Statistiker - Eindämmungsmaßnahmen haben Infektionsrate verringert

Reuters

- von Holger Hansen

Statistiker - Eindämmungsmaßnahmen haben Infektionsrate verringert

Berlin (Reuters) - Die vor rund zwei Wochen verfügten Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens haben nach Einschätzung von Statistikern die Ausbreitung des Coronavirus deutlich verlangsamt.

Der durchschnittliche Zuwachs der Anzahl der bestätigten Infektionen habe sich ab dem 20. März auf 14 Prozent von zuvor 27 Prozent verringert, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Modellrechnung dreier Wissenschaftler der Universitäten Regensburg und Mainz. "Die gravierenden Eindämmungsmaßnahmen haben die Wachstumsraten der Infektionsfälle offenbar bereits stark gedämpft", sagte Enzo Weber von der Universität Regensburg zu Reuters. "Zunahmen von 14 Prozent pro Tag sind aber noch keine Entwarnung."

In der Modellrechnung mit seinen Kollegen Tobias Hartl und Klaus Wälde geht Weber davon aus, dass sich die Zuwachsrate weiter abschwächen könnte. Angesichts von Verzögerungen beim Bekanntwerden neuer Infektionen etwa durch die Inkubationszeit und das Vorliegen eines Testergebnisses seien "weitere Wirkungen in den nächsten Tagen möglich".

AUCH LAGEBERICHT VERWEIST AUF GESUNKENE ZUWACHSRATE

Nach einem Bund-Länder-Beschluss am 13. März waren zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, um die Anzahl der sozialen Kontakte und damit die Ansteckungsgefahr zu verringern. Menschen wurden gebeten, zu Hause zu bleiben, Bundesligaspiele wurden ausgesetzt, in allen Bundesländern lief kurz darauf die Schließung von Schulen und Kitas an. Am 22. März hatten Bund und Länder noch schärfere Maßnahmen beschlossen und eine weitgehende Kontakteinschränkung verfügt.

All das soll die Ausbreitung des Virus verlangsamen, um die Krankenhäuser nicht mit einer rasant steigenden Zahl von Patienten an ihre Kapazitätsgrenzen zu bringen. Die Einschätzung, wie schnell sich das Virus ausbreitet, ist daher auch Grundlage für Entscheidungen zur Einschränkung der Kontakte oder auch über die Lockerung von Verboten.

In ihrem Modell verwenden die Wissenschaftler die Datensammlung der Johns-Hopkins-Universität anstelle der amtlichen Meldedaten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Sie begründen dies damit, dass die Daten des RKI Schwankungen und Verzögerungen unterlägen, die eine Analyse erschwerten.

Auch die RKI-Zahlen zeigen zeitweise einen Rückgang der Infektionsrate. In einem Reuters vorliegenden internen Lagebericht des Bundeswirtschaftsministeriums wird darauf verwiesen, dass der Anstieg der Neuinfektionen pro Tag seit Ende voriger Woche im Trend rückläufig sei. Die Zunahme habe am Dienstag um 13,5 Prozent im Vergleich zum Montag betragen.

Die am Donnerstag vom RKI veröffentlichten Zahlen entsprechen indes einem Anstieg um 15,7 Prozent von Dienstag auf Mittwoch. Mit Stand 00.00 Uhr am Donnerstag waren beim RKI 36.508 bestätigte Infektionen registriert. Das seien 4954 mehr gewesen als tags zuvor. Hamburg ist dabei nicht berücksichtigt. Die Hansestadt habe am Mittwoch aus technischen Gründen keine Daten übermittelt. Die Millionenstadt ist deutschlandweit - bezogen auf die Einwohnerzahl - auch nach den vorliegenden Daten am stärksten betroffen: Sie weist pro 100.000 Einwohnern 69 bestätigte Infektionsfälle auf. Danach folgen Baden-Württemberg und Bayern mit 66 und 61 Fällen pro 100.000 Einwohner.

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