Studie - Vielen Haushalten bleibt nach Mietabzug weniger als Existenzminimum

Reuters

Berlin (Reuters) - Die hohen Wohnkosten bringen einer Studie zufolge fast jeden achten Mieterhaushalt in deutschen Großstädten in eine prekäre wirtschaftliche Lage.

Knapp 1,1 Millionen oder 12,9 Prozent aller Mieterhaushalte bleibt weniger als das im Sozialrecht festgelegte Existenzminimum übrig, nachdem sie Miete und Nebenkosten bezahlt haben, wie die am Mittwoch veröffentlichte und von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zeigt. Dabei seien eventuelle Sozialtransfers und Wohngeld bereits berücksichtigt. Besonders stark betroffen sind demnach Haushalte von Alleinerziehenden: In dieser Gruppe bleibe einem guten Viertel nur ein Resteinkommen des Existenzminimums.

Gleichzeitig verstärkten hohe Wohnkosten die Einkommensspreizung in den Großstädten: Mieterhaushalte der höchsten Einkommensklasse haben den Angaben nach vor Abzug von Warmmiete und Nebenkosten im Mittel 4,4-mal so viel monatliches Nettoeinkommen wie die Haushalte der niedrigsten Klasse. Nach Zahlung der Bruttowarmmiete steigt dieser Faktor auf das 6,7-Fache. Grund dafür: Ärmere Haushalte müssten einen weit überdurchschnittlichen Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen aufwenden, obwohl sie auf deutlich weniger Wohnraum in schlechter ausgestatteten Wohnungen leben.

"Die Wohnverhältnisse sind nicht nur Ausdruck, sondern selbst Faktor der sozialen Ungleichheit in unseren Städten", so die Forscherinnen und Forscher der Berliner Humboldt-Universität, die die Studie erstellt haben. "Die ohnehin schon bestehende Einkommenspolarisierung wird durch die Mietzahlung verstärkt. Und: Wohnen kann arm machen."

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