Staatsmedien - Iranischer Atomwissenschaftler bei Attentat getötet

Reuters

Dubai (Reuters) - Im Iran ist bei einem Attentat nahe Teheran nach offiziellen Angaben der prominente Atomwissenschaftler Mohsen Fachrisadeh getötet worden.

Nach einem Angriff auf sein Auto sei er an seinen Verletzungen in einem Krankenhaus gestorben, berichteten staatliche Medien am Freitag. Während diese Fachrisadeh als "Märtyrer" bezeichneten, stand er bei westlichen Staaten und in Israel sowie bei im Exil lebenden Gegnern der iranischen Führung im Verdacht, der Architekt eines verdeckten Atomwaffenprogramms gewesen zu sein, das 2003 eingestellt worden sei. Die USA und Israel gehen von einer versuchten Fortführung des Programms aus. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif machte auf Twitter Israel mitverantwortlich für die Tat, ohne Belege zu präsentieren.

Fachrisadehs Tod wurde in einer Erklärung der iranischen Streitkräfte über staatliche Medien vermeldet. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim berichtete von "Terroristen", die nahe der Hauptstadt zunächst ein Auto in die Luft gesprengt hätten. Dann hätten sie das Feuer auf das Fahrzeug mit dem Wissenschaftler und seinen Leibwächtern eröffnet.

Ein Militärberater von Irans geistlichen Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei warf Israel auf Twitter vor, "in den letzten Tagen seines Verbündeten" US-Präsident Donald Trump einen "ausgewachsenen Krieg" anzetteln zu wollen. Die USA und Israel hatten zuvor eine Stellungnahme zu dem Attentat abgelehnt. Trump hatte einseitig das internationale Atomabkommen mit dem Iran gekündigt, an dem auch Deutschland beteiligt ist. Sein Nachfolger Joe Biden stellte unter Bedingungen einen Wiedereintritt in Aussicht. Er soll am 20. Januar ins Weiße Haus einziehen. Vertreter von Biden lehnten am Freitag ebenfalls eine Stellungnahme ab.

Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) hat von offenen Fragen zu Fachrisadeh im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm gesprochen, insbesondere dazu, ob es auf die Entwicklung einer Atombombe abzielte. In einem Bericht von 2015 heißt es, Fachrisadeh habe die Aktivitäten "zur Unterstützung einer möglichen militärischen Dimension des Nuklearprogramms" im Rahmen des AMAD-Plans überwacht. Israel hat den Plan als das geheime Atomwaffenprogramm des Iran bezeichnet. Dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zufolge soll Fachrisadeh weiter für das Verteidigungsministerium in Teheran an "Spezialprojekten" gearbeitet haben.

Im Iran sind in den vergangenen Jahren mehrere Attentate auf Atomforscher und Physiker verübt worden. So starb etwa Massud Ali-Mohammadi 2010 durch eine ferngezündete Bombe in Teheran. Im selben Jahr wurde dort Madschid Schahrijari durch eine Autobombe getötet. Dariusch Resai wurde 2011 von Unbekannten erschossen, ein Jahr später starb Mostafa Ahmadi-Roschan ebenfalls durch eine Autobombe. Die Islamische Republik bestreitet, nach Atomwaffen zu streben.

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