ROUNDUP 2: Knorr-Bremse wegen Coronavirus vorsichtig - Aktie an MDax-Spitze

dpa-AFX

(neu: aktualisierter Aktienkurs, Analystenstimmen, Aussagen aus Bilanzpressekonferenz, mehr Details und Hintergründe)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Bremsenspezialist Knorr-Bremse blickt angesichts der Coronavirus-Krise und dem Rückgang der globalen Nutzfahrzeugproduktion vorsichtig aufs neue Jahr. So peilt der Vorstand für 2020 Erlöse von 6,5 bis 6,9 Milliarden Euro an und damit weniger als im Vorjahr, wie der MDax-Konzern am Mittwoch in München mitteilte. 2019 steigerte Knorr-Bremse seinen Umsatz auf Basis vorläufiger Zahlen um rund 5 Prozent auf 6,94 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 13 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro zu.

An der Börse kamen die Nachrichten sehr gut an. Am späten Vormittag lag der Kurs der Knorr-Bremse-Aktie fast 9 Prozent im Plus und war damit klarer Spitzenreiter im Index der mittelgroßen Unternehmen. Allerdings hatte das Papier seit Mitte Februar auch infolge der Sorgen wegen der Coronavirus-Ausbreitung rund ein Viertel verloren.

Für das erste Halbjahr erwartet Knorr-Bremse wegen der Folgen des neuartigen Coronavirus negative Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis. Die um Umbaukosten und andere Effekte bereinigte Marge - gemessen am operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) - soll im Gesamtjahr bei 18 bis 19 Prozent liegen nach 18,8 Prozent im Vorjahr.

Analyst Ingo-Martin Schachtel von der Commerzbank lobte vor allem den starken Auftragseingang im vierten Quartal. Besser als erwartet sei auch das operative Ergebnis ausgefallen, die Ziele für 2020 entsprächen seinen Prognosen, so Schachtel. Derweil hob Akash Gupta von der US-Bank JPMorgan das starke vierte Quartal und den Ausblick auf 2020 hervor.

Sowohl bei Schienen- als auch bei Nutzfahrzeugen hatten die Münchner 2019 klar zugelegt und waren den Angaben zufolge stärker als der Markt gewachsen. Dabei profitierte Knorr-Bremse unter anderem von guten Geschäften in der Asien-Pazifik-Region. Konzernchef Bernd Eulitz zeigte sich entsprechend zufrieden und sprach von einem erfolgreichen Jahr, verwies aber auch auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld.

Den Abschwung des weltweiten Nutzfahrzeugmarkts bekam 2019 auch Knorr-Bremse zu spüren. Wegen der sinkenden Lkw-Nachfrage ging der Auftragseingang im Nutzfahrzeug-Segment um rund 5 Prozent zurück. Dagegen steigerte der Bremsenspezialist den Auftragseingang bei Schienenfahrzeugen um rund 6 Prozent. Dank eines Endspurts im Schlussquartal mit einem Plus von 10 Prozent legte Knorr-Bremse 2019 konzernweit beim Auftragseingang um knapp ein Prozent auf rund 7,1 Milliarden Euro zu.

Im für Knorr-Bremse bedeutenden chinesischen Markt, wo der Konzern 5000 Mitarbeiter hat, sind alle Standorte trotz des Coronavirus inzwischen wieder in Betrieb. Die Verfügbarkeit der Belegschaft sei wieder auf über 80 Prozent gestiegen, sagte Eulitz auf der Bilanzpressekonferenz in München. Er sehe China weiterhin als einen der starken Wachstumsmärkte von Knorr-Bremse. In den USA und Europa liefen trotz der Virus-Ausbreitung momentan noch alle Werke, sagte der Manager. Aussagen zur künftigen Lage dort seien allerdings schwer zu machen.

Seine Prognose für 2020 stellte der Vorstand unter die Bedingung, dass die Auswirkungen des Coronavirus begrenzt bleiben, das China-Geschäft sich erholt und die globale Lieferkette stabil bleibt. In China will Knorr-Bremse auch in Zukunft stark engagiert bleiben und setzt auch auf die von der chinesischen Regierung angekündigten Konjunkturmaßnahmen im Bahnbereich. Sollte sich die Weltwirtschaft weiter verschlechtern, sei das Unternehmen darauf vorbereitet, mit Kostensenkungen zu reagieren, hieß es. Ungeachtet dessen bestätigte Knorr-Bremse seine Mittelfristziele.

Knorr-Bremse ist laut eigenen Angaben Weltmarktführer für Bremssysteme und beschäftigte Ende 2019 rund 29 000 Mitarbeiter. Der Konzern stellt Bremsen für Züge und Lkw her, hat aber auch Zugtüren, Lenksysteme sowie Heizungs- und Lüftungssysteme im Angebot. Die vollständige Bilanz will das Unternehmen am 23. April vorlegen./eas/stw/mis

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