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Thyssenkrupp: Schwere Zeiten für den Stahlhersteller – Kommt im September der Niedergang aus dem Dax?

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Thyssenkrupp: Schwere Zeiten für den Stahlhersteller – Kommt im September der Niedergang aus dem Dax?

Der seit vielen Jahre in der Krise steckende Industriekonzern Thyssenkrupp kommt nicht zur Ruhe – eine schlechte Nachricht jagt die nächste. Am Kapitalmarkt wird der Schlingerkurs des bislang glanz- und glücklosen Unternehmenschefs Guido Kerkhoff gnadenlos abgestraft. Im September droht dem Traditionsunternehmen aus dem Ruhrgebiet der Abstieg aus dem Dax. Was bei dem Unternehmen los ist, was die Aktie macht und was die Experten sagen:

Das ist los bei Thyssenkrupp:

Angefangen vom EU-Verbot der Stahlsparten-Fusion über niedrige Stahlpreise, hohe Schulden, Krise in der Autobranche, die allgemeinen Konjunkturschwäche und den anhaltenden Sinkflug der Aktie, der wiederum die Großaktionäre auf den Plan ruft. Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat in seinen gerade mal rund 13 Monaten an der Spitze des Unternehmens mehr schlechte Nachrichten verkraften müssen als viele Konzernlenker in ihrer gesamten Amtszeit.

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Der 51-jährige wirkt dabei wie ein Getriebener, warf zwei Mal die Strategie um und hat immer noch keinen Weg gefunden, wie es weitergehen soll – sicher ist die Antwort auf die Zukunftsfrage kann nicht nur Sparen, Sparen und noch mal Sparen sein, auch wenn Kerkhoff das als früheren Finanzvorstand sicherlich am nächsten liegt.

Am Ende könnte Thyssenkrupp im Kern wieder ein Stahlkonzern werden – ausgerechnet das Geschäft, von dem sich das Management wegen seines hohen Kapitalbedarfs und seiner starken Schwankungsanfälligkeit eigentlich hatte trennen wollen. Wie der Stahl und der dazugehörige Handel zukunftsfest gemacht werden soll, darüber schweigt sich Kerkhoff noch aus.

Dabei fehlt Thyssenkrupp der nötige Rückenwind durch eine gute Konjunkturlage. Das Gegenteil ist der Fall: eine schwache Nachfrage, Überkapazitäten und Preisdruck rütteln die Branche derzeit durch, eine Konsolidierung scheint geboten.

Eins steht fest: Thyssenkrupp muss sich abermals neu erfinden. Dabei wirken die Punkte, die das Management auf der Agenda hat, eher wie aus der Not geboren. Die Holding soll zurückgeschnitten und verschlankt werden. Flankiert werden soll die Neuausrichtung durch massive Einschnitte bei den Kosten, die auch den Abbau von 6000 Stellen beinhalten, davon 2000 in der Stahlsparte.

Die einzelnen Sparten sollen selbstständiger werden. Für das Geschäft mit Autokomponenten und dem Anlagenbau will der Konzern Partner suchen. Dabei Kerkhoff auch bereit, sich mit einem Minderheitsanteil zu begnügen. Möglich wäre auch die Abgabe von Teilbereichen. Das Komponentengeschäft allein ist zu klein, um wirklich wettbewerbsfähig zu sein. Der Anlagenbau bereitet Thyssenkrupp seit längerem Probleme, so verhob sich der Konzern mit einigen Großprojekten.

Ähnliches gilt auch für die Werftensparte, die U-Boote und Schiffe für das Militär produziert. Auch hier fehlt es an Wettbewerbsfähigkeit. Seit Jahren wird immer über eine Fusion spekuliert, etwa mit dem französischen Konzern Naval.

Dazu hat das Management Bereiche auf den Prüfstand gestellt, die derzeit nur Geld verbrennen, wie etwa das Geschäft mit Grobblechen oder Federn und Stabilisatoren im Automobilbereich. Ebenfalls auf der Liste steht der Bau von Produktionsanlagen für die Automobilindustrie. Die drei Bereiche beschäftigen zusammen mehr als 9000 Mitarbeiter und stehen für vier Prozent des Konzernumsatzes, aber für ein Viertel des im laufenden Geschäftsjahr zu erwartenden Kapitalabflusses.

Um überhaupt manövrierfähig zu sein braucht Thyssenkrupp Geld. Ein Börsengang der Aufzugsparte soll die nötigen Mittel in die Kassen spülen. Das Geschäft gilt als die Perle im Konzern. Je nach Marktlage strebt Thyssenkrupp eine Notierung im Laufe des kommenden Geschäftsjahres 2019/20 an. Hier fährt Thyssenkrupp zweigleisig und prüft auch vorliegende Interessenbekundungen möglicher Investoren. Nach der Sparte, die zuletzt von Analysten etwa als doppelt so wertvoll eingestuft wird als Thyssenkrupp als Ganzes, sollen früheren Medienberichten zufolge sowohl Konkurrenten als auch Finanzinvestoren ihre Fühler ausgestreckt haben.

Thyssenkrupp folgt damit früheren Forderungen seines Großaktionärs Cevian, der schwedische Finanzinvestor kritisiert die Entwicklung bei den Essenern seit Jahren. Die Idee dahinter erinnert dabei an das Modell des Elektrokonzerns Siemens, der das seit Jahren vorexerziert. Die Münchener brachten etwa Osram, Infineon oder Siemens Healthineers an die Börse.

Das macht die Aktie:

Der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie ist ein einziges Trauerspiel – der Kurssprung nach dem erneuten Strategieschwenk verpuffte schnell. Inzwischen ist das Papier auf den tiefsten Stand seit 2003 gefallen und kostet nur noch etwas mehr als 9 Euro.

Die Performance-Daten der Aktie lesen sich wie ein Schreckensszenario: Alleine in diesem Jahr beträgt der Verlust 37 Prozent, seit Kerkhoffs Amtsantritt sind es rund 55 Prozent und seit dem Rekordhoch von 46,92 Euro im Herbst 2007 sank der Kurs um 80 Prozent. Unter den aktuell im Dax gelisteten Werten hat in diesem Zeitraum nur die Deutsche Bank  mehr verloren.

Die Aktie nähert sich immer mehr ihrem Allzeittief

Nach dem in den vergangenen Wochen forcierten Absturz ist Thyssenkrupp an der Börse nicht mal mehr sechs Milliarden Euro wert. Experten gehen daher davon aus, dass der Traditionskonzern seinen Platz im deutschen Leitindex Dax zugunsten von MTU  oder Deutsche Wohnen räumen muss, wobei der Triebwerksbauer hier die Nase derzeit leicht vorne hat.

Für Thyssenkrupp wäre das eine Zäsur am Kapitalmarkt – schließlich war mit Thyssen ein Teil des 1999 fusionierten Unternehmens seit dem ersten Tag des deutschen Leitindex im Jahr 1988 dabei.

Das sagen die Analysten:

Die Experten kommen dem jüngsten Absturz der Aktie kaum hinterher. So haben derzeit nur zwei Analysten ein Kursziel unter 10 Euro – größter Pessimist ist Alphavalue-Experte Hans-Peter Wodniok. Er stufte das Papier nach den Zahlen zum dritten Quartal von „Reduce“ auf „Sell“ – zudem senkte er das Kursziel um 30 Prozent auf 6,65 Euro.

Sorgen bereitet ihm vor allem der hohe Schuldenberg und die Last aus den stark gestiegenen Pensionsrückstellungen, nachdem die Stahlsparte wieder voll in der Konzernbilanz integriert ist. Das ist der Hauptgrund dafür, dass er sein Kursziel so deutlich reduzierte.

Nach den Quartalszahlen senkten viele Experten ihre Kursziele – aber trotz der Reduzierungen liegen die meisten zum Teil noch deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Zu den größten Optimisten zählen Jefferies-Experte Alan Spence und Kepler-Cheuvreux-Analyst Rochus Brauneiser – das Kursziel der beiden liegt mit 16 Euro um fast 70 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Beide empfehlen das Papier dementsprechend auch zum Kauf. Insgesamt tun das neun der 19 von Bloomberg erfassten Experten, sieben halten sich derzeit bedeckt und geben weder eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung – lediglich drei raten zum Verkauf. Denn die meisten sehen ein großes Potenzial in einem Börsengang der Aufzugsparte.

(onvista/dpa-AFX)

Titelfoto: ricochet64 / Shutterstock.com

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