Rückschlag war wahrscheinlich

Stefan Riße

Dieses Börsenjahr ist sehr getreu dem statistischen Muster gefolgt. Die statistisch guten Monate brachten Gewinne, die schlechteren eher Verluste. Ab dem Sommer haben sich die Anleger auch dementsprechend positioniert. Obwohl die Kurse sich auf Rekordhoch befanden, wurden die Investoren ab August deutlich vorsichtiger. Denn dann kam ja der statistisch schlechteste Börsenmonat September, auf den bekanntlich der Crashmonat Oktober folgt. Häufiger gab es hier Kursstürze, die berühmtesten waren der legendäre schwarze Freitag von 1929 und der 19. Oktober 1987, an dem der Dow Jones an einem einzigen Tag 22,3 Prozent verlor.

November und Dezember gut, aber nicht ohne Rückschläge

Ende Oktober, als die Kurse schon wieder begannen zu steigen, ließ sich auch mehr Risikohunger bei den Investoren beobachten. Der sogenannte Fear/Gread-Index ging von Angst auf Gier und die von der Bank of America befragten internationalen Aktienfondsmanager senkten ihre Cash-Quoten, nachdem sie diese zuvor angehoben hatten. Denn nun kamen ja die statistisch guten Monate November und Dezember. Bliebe dieses Jahr dem Saisonrhythmus bis zum Schluss treu, dann müssten wir tatsächlich mit höheren Kursen das Jahr verlassen als die, die wir Ende Oktober gesehen haben. Nichtsdestotrotz ließ sich immer wieder beobachten, dass es auch in diesen Monaten zumeist noch mal einen kräftigen Rückschlag gab. Das ist auch nur logisch, wenn die Anleger auf steigende Kurse setzen und so mancher von ihnen auch mit Hebel arbeitet. Denn dann steigt die Gefahr eines stärkeren Rückschlags. Denn kommen die Kurse in einer solchen Situation unter Druck, dann werden schnell Stop-Loss-Aufträge ausgeführt oder Positionen zwangsliquidiert. Es braucht nur einen Auslöser, der erste Verluste verursacht. Diese beginnen harmlos und dann geht es plötzlich sehr schnell. Den Auslöser hatten wir mit dem erheblichen Anstieg der Infektionszahlen in Deutschland. Den DAX hatte das schon gute 400 Punkte nach unten gedrückt. Die südafrikanische neue Variante des Coronavirus, die offenbar ja noch ansteckender sein könnte als alle, die wir bisher kennen, hat nun Schwung in die Abwärtsbewegung gebracht. Wie weit diese reichen wird, muss man jetzt sehen, der Rückschlag sollte aber Kaufkurse bieten. Denn zumindest in der Vergangenheit war er relativ kurz und dann zogen die Kurse wieder an. Dies würde wahrscheinlich passieren, wenn die Wissenschaft feststellt, dass die existierenden Impfstoffe auch gegen diese Variante schützen. Bei einer solchen Nachricht dürfte es dann zügig wieder nach oben gehen.

Angst könnte verfliegen

Kommt es nicht zu diesen Meldungen, weil sie eben nicht zutreffen, also Impfstoffe eher weniger wirksam sind und es verstärkt Einschleppungen des Virus auch in anderen Kontinenten gibt, können die Verluste natürlich weitergehen. Allerdings würden dann wohl die bisherigen Sorgen der Börsianer verfliegen. Denn gäbe es eine neue Welle von Lockdowns und Reisebeschränkungen, würden die Notenbanken, insbesondere die amerikanische, womöglich von ihren geplanten Zinserhöhungen zunächst einmal abrücken und möglicherweise sogar die Staaten neue Konjunkturprogramme auflegen. Auch diese Variante könnten die Börsen dann im positiven Sinne spielen. Denn noch gibt es monetären Rückenwind, und das spricht dafür, dass sich mehr oder minder doch in jeder Konstellation am Ende steigende Kurse durchsetzen. Erst wenn die Liquidität knapp wird, dürfte sich dies ändern. Und das würde auch dann passieren, wenn Corona ausgerottet wäre und die Konjunktur auf Hochtouren liefe. Denn die Liquidität und insbesondere die Notenbankpolitik geben die Tendenz an den Aktienmärkten schon seit vielen Jahren vor, mehr als alles andere.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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