Stellantis hängt Volkswagen bei der Rendite ab

Reuters

Mailand/Hamburg (Reuters) - Der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert und hebt trotz anhaltender Engpässe bei Halbleitern seine Renditeprognose an.

Der bereinigte operative Pro-Forma-Gewinn sprang im ersten Halbjahr auf 8,6 Milliarden Euro, wie die aus der Fusion von Fiat Chrysler und dem französischen PSA-Konzern hervorgegangene Gruppe am Dienstag mitteilte. Vor Jahresfrist hatte wegen der pandemiebedingten Einschränkungen nur ein Ergebnis von 752 Millionen Euro zu Buche gestanden. Die bereinigte operative Marge erreichte 11,4 Prozent, was für einen Massenhersteller ein hoher Wert ist. Zum Vergleich: Der größere VW-Konzern kam nach einem ähnlich starken ersten Halbjahr auf eine Rendite von 8,8 Prozent.

Angetrieben wurde die Ertragskraft von Stellantis durch das Geschäft in Nordamerika, wo Stellantis eine Rekordrendite von 16,1 Prozent einfuhr. Der pro forma errechnete Umsatz kletterte um 46 Prozent 75,3 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr kündigte Konzernchef Carlos Tavares eine operative Marge von rund zehn Prozent an. Voraussetzung für das Erreichen des Ziels sei aber, dass sich die Chip-Krise nicht weiter verschärfe und es in der Pandemie nicht zu weiteren Lockdowns komme. Bisher hatte der weltweit viertgrößte Autobauer eine Rendite in einer Spanne zwischen 5,5 und 7,5 Prozent in Aussicht gestellt. Anleger griffen nach der Prognoseanhebung zu. Die Stellantis-Aktie gewann zeitweise mehr als fünf Prozent an Wert.

Die höhere Rendite traut sich Stellantis zu, obwohl elektronische Bauteile vorerst knapp bleiben und der Gegenwind durch höhere Rohstoffpreise zunimmt. Finanzvorstand Richard Palmer rechnet nicht vor dem Schlussquartal mit einer Entspannung. Wegen fehlender Chips könnten in diesem Jahr voraussichtlich 1,4 Millionen Fahrzeuge nicht gebaut werden. Auch andere Autobauer kämpfen seit Monaten mit Lieferengpässen bei Halbleitern: Ford kann wird in diesem Jahr vermutlich 1,1 Millionen Fahrzeuge nicht bauen können. Volkswagen hatte allein in der ersten Jahreshälfte eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht produzieren können. Trotzdem verdienen die Konzerne prächtig und heben ihre Prognose. Das liegt daran, dass sie die knappen Halbleiter vor allem bei größeren Wagen einbauen, an denen sie gut verdienen. Hinzukommt, dass wegen der hohen Nachfrage kaum Preisabschläge gewährt werden müssen, die Preise steigen teilweise sogar.

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