ROUNDUP/Ölpreise: Marktturbulenzen setzen sich fort - Mai-Future teurer als Juni

dpa-AFX

NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Turbulenzen am Rohölmarkt haben sich einen Tag nach einem historischen Preisrutsch fortgesetzt. Nachdem der Preis für US-Rohöl zur zeitnahen Auslieferung am Montag erstmals unter die Nullmarke gefallen war, sprangen die Turbulenzen am Dienstag auf weitere Marktsegmente über. Nicht nur der Preis für amerikanisches Rohöl fiel stark, auch der Preis für europäisches Rohöl wurde mit nach unten gezogen.

Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kostete am Dienstag im Tief 6,50 US-Dollar. Zuletzt lag der Preis bei 8,70 Dollar und damit um 11,73 Dollar tiefer als am Vortag. Der Kontrakt für Mai notierte mit 9,36 Dollar darüber. Letzterer war am Montag noch massiv in den negativen Bereich gefallen - so etwas hatte es davor noch nie gegeben. Als Auslöser des Phänomens gilt ein giftiges Gemisch aus einer stark fallenden Nachfrage wegen der Corona-Krise und einem viel zu hohen Angebot.

Die Nordseesorte Brent blieb von den Turbulenzen am US-Ölmarkt nicht verschont. Sie geriet am Dienstag ebenfalls in den Abwärtsstrudel. Im Tief kostete sie 18,10 Dollar. Zuletzt stand der Preis bei 19,60 Dollar. Das waren 6,53 Dollar weniger als am Vortag.

Der Ausnahmezustand am Ölmarkt geht zurück auf ein stark auseinanderklaffendes Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Auf der Nachfrageseite wiegt schwer, dass die Corona-Pandemie derzeit viele Volkswirtschaften faktisch lahmlegt. Entsprechend gering ist der Bedarf an Rohöl und Ölprodukten wie Benzin, Diesel und Heizöl. Das hat auch Auswirkungen auf die Sprit- und Heizölpreise, die bereits deutlich rückläufig sind.

Auf der Angebotsseite herrscht nach Meinung vieler Fachleute eine Ölschwemme vor. Zwar haben große Fördernationen wie Russland und Saudi-Arabien bereits deutliche Förderkürzungen angekündigt. Diese werden jedoch angesichts des starken Nachfragerückgangs als zu gering erachtet. So entsprechen die avisierten Produktionskürzungen des Ölkartells Opec und verbündeter Staaten gerade mal einem Drittel des befürchteten Nachfrageeinbruchs wegen der Corona-Krise.

Hinzu kommt, dass die Lagerkapazitäten in vielen Ländern knapp werden oder sogar bereits erschöpft sind. In Cushing, dem Auslieferungsort für amerikanisches Rohöl, sind zwar noch freie Kapazitäten vorhanden. Allerdings sind diese in den in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen. Vom größten privaten Anbieter von Öllagerraum, dem in Rotterdam ansässigen Unternehmen Royal Vopak, hieß es am Dienstag, seine Lagerkapazität sei nahezu erschöpft./bgf/he

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03.07.2020, 19:06, Deutsche Bank Indikation

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