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ProSieben-Chef Ebeling geht vorzeitig - Nachfolger wohl von außen

Reuters

München (Reuters) - Der amtsmüde ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling verlässt den Fernsehkonzern bereits in drei Monaten.

Sein letzter Auftritt nach neun Jahren werde die Vorstellung der Bilanz am 22. Februar 2018 sein, teilte das Unternehmen am Sonntagabend in Unterföhring bei München mit. Der noch 58-Jährige geht damit gut ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages, den er ohnehin nicht mehr verlängern wollte. Sein Nachfolger wird offenbar außerhalb von ProSiebenSat.1 gesucht. Für den Fall, dass dieser nicht rechtzeitig bereitsteht, soll der langjährige Vorstand und Chefjurist Conrad Albert für eine Übergangszeit die Amtsgeschäfte übernehmen. Der Aufsichtsrat berief ihn daher zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden.

Der Aufsichtsrat um den ehemaligen SAP-Finanzvorstand Werner Brandt habe bereits vor einiger Zeit mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen, erklärte die Senderkette aus ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und mehreren Spartensendern. Fündig geworden ist er noch nicht, als ihm Ebeling mit seinem Rücktrittswunsch zuvorkam.

An der Strategie ändern soll sich auch unter dem neuen Chef nichts. "Der Aufsichtsrat unterstützt ausdrücklich die Umsetzung der Drei-Säulen-Strategie", betonte Brandt. Ebeling hatte neben dem klassischen Fernsehgeschäft die Produktion von TV-Inhalten und Beteiligungen an Online-Unternehmen forciert.

Für letztere sucht ProSieben finanzkräftige Partner. Für die Internet-Firmen wie das Vergleichsportal Verivox und das Dating-Portal Parship sind Insidern zufolge mindestens vier Angebote eingegangen, nach denen die Digital-Sparte deutlich mehr als 1,3 Milliarden Euro wert ist. ProSiebenSat.1 will sich aber nur von einem Minderheitsanteil trennen. "Hiermit richten wir die Konzernstruktur auf eine sich dynamisch entwickelnde Medienlandschaft aus", sagte Brandt. ProSieben erwirtschaftet noch weniger als die Hälfte des Umsatzes mit dem klassischen Fernsehen.

In Ebelings Amtszeit war ProSiebenSat.1 in den Leitindex Dax eingezogen, nachdem die Finanzinvestoren KKR und Permira ihre Anteile über die Börse verkauft hatten. Brandt würdigte ihn als "eine der herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten der Medienindustrie". Zuletzt hatte der Vorstandschef aber für Negativschlagzeilen gesorgt. Erst musste er die Erwartungen für die Fernsehwerbeeinahmen in diesem Jahr erneut nach unten nehmen. Dann sorgten flapsige Äußerungen vor Analysten für Aufregung. Ebeling erklärte die Affinität der Zielgruppe zum klassischen Fernsehen mit den Worten: "Es gibt Menschen, die ein bisschen fettleibig sind und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf der Couch sitzen, sich zurücklehnen und wirklich gerne unterhalten werden."

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