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ROUNDUP 2: Lufthansa gelingt Rekordgewinn nach Air-Berlin-Aus - Wachstum stockt

dpa-AFX

(neu: Stückkosten-Senkung, Treibstoffkosten, Einsparungen durch Fraport-Deal, aktualisierter Aktienkurs)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Lufthansa hat im Jahr der Air-Berlin-Pleite den höchsten Gewinn ihrer Geschichte eingeflogen. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) wuchs 2017 um rund 70 Prozent auf knapp 3,0 Milliarden Euro. Für 2018 rechnet Vorstandschef Carsten Spohr nur mit einem leichten Rückgang - und erwartet bis zum Sommer weiter steigende Ticketpreise. Das Flugangebot kann er aber nicht so stark ausweiten wie er will: Fehlende Piloten und Triebwerksprobleme bei Airbus bremsen die Wachstumspläne von Europas größter Fluggesellschaft.

Anleger reagierten am Donnerstag unentschieden auf die Neuigkeiten: Die Lufthansa-Aktie pendelte am Morgen zwischen der Gewinn- und der Verlustzone. Zuletzt lag sie mit 1,87 Prozent im Plus bei 26,69 Euro und war damit zweitstärkster Wert im Dax . Auf die vergangenen zwölf Monate gesehen hat sich die Aktie sogar mit Abstand am besten im Leitindex entwickelt.

Die Aktionäre können sich nun auf eine überraschend stark steigende Dividende freuen. Für 2017 will die Lufthansa die Ausschüttung um 60 Prozent auf 80 Cent je Aktie anheben, wie sie bei der Bilanzvorlage in Frankfurt mitteilte. In den kommenden Jahren solle sie mindestens auf dieser Höhe bleiben, sagte Finanzvorstand Ulrik Svensson. In den vergangenen Jahren hatten die Aktionäre lediglich 45 bis 50 Cent je Aktie erhalten. Für 2012 und 2014 gingen sie sogar ganz leer aus.

Nun übertraf die Lufthansa die bereits optimistischen Erwartungen von Analysten. Zu dem überraschend hohen Gewinnanstieg im laufenden Geschäft trug vor allem das Passagiergeschäft bei Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Eurowings bei, aber auch die Frachttochter Lufthansa Cargo, die es dank Sparkurs und guter Geschäfte zurück in die Gewinnzone schaffte.

Der Umsatz des Konzerns legte um gut 12 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich stieg der Überschuss um ein Drittel auf 2,4 Milliarden Euro. Dabei wirkte sich die Einigung mit den Piloten bei den Betriebsrenten mit über einer halben Milliarde Euro positiv aus. Dem Konzern gelang damit sein dritter Rekordgewinn in Folge.

Dass die Treibstoffkosten 2018 auch wegen des Geschäftsausbaus von 5,2 auf 5,9 Milliarden Euro steigen dürften, will die Lufthansa durch anderweitige Einsparungen auffangen. Zudem will Finanzchef Svensson die Stückkosten in diesem Jahr um 1 bis 2 Prozent senken. Eine Vereinbarung mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport am wichtigsten Drehkreuz der Lufthansa soll der Airline 2018 einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen.

Allerdings bleibt das Geschäft in der Luftfahrt weiterhin hart umkämpft. Die Billigflieger Easyjet und Ryanair drängen noch stärker auf den deutschen Markt - auch wenn die Lufthansa nach der Air-Berlin-Pleite vergangenen Sommer ihren Marktanteil deutlich ausbauen konnte.

Dabei hatte der Konzern schon zuvor kräftig zugelegt. Als der bis dahin zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin Mitte August schließlich das Geld ausging, rissen sich die Kunden noch stärker um die Tickets der Kranich-Linie und ihrer Tochter Eurowings. Die schluckte die Air-Berlin-Tochter LGW und verleibte sich weitere Flieger und Besatzungen der einstigen Konkurrentin ein. Die Air-Berlin-Tochter Niki ging allerdings letztlich an ihren Gründer, den ehemaligen Rennfahrer Niki Lauda.

Im neuen Jahr will die Lufthansa ihr Geschäft auch dank der Übernahme kräftig ausweiten. Allerdings soll das Flugangebot konzernweit statt um 12 Prozent - wie im Januar geplant - nur noch um 9,5 Prozent wachsen. Spohr begründete die gekappten Pläne auch mit fehlenden neuen Flugzeugen.

So liefert der Flugzeugbauer Airbus seine Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe wegen verschiedener Problemen an den Triebwerken schon seit über zwei Jahren später aus als geplant. Zudem kommt die Lufthansa mit der Einstellung neuer Piloten nicht so schnell voran wie erhofft. Im laufenden Jahr erwartet Spohr bei Eurowings noch einmal deutliche Belastungen durch die Integration des Air-Berlin-Geschäfts. Bis 2020 soll die Airline dann wie geplant ihre Stückkosten im Vergleich zu 2016 um 20 Prozent senken.

Faktisch wechselten Spohr zufolge 77 Flugzeuge aus der einstigen Air-Berlin-Flotte zum Lufthansa-Konzern. Einige Maschinen würden an andere Airlines weitervermietet - während Lufthansa wiederum Maschinen samt Besatzungen von Air Nostrum, Adria und Tui mietet. Nun steht die Lufthansa kurz vor einem Deal mit dem Niki-Nachfolger Laudamotion: Sie will den Österreichern Airbus-Jets vermieten, damit diese samt eigener Besatzung wiederum für Eurowings und die Thomas-Cook-Tochter Condor die Luft gehen können.

Wenn der Deal mit Eurowings zustandekommt, würde ein weiterer Teil des Air-Berlin-Erbes faktisch für den Lufthansa-Konzern fliegen, der selbst die Niki aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht übernehmen durfte. Laut Spohr geht es um 8 bis 10 Maschinen./stw/ceb/das

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Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 49 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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