ROUNDUP/Rote Zahlen: Südzucker kämpft mit anhaltend schwierigem Zuckergeschäft

dpa-AFX

MANNHEIM (dpa-AFX) - Die Durststrecke bei Südzucker ist bei weitem nicht ausgestanden. Seit der Liberalisierung des EU-Zuckermarktes kämpft Europas größter Zuckerkonzern mit den Preisverwerfungen am Markt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2019/20 rutschten die Mannheimer tiefer in die roten Zahlen - trotz eines Lichtblicks im dritten Quartal, in dem sich die Zuckerpreise etwas erholten und die Geschäfte bei der Bioethanol-Tochter Cropenergies brummten.

An der Börse reagierten die Anleger am Morgen enttäuscht - die Südzucker-Aktie rutschte um zuletzt mehr als 5 Prozent ab und hielt damit die rote Lampe im Index der kleineren Werte SDax . Damit setzt sich nach einem mehrwöchigen Höhenflug des Papiers der zu Jahresbeginn gestartete Kursrückgang weiter fort.

Nach drei Quartalen kommen die Mannheimer nun auf einen Verlust von 35 Millionen Euro, wie Südzucker am Dienstag zur Vorlage endgültiger Zahlen mitteilte. Weil der Konzern unter anderem an die Miteigentümer der Töchter Agrana und Cropenergies mehr abgeben musste als ein Jahr zuvor, fiel der auf die Südzucker-Aktionäre entfallende Verlust mit 87 Millionen Euro noch deutlich höher aus. Ein Jahr zuvor hatte das Minus noch 3 Millionen Euro betragen.

Ausschlaggebend für das Loch in der Kasse war neben dem verlustreichen Zuckergeschäft ein deutlicher Ergebnisrückgang im Segment Frucht. Dagegen lief es im Geschäft mit Spezialitäten und bei Cropenergies besser als ein Jahr zuvor. Der Umsatz lag konzernweit wie bereits bekannt mit gut 5 Milliarden Euro rund 3 Prozent unter dem Vorjahr. Das operative Ergebnis ging um zweieinhalb Prozent auf 113 Millionen Euro zurück.

Im Zuckergeschäft konnte Südzucker zwar seinen Verlust im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr reduzieren, rutschte aber auf Neunmonatssicht tiefer in die roten Zahlen. Nach drei Quartalen stand ein operativer Verlust von 146 Millionen Euro in den Büchern, ein Jahr zuvor waren es noch minus 83 Millionen Euro gewesen.

Der Vorstand begründet diese Entwicklung zum einen mit einem nicht kostendeckenden Preisniveau im EU-Zuckermarkt und den nach Ernterückgängen deutlich gesunkenen Absatzmengen, insbesondere im Export. Seit dem vergangenen Oktober sei eine Erholung der Preise zu verspüren gewesen, allerdings hätten dieser Entwicklung - bedingt durch höhere Rübenpreise - gestiegene Produktionskosten gegenüber gestanden. Einem Sprecher zufolge dürften die Zuckerpreise innerhalb der nächsten zwei Jahre aber wieder deutlich anziehen.

Während Experten bei niedrigen Ernten von einem weltweit steigenden Zuckerverbrauch ausgingen, hätten sich solche positiven Erwartungen bislang nur zögerlich in den leicht steigenden Weltmarktpreisen niedergeschlagen, hieß es im Neunmonatsbericht weiter. Ein deutlicherer Preisanstieg werde derzeit durch hohe Lagerbestände in Indien verhindert. Kurzfristig sollen diese Bestände mithilfe von staatlichen Subventionen abgebaut werden. Nach Klagen von Australien, Brasilien und Guatemala bei der Welthandelsorganisation WTO könnte sich der Fall wegen der aktuellen Blockade des Streitschlichtungsgremiums durch die USA nun aber verzögern.

Südzucker hat trotz der Probleme beim Zucker im laufenden Geschäftsjahr seine Prognosen mehrmals angehoben, zuletzt Mitte Dezember. Ausschlaggebend hierfür sind die guten Geschäfte bei den Spezialitäten und bei der Bioethanol-Tochter Cropenergies. Hier profitiert der Konzern von der Nachfrage nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Der Umsatz wird demnach zwischen 6,7 und 7 Milliarden Euro gesehen, und das operative Ergebnis soll bei 70 bis 130 Millionen Euro liegen.

Damit strebt Südzucker zwar ein deutlich besseres operatives Ergebnis an als im Geschäftsjahr 2018/19. 2017/18 hatte der Konzern mit 445 Millionen Euro aber noch einen deutlich höheren Wert ausgewiesen. Im Zucker-Geschäft rechnet der Konzern zudem damit, dass sich der Verlust im bis Ende Februar laufenden Geschäftsjahr noch ausweiten könnte. Der Bereich bleibe voraussichtlich auch im ersten Halbjahr 2020/2021 verlustbringend, bevor sich die vom Konzern geplanten Kosteneinsparungen bemerkbar machen dürften./tav/kro/men

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