schließt nicht aus, dass die Fed darüber hinaus für 2019 drei Zinsschritte signalisiert - dies wegen der robusten Wirtschaft und nicht wegen einer höheren Inflationsprognose, die bereits "recht optimistisch" sei.

Handelspolitische Volten dürften kurzfristig kaum relevant für die Zinspolitik sein, da die Zölle auf Stahl und Aluminium einen zu geringen Teil der Wirtschaft treffen, um Inflations- oder Wachstumseffekte zu haben. Andere Marktteilnehmer fragen sich aber, ob bei den Turbulenzen Anfang Februar nicht bereits ein Übermaß an Zinserhöhungserwartung eingepreist worden ist.

Gemessen an den Renditen langlaufender Staatsanleihen ist dies der Fall: Zehnjährige US-Treasuries rentieren mit 2,84 Prozent etwas unter ihrem Vierjahreshoch von 2,95 Prozent, das am 21. Februar erreicht wurde. Auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sind von 0,80 Prozent wieder deutlich auf 0,58 Prozent zurückgegangen. Zum einen mag dies mit einer Flucht in Sicherheit zu tun haben. So haben die geopolitischen Spannungen in den vergangenen Monaten eher zugenommen. Der von Dario Caldara und Matteo Iacoviello konstruierte Index für geopolitische Risiken hat inzwischen den höchsten Stand seit dem Einmarsch der USA in den Irak 2003 erreicht.

Doch angesichts der haushaltspolitisch laxen und damit eher renditetreibenden US-Regierung ist der Renditerückgang auch ein Hinweis darauf, wie hartnäckig niedrig die Inflationserwartungen bisher bleiben. Der fünfjährige Inflationsswap, der von der Fed von St. Louis publiziert wird, hat sich von einem Hoch von 2,35 Prozent Anfang Februar wieder auf 2,10 Prozent zurückgebildet. Ungeachtet aller schrillen politischen Töne besteht derzeit ein moderates, kontinuierliches, aber nicht extrem hohes Wachstum mit einer leicht höheren, aber im langfristigen Vergleich unterdurchschnittlichen Teuerung. Eine breite Überhitzung der Wirtschaft ist nicht sichtbar.

Auch die US-Notenbank selbst geht in ihren "Dots" - den Zinsprojektionen der Fed-Gouverneure - langfristig, also auf Sicht von drei Jahren oder mehr, im Mittel nur von einem Leitzins von 2,75 Prozent aus - was noch fünf Zinsschritten entspräche. Allerdings: Vor sechs Jahren lagen die langfristigen Projektionen im Mittel bei 4,25 Prozent und vor zwei Jahren noch bei 3,25 Prozent, wobei für die anstehende März-Sitzung im Mittel ein Satz von 3 Prozent erwartet wurde. Nun geht es um 1,75 Prozent - was viel über die Prognosegüte der Notenbanker selbst aussagt.

So ist die Relevanz möglicher Änderungen in den Zinsprojektionen der Fed wohl eher gering. Doch Marktakteure verhalten sich oft pfadgläubig oder pfadabhängig. Änderungen an Projektionsspannen und Zinserhöhungspfaden stellen Störungen dar, die sich dann in erhöhter Volatilität niederschlagen.

Das wäre alles nicht weiter schlimm, gäbe es nicht drei Punkte, die grundsätzliche Vorsicht ratsam erscheinen lassen: Erstens ist der die Aktienhausse tragende Konjunkturaufschwung vor allem in den USA in die Jahre gekommen. Zweitens führt die Fed derzeit ihr größtes geldpolitisches Experiment der Geschichte - die quantitative Lockerung - sehr langsam dem Ende zu, was für unerfahrene Akteure Neuland bedeutet. Und drittens sitzt mit Donald Trump jemand an einer zentralen Machtposition, der nicht im Verdacht der Pfadabhängigkeit steht, sondern vielmehr - in gewisser Weise kreative - Zerstörung bestehender Strukturen bevorzugt.

So ist es nicht unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank zwar ihren moderaten Zinserhöhungskurs auch unter Jerome Powell fortsetzt, dass aber aus Sicht des Marktes bald andere kursbewegende Ereignisse eintreten.

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Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 49 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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