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Scheuer scheitert mit Rauswurf von Bahn-Finanzchef Doll

Reuters

- von Markus Wacket

Scheuer scheitert mit Rauswurf von Bahn-Finanzchef Doll

Berlin (Reuters) - Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat im Machtkampf um die Führung der Deutschen Bahn eine Schlappe erlitten.

Scheuer und Aufsichtsratschef Michael Odenwald seien mit dem Versuch eines sofortigen Rauswurfs von Finanzvorstand Alexander Doll gescheitert, sagten mehrere Aufsichtsräte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters nach einer Sitzung des Gremiums. Doll war vorgeworfen worden, den Aufsichtsrat und die Regierung zu spät und unzureichend über Probleme beim Verkauf der internationalen Nahverkehrstochter Arriva informiert zu haben, der inzwischen verschoben ist. Im Aufsichtsrat fehlte aber für eine sofortige Abberufung eine ausreichende Mehrheit, da er bei Arbeitnehmer-Vertretern und einzelnen der Eigentümerseite des Staatskonzerns Unterstützung hat. Doll selbst habe erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen und lehnte einen freiwilligen Abgang ab, sagten die Aufsichtsräte.

Die Deutsche Bahn äußert sich zu Personal- und Aufsichtsratsangelegenheiten nicht.

Scheuer hatte Konzernkreisen zufolge Doll am Mittwoch einbestellt und ihm vorgeworfen, beim geplanten Verkauf oder Börsengang nicht ausreichend informiert zu haben. Die erwarteten Erlöse von bis zu vier Milliarden Euro könnten voraussichtlich nicht erzielt werden. Der Verkauf liegt inzwischen auf Eis.

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Daher sollte Dolls Ablösung bei der ohnehin geplanten Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag beschlossen werden, falls er nicht freiwillig gehe. Das lehnte Doll den Angaben zufolge vor der Sitzung ab. Nun soll ein neuer Versuch ihn abzulösen bei einer Sondersitzung in zehn Tagen gestartet werden, sagten Aufsichtsräte.

Hintergrund ist auch ein Zerwürfnis im Vorstand der Bahn: Die kriselnde Güterbahn DB Cargo, die Doll seit 1,5 Jahren mitführte, sollte einen eigenen Vorstand bekommen. Diese Funktion übernimmt nun die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, wie der Aufsichtsrat am Donnerstag beschloss: "Mit Frau Nikutta haben wir ein kompetentes neues Vorstandsmitglied für den Bereich Cargo", sagte Scheuer. "Sie ist eine Bereicherung für den Vorstand und den Konzern. Wir brauchen für den Güterverkehr einen neuen Schub."

Die Personalie hatte auch Doll befürwortet. Nikutta war den Angaben zufolge bereits früher für diesen Posten im Gespräch gewesen, was aber am Widerstand vom jetzigen Bahnchef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla gescheitert sei. Beide gelten als Gegenspieler von Doll, der im Konzern als Reformer gilt.

AUCH BAHNCHEF LUTZ UNTER DRUCK

Die hoch verschuldete Deutsche Bahn und Konzernchef Richard Lutz stehen trotz milliardenschwerer Finanzzusagen des Bundes unter Druck. Scheuer hatte Lutz ein Ultimatum bis 14. November gesetzt, um ein schlüssiges Konzept für Verbesserungen etwa bei Pünktlichkeit und Service und vor allem beim Güterverkehr vorzulegen. Lutz hatte öffentlich daraufhin hingewiesen, dass Änderungen Zeit bräuchten. "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", hatte er gesagt.

Der Streit in Vorstand und Aufsichtsrat erschwert nun die Bemühungen für Verbesserungen zusätzlich. Tritt Doll nicht doch noch freiwillig ab, müsste er als Finanzvorstand das von Scheuer bis nächsten Donnerstag eingeforderte Konzept mit vorstellen.

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