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Tesla: Elon Musk hat Recht – Punkt. Ende. Aus

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Tesla: Elon Musk hat Recht – Punkt. Ende. Aus

Die Art und Weise wie der Tesla-Chef seine Pläne veröffentlicht hat, ist sicherlich fragwürdig. Ob sein Tweet rechtliche Folgen hat, noch offen. Dass ein Abgang Teslas von der Börse „der beste Weg nach vorne“ ist, stimmt allerdings. Außerhalb der Börse und damit zum Teil auch außerhalb der Öffentlichkeit kann sich der Elektroautobauer sicherlich besser auf seinen Weg konzentrieren.

Auch die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ hat sich die neuen Pläne von Elon Musk angeschaut und findet, dass eine Privatisierung von börsennotierten Unternehmen durchaus seinen Charme hat. Allerdings ist für „Bloomberg“ BMW der bessere Kandidat für so einen Weg. Auch das ist richtig. Abseits der Börse könnte der Münchener Autobauer den Wandel zur Elektromobilität etwas einfacher und gelassener gestalten.

Vielleicht sollten Anleger die neuen Pläne von Elon Musk nicht als wahnwitzige Idee ansehen, sondern als eine Art Hilferuf, dass an der Börse, aufgrund der gewaltigen Geldschwemme durch die Notenbanken, mittlerweile etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Die Anforderung an börsennotierte Konzerne steigen immer weiter und für gute Kurse sollen die Gewinne am besten ins unermessliche Laufen. Und wer will, findet trotzdem fast immer ein Haar in der Suppe.

Auch Netflix kann ein Lied davon singen. Nach den Quartalszahlen, die mehr als ordentlich waren, fiel die Aktie nachbörslich um über 10 Prozent. Der Grund: „Nur“ 670.000 neue Abonnenten im 2. Quartal. Der Streamingdienst hatte zwar selbst mit wesentlich mehr neuen Sehern gerechnet, aber so schlecht ist die Zahl jetzt auch nicht. Ein geschätztes KGV für 2018 von 128 erlaubt eben keine Ausrutscher, egal auf welcher Ebene. Bleibt auch hier die Frage, ob Netflix abseits der Börse ein ruhigeres Leben führen würde. Der Streamingdienst arbeitet allerdings profitabel und hat daher ein deutlich leichteres Leben als Tesla.

Es gibt sicherlich viele Unternehmen für die ein Abschied von der Börse der bessere Weg in die Zukunft wäre. Vielleicht ist auch deswegen der Gang an die Börse für viele Start-Ups nicht mehr die erste Wahl, da sich auch gutes Geld über Privat-Equity-Gesellschaft einsammeln lässt. Uber oder Airbnb zum Beispiel wären sicherlich gute Kandidaten für einen Sprung aufs Parkett. Immer wieder wird spekuliert, dass sie den Schritt wagen, aber Konkretes gibt es nicht. Warum auch?

Uber wird anhand der Preise, die Investoren bereits auf den Tisch legten, schon jetzt auf einen Marktwert von 60 Milliarden Dollar geschätzt. Nur so mal zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Daimler liegt in Dollar umgerechnet bei 70 Milliarden. Sollte man sich da als Firmenchef die Börse mit ihren Regularien und dem Druck der Öffentlichkeit antun, wenn frisches Kapital auch auf anderen Wegen ins Unternehmen fließt?

Auch in Deutschland springen die Unternehmen nicht mehr so gerne aufs Parkett. 2015 gab es 15 Neulinge an der Börse. In den beiden folgenden Jahren waren es gerade einmal 13 Unternehmen, die Lust auf die Börse verspürten. Der Gesellschafter des Automobilzulieferers Kirchhof, Arndt G. Kirchhoff, bringt es in der Wirtschaftswoche auf den Punkt. Auf die Frage, warum sein Unternehmen – 12.300 Beschäftigte – zwei Milliarden Umsatz – nicht an die Börse geht, antwortet er: „Das kurzfristige Gewinndenken der Börse und unser Bestreben, langfristig zu wachsen – das passt einfach nicht zusammen.“

Vielleich ist auch Elon Musk zu dieser Einsicht gekommen und hat nur etwas überstürzt gehandelt, indem er seine Pläne zu schnell und zu unausgereift offenbarte. Unterm Strich hat der Tesla-Chef jedenfalls für den Elektroautobauer recht. Punkt. Ende. Aus.

Und damit taucht ein weiteres Problem für die Börsen auf. Sollte die Überlegung von Elon Musk salonfähig werden, dann könnte die Zahl börsennotierten Unternehmen noch weiter schrumpfen. Wie eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln zeigt, verlassen in den westlichen Ländern seit Mitte der neunziger Jahre mehr Firmen durch Insolvenzen, Fusionen und Übernahmen die Börse, als neue hinzukommen. Damit wird nicht nur die Auswahl für die Anleger kleiner, im schlimmsten Falle könnte die Börse auch ihre Rolle als Kapitalgeber verlieren.

Von Markus Weingran

Foto: Arcansel / Shutterstock.com

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14.12.2018, 22:00, Nasdaq

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