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ROUNDUP: Arbeitgeber unzufrieden mit Flächentarif - IG Metall übermächtig?

dpa-AFX

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Zwischen den Tarifpartnern in der deutschen Metall- und Elektroindustrie knirscht es gewaltig. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hat in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag) seinem Frust über Mitgliederschwund und die Folgen des aktuellen Tarifabschlusses freien Lauf gelassen. In letzter Konsequenz drohte der Arbeitgeber-Chef sogar mit einem Ende des Flächentarifs, der letztlich die Arbeitsbedingungen für knapp vier Millionen Beschäftigte in den deutschen Schlüsselindustrien wie Auto oder Maschinenbau regelt.

Dulger warnte davor, dass immer mehr Mitgliedsfirmen weder die kräftigen Lohnsteigerungen verkraften noch die immer komplexeren Arbeitszeitvereinbarungen administrativ umsetzen könnten. Wegen der 2018 erstmals von der IG Metall eingesetzten Tagesstreiks bestehe ein Ungleichgewicht der Kräfte, in dem die Arbeitgeber nichts entgegenzusetzen hätten. Obwohl diese extreme Form des Warnstreiks in anderen Branchen schon viel länger üblich ist, sollten die 24-Stunden-Ausstände in der Metallindustrie erst nach einer gescheiterten Schlichtung möglich sein, verlangte Dulger von seinem Gegenüber.

Auf den Einwand, dass dies wohl kaum im Interesse der Gewerkschaft liegen könne, sagte Dulger der Zeitung diesen Satz: "Aber wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt." Die Vermeidung einer zerplitterten Tariflandschaft ist aber eigentlich die Königsaufgabe seines Verbandes. "Wenn die Tarifvertragsparteien so weitermachen, gehen weitere Firmen aus der Tarifbindung heraus, was ich sehr bedauern würde", schiebt Dulger daher noch nach.

Die IG Metall warnte Gesamtmetall umgehend davor, die von ihnen selbst mit unterzeichneten Flächentarifverträge infrage zu stellen. Dass die Gewerkschaft nicht gleich ihren Ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann vorgeschickt hat, kann man als bewusste Deeskalation werten. "Die Tarifautonomie und die Flächentarifverträge sind die Eckpfeiler unseres seit Jahrzehnten erfolgreichen Wirtschaftsstandorts", erklärte eine Sprecherin in Frankfurt. "Davon profitieren Unternehmen wie Beschäftigte gleichermaßen. Dies einseitig in Frage zu stellen, schadet allen."

Der Ökonom Marcel Fratscher verwies auf die ungebrochene Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und bewertete die Lohnsteigerungen als maßvoll. Der "Saarbrücker Zeitung" sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): "Wenn man sich die Lage der Unternehmen in Deutschland insgesamt anschaut, dann ist die schleichende Aushöhlung der Tarifbindung durch die Arbeitgeberseite nicht nachvollziehbar."

Die Drohung Dulgers fällt in eine Zeit der Entfremdung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Zuletzt hat die Sozialpartnerschaft kaum noch positive Ergebnisse gebracht. Die IG Metall ist tief verärgert über das Lavieren von Gesamtmetall und seinen Regionalverbänden in der Frage der Angleichung der Regelarbeitszeit in den ostdeutschen Ländern, wo fürs gleiche Geld immer noch drei Stunden pro Woche länger gearbeitet werden muss als im Westen. 30 Jahre nach der Wende und eineinhalb Jahre nach einer eindeutigen Verhandlungsverpflichtung ist eine Lösung immer noch nicht in Sicht, ein in Berlin-Brandenburg ausgehandelter Kompromiss wurde von den Arbeitgebern wieder vom Tisch gezogen.

Der zunächst auch von Gesamtmetall noch hochgelobte Tarifabschluss aus dem Februar 2018 brachte im ersten Jahr eine Lohnsteigerung um 4,3 Prozent und im laufenden Jahr ein neues tarifliches Zusatzgeld im Gegenwert von weiteren 2 Prozent. Es kann von einer ganzen Reihe Beschäftigter in Freizeit umgewandelt werden kann. Rund eine Viertelmillion Metaller nutzte diese Möglichkeit, für Dulger ein Zeichen: "Alle verdienen genug, jetzt geht's ums gute Leben." Mit dem hohen Lohnabschluss habe der Vertrag im Mittelstand enorme Verwerfungen ausgelöst. "Das Tarifsystem muss aber für kleine, mittlere und große Betriebe gleichermaßen anwendbar sein."/ceb/DP/fba

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