RWE: Konzern will beim Wandel zu Erneuerbaren Energien mehr Tempo machen – Milliardeninvestitionen bis 2030 – so bewerten Analysten die Aktie

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RWE: Konzern will beim Wandel zu Erneuerbaren Energien mehr Tempo machen – Milliardeninvestitionen bis 2030 – so bewerten Analysten die Aktie

Der Energiekonzern RWE will schneller grüner werden als bislang gedacht. Entsprechend hat sich das Unternehmen neue Ziele zum Ausbau von Alternativen Energien bis zum Ende des Jahrzehnts gesetzt – Milliarden-Investitionen inklusive. Während bislang jährlich 1,5 Gigawatt Windkraft und Solar-Anlagen zugebaut werden sollten, sind es nun 2,5 Gigawatt bis 2030. Was beim Unternehmen los ist, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

So ist die Lage des Unternehmens

Es waren ereignisreiche Tage für Markus Krebber. Das dritte Quartal war das erste vollständige, das er als seit Mai amtierender RWE-Vorstandschef präsentierte. Vier Tage später legte er auf dem Kapitalmarkt-Tag seine Strategie bis 2030 für den Dax-Konzern vor. Und die hat ein klares Ziel: Grün werden – und das schneller als bislang geplant. Das Portfolio an Alternativen Energien soll bis zum Ende des Jahrzehnts auf 50 Gigawatt anwachsen. Pro Jahr will RWE dafür im Schnitt 2,5 Gigawatt zubauen, das sind zwei Drittel mehr als bislang angestrebt.

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Daran hängt natürlich ein Preisschild. Pro Jahr will Krebber durchschnittlich fünf Milliarden Euro brutto in das Kerngeschäft investieren. Dieses umfasst bei RWE den Energiehandel, die Segmente Off- und Onshore von Wind und Solar sowie Wasser, Biomasse und Gas. 45 Prozent der Investitionssumme entfallen jeweils auf Projekte im Bereich Windkraft zu Wasser und zu Lande sowie in Solarenergie und Batterien.

Die restlichen zehn Prozent fließen laut dem Unternehmen in flexible Erzeugungskapazitäten wie Gas und den Ausbau von Wasserstoff. Bis 2030 summieren sich die Bruttoinvestitionen auf 50 Milliarden Euro, wobei zehn bis 15 Milliarden Euro jeweils in Deutschland, Großbritannien und Nordamerika geplant sind. Die gesamte Nettoinvestitionssumme beläuft sich laut RWE auf 30 Milliarden Euro.

In der Folge soll das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Kerngeschäft jährlich im Schnitt um neun Prozent steigen und bis 2030 ein Niveau von fünf Milliarden Euro erreichen. Das wäre laut dem Unternehmen eine Verdoppelung im Vergleich zum laufenden Geschäftsjahr.

Und die Konzentration auf das Kerngeschäft der alternativen Energien soll sich auch im Nettoergebnis widerspiegeln. Bis 2027 soll der bereinigte Gewinn hieraus den fehlenden Anteil der Kohle- und Atomenergie komplett ersetzt haben. Im laufenden Geschäftsjahr prognostiziert das Management noch, dass Kohle- und Kernenergie rund 40 bis 50 Prozent des Nettoergebnisses ausmachen werden.

Den ersten Schritt hin zu einem Geschäft rein mit Alternativen Energien von RWE spiegelt auch die vom Management erhöhte Prognose für 2022 wider. Von den erwarteten 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro bereinigter Nettogewinn sollen 650 bis 950 Millionen Euro aus dem Kerngeschäft kommen. Das bereinigte operative Ergebnis werde konzernweit mit 3,3 bis 3,6 Milliarden Euro zudem rund 200 Millionen Euro höher ausfallen als bislang gedacht.

Von den besseren Ergebnissen sollen auch die Aktionäre profitieren: Die prognostizierte Dividende in Höhe von 90 Cent je Aktie für das laufende Geschäftsjahr soll in den kommenden Jahren die Untergrenze bilden. Langfristig stellte das Management Ausschüttungen von 50 bis 60 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses in Aussicht. Bislang waren nur mindestens 40 Prozent versprochen worden.

So bewerten die Analysten die Aktie

Mit der neuen Strategie konnte Krebber zumindest schon mal die Analysten überzeugen. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Der Energiekonzern habe einen klaren und unkomplizierten Plan skizziert, um weiterhin eine führende Rolle im Bereich der Alternativen Energien zu spielen, schrieb Jefferies-Experte Ahmed Farman. Mit den langfristigen Zielen komme mehr Klarheit in das Wachstum der nächsten zehn Jahre.

Auch Ingo Becker von der Investmentbank Kepler Cheuvreux zeigte sich zuversichtlich: Mit den geplanten Investitionen in Alternative Energien spiele der Energiekonzern unter den Großen der Versorger- und Ölbranche mit. Und sein Kollege Alberto Gandolfi von Goldman Sachs ordnete die RWE-Strategie mit Blick auf die Gesamtbranche ebenfalls optimistisch ein. Gelinge den Essenern die Umsetzung ihrer Ziele bis 2030, seien die Papiere im Vergleich mit der direkten Konkurrenz von Orsted und EDP Renovais massiv unterbewertet.

Gandolfi ist mit einem Kursziel von 49,50 Euro der optimistischste der von dpa-AFX seit dem am 15. November abgehaltenen Kapitalmarkt-Tag erfassten zwölf Analysten. Wobei alle Kursziele über den zuletzt für die RWE-Aktie zu zahlenden Preis von gut 32 Euro liegen und mit einer Kauf-Empfehlung verknüpft sind. Der durchschnittliche Kaufpreis der Experten für die RWE-Aktien liegt bei 43,93 Euro.

So läuft die Aktie

Auch die Anleger teilen die Ansichten der Analysten. Nach dem Kapitalmarkttag arbeitete die Aktie wieder an einer Aufwärtsbewegung. Zuvor hatte der Kurs seit Anfang November etwas Boden verloren. Wenn auch es nicht so weit runter ging wie im Juli, als das bisherige Jahrestief von 28,39 Euro erreicht wurde. Aber auch das bisherige Hoch in 2021 von 38,65 Euro aus dem Januar ist noch ein Stück entfernt.

Seit dem Höhenflug von Anfang des Jahres hatten die RWE-Papiere einiges an Wert verloren, vor allem als die Wetterbedingungen die Ergebnisse im ersten Quartal heftig belasteten. In den darauf folgenden Monaten ging es in einem Band zwischen 30 und 35 Euro auf und nieder. Die Aktie profitierte unter anderem immer wieder von den politischen Diskussionen um den Ausbau der Alternativen Energien. In einem Umfeld anziehender Renditen am Anleihemarkt mit womöglich bald steigenden Leitzinsen tun sich Versorger-Aktien allerdings gemeinhin schwer. Höhere Zinsen verteuern die Finanzierungskosten etwa ihrer Kraftwerke, aber auch ihrer Verbindlichkeiten.

Auf Jahressicht steht für RWE ein Minus von gut sechs Prozent. Damit schneidet die Aktie besser ab als die des dänischen Konkurrent Orsted, der mit einem Verlust von 30 Prozent kämpft. Die Papiere des spanischen Wettbewerbers EDW stehen mit knapp zwei Prozent minus ähnlich da wie die Essener. Im Dax gehört die RWE-Aktie 2021 bislang allerdings zu den größten Verlierern.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: 360b / Shutterstock.com

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