Privatbanken für Wirtschaftsentwickung 2022 zuversichtlich

Reuters · Uhr

Frankfurt (Reuters) - Die deutschen Privatbanken sind für die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr optimistisch.

Ein Wachstum von 3,5 Prozent in diesem Jahr sei möglich, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Christian Ossig, am Mittwoch auf einer Veranstaltung. "Das wäre ein wirklich kräftiger Wachstumsschub, der uns wirklich zuversichtlich ins neue Jahr blicken lässt", sagte er. Es gebe natürlich Risiken. Ossig nannte hierbei den Ukraine-Konflikt, die Corona-Pandemie, die Lage in China sowie die Energiepreise. Der Verband zählt über 170 Privatbanken als Mitglieder, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

"Die Banken stehen stabil da. Um die Verlässlichkeit des Bankensektors muss sich niemand Sorgen machen", sagte Ossig. Problematisch sei aber die immer noch zurückhaltende Nachfrage nach Unternehmenskrediten. "Wir haben nach wie vor eine hohe Unsicherheit bei Investitionen." Zudem blieben auch in diesem Jahr die Themen Digitalisierung, Niedrigzinsen und Regulierung eine Herausforderung. Banken steckten mitten in einer anspruchsvollen Modernisierung. Es bleibe eine Daueraufgabe für die Politik und die Finanzwirtschaft, den Sektor wettbewerbsfähig zu halten.

Sorge bereitet den Privatbanken die hochgeschnellte Inflation. "Das ist ein Thema, das wir sehr ernst nehmen müssen," sagte Ossig. Der Bankenverband erwartet Inflationsraten von mehr als drei Prozent in diesem und mehr als zwei Prozent in den Folgejahren sowohl für Deutschland als auch für den Euro-Raum. In Deutschland war die Teuerung zuletzt im Dezember auf 5,3 Prozent geklettert nach 5,2 Prozent im November. Das ist der stärkste Preisanstieg seit 1992.

"Die Geldpolitik muss daher aus dem Krisenmodus raus", forderte Ossig. "Wir brauchen das Ende der massiven Anleihenkäufe und der Negativzinspolitik." Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte aus Sicht des Bankenverbands jetzt einen Fahrplan auf Tisch legen, wie aus dem Krisenmodus auszusteigen sei. Nur so könnten sich die Akteure darauf einstellen. "Wenn einmal Inflationserwartungen in breiter Front über das Inflationsziel von zwei Prozent steigen, dann könnte die EZB gezwungen sein, abrupt und kräftig auf das geldpolitische Bremspedal zu treten", warnte Ossig. Eine behutsame Geldpolitik wäre dann nicht möglich.