Schwarzer Montag – Was Berater jetzt wissen müssen

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Hoher Verschuldungsgrad

Die Experten des US-Asset Managers MFS haben bereits vor Ausbruch des Coronavirus-tendenziell ein eher skeptisches Bild für 2020 gezeichnet. Aus Sicht der Strategen könnte mit Blick auf die Corporate Bonds der hohe Verschuldungsgrad von Unternehmen Sorgen bereiten, der in den USA so hoch liegt wie seit 40 Jahren nicht mehr. Zudem steigt im Investmentgrade-Bereich der Anteil der BBB-Titel an der Schwelle zum High Yield-Sektor. MFS-Investmentexperte Robert Almeida weist darauf hin, dass die Gewinne von US-Unternehmen dank niedriger Zinsen und Steuern zwar höhere Margen erwirtschaftet haben. Allerdings sei die Qualität der Gewinne sehr niedrig. Mit Blick auf das Coronavirus warnt MFS vor alarmistischen Marktkommentaren. „Volkswirte, Analysten und Investoren scheinen zu Medizinern geworden zu sein. Sie spekulieren über Art, Dauer und Auswirkungen eines weltweiten Risikos, das es vor zwei Monaten schlichtweg noch nicht gab. Ein Risiko, von dem - seien wir ehrlich - nur wenige etwas verstehen“, so William Adams, Chief Investment Officer Global Fixed Income bei MFS. „Angesichts der vielen Risiken empfiehlt sich ein konservativer Investmentansatz. Stichworte sind das Coronavirus, die hohen Bewertungen, Zweifel an der Kreditqualität, weltpolitische Spannungen und die Konjunktur.“

Weniger Globalisierung?

Mohamed El-Erian, Chief Economic Advisor der Allianz und ehemaliger CEO bei Pimco, sieht als mögliche Folge der Corona-Epidemie ein Umdenken bei Unternehmen. Viele der Konzerne dürften aus seiner Sicht zu dem Ergebnis kommen, dass „just in time“-Lieferketten zwar kostengünstig, aber im Krisenfall auch extrem riskant sein können. Als Konsequenz könnten Unternehmen ihre Abhängigkeit von Lieferketten reduzieren. Die Folge für Industrieländer wäre, dass wieder verstärkt vor Ort und weniger in Schwellenländern produziert würde. Die Entwicklung käme den Plänen der aktuellen US-Regierung entgegen, die schon länger beabsichtigen, den Produktionsstandort USA wieder zu stärken.

Notenbanken als Nothelfer

Beim Auftreten krisenhafter Entwicklungen ist der Ruf nach den Notenbanken und weiteren Zinssenkungen nicht weit. Unter den wichtigsten Notenbanken hat die Fed die Zinsen bereits außerplanmäßig gesenkt. Lidia Treiber, Research-Expertin beim ETF-Anbieter WisdomTree, hält allerdings neben einer Lockerung der Geldpolitik auch fiskalpolitische Maßnahmen für nötig, um den Konsum anzukurbeln, der besonders stark unter der Coronavirus-Ausbreitung leidet. Aus ihrer Sicht hat die EZB auf der geldpolitischen Seite kaum noch Spielraum. Umso wichtiger sind aus ihrer Sicht fiskalpolitische Anreize: „Jetzt könnte der Zeitpunkt gekommen sein, die finanzkräftigen Länder zur fiskalischen Expansion zu veranlassen. Das könnte das geeignete Instrument sein, um die Nachfrageseite anzukurbeln und der Abschwächung des Wachstums in der ersten Hälfte des Jahres 2020 gegenzusteuern.“

Reduzierte Erwartungen

Die Strategen von Pictet Asset Management haben ihren Ausblick für das laufende Jahr nach unten gesetzt. Die Erwartung für das weltweite Bruttoinlandsprodukt wurde von 2,8 Prozent auf 2,5 Prozent revidiert. Die Wachstumsrate läge damit am Rande einer globalen Rezession, von der bei einem Wert von unter 2,5 Prozent ausgegangen wird. Das Gewinnwachstum bei den Unternehmen des S&P 500 sehen die Experten aktuell bei 3,1 Prozent nach zuvor 3,8 Prozent. Für die Aktien des STOXX Europe 600 erwartet Pictet ein Gewinnwachstum von 3,4 Prozent, zuvor lag die Prognose noch bei 4,4 Prozent. Den Jahresschlussstand beim S&P 500 prognostiziert Pictet nun bei 3200 statt bei 3280 Punkten. Gerechnet vom Freitagsschlusskurs der Benchmark für US-Aktien bei 2973 Punkten würde das noch ein Potential von 7,6 Prozent bedeuten. Mit Blick auf die Asset Allocation halten die Pictet-Strategen defensive Währungen und Anleihen von Emittenten mit hoher Kreditqualität für vergleichsweise attraktiv.

Fazit

Kopflose Panik war nie ein guter Ratgeber bei Investmententscheidungen. Berater sollten die Lage faktenbasiert analysieren und die Krise zum Anlass nehmen, bei Bedarf die Risikotragfähigkeit des Kunden genauer unter die Lupe zu nehmen und bei der Asset Allocation entsprechend zu berücksichtigen. Eines ist klar: Auch künftig wird das Bonmot des Börsenaltmeisters Kostolany seine Richtigkeit behalten: „Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.“

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