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Trump ruft Notstand für Telekommunikationsbranche aus – Taktisches Manöver gegen Huawei und China?

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Trump ruft Notstand für Telekommunikationsbranche aus – Taktisches Manöver gegen Huawei und China?

US-Präsident Donald Trump hat seiner Regierung per Dekret umfassende Möglichkeiten eingeräumt, gegen ausländische Telekom-Unternehmen vorzugehen. Das Weiße Haus erklärte am Mittwoch, die Maßnahme sei nicht gegen ein bestimmtes Land oder Unternehmen gerichtet. Es wird aber angenommen, dass Trump damit China und das dort angesiedelte Unternehmen Huawei treffen will – zumal die Vereinigten Staaten gerade einen erbitterten Handelskonflikt mit der Volksrepublik austragen.

Huawei, einer der größten Telekommunikationsausrüster der Welt, wird von den US-Behörden seit langer Zeit verdächtigt, seine unternehmerischen Aktivitäten zur Spionage für China zu nutzen. Die Firma ist auf dem US-Markt nur wenig präsent, aber ein führender Anbieter der Infrastrukturtechnik der fünften Mobilfunk-Generation (5G), die deutlich schnellere Datenübertragungsraten bringen soll.

Huawei wird beim Netzausbau stark unter Druck gesetzt - Auch in Deutschland

In den USA, Deutschland und in anderen Ländern sind die Chinesen wegen Sicherheitsbedenken rund um Datennetzwerke unter Druck geraten. Manche Sicherheitsexperten fordern, Huawei vom Ausbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes in Deutschland komplett auszuschließen. Die Bundesregierung befürwortet nicht den generellen Ausschluss von Huawei und anderen Anbietern aus China, sondern setzt auf eine Streuung der Aufträge unter verschiedenen Anbietern.

Das US-Handelsministerium schob der Mitteilung des Weißen Hauses eine Erklärung hinterher, wonach es ausreichend Anlass zu der Annahme gebe, dass Huaweis Aktivitäten den nationalen Sicherheitsinteressen oder außenpolitischen Interessen der USA zuwiderliefen. Wer US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren wolle, müsse dafür künftig eine Lizenz erwerben. Diese könne verweigert werden, wenn nationale Sicherheitsinteressen berührt seien.

Der US-Botschafter in Berlin Richard Grenell, hatte zuvor bereits angedeutet, die USA könnten ihre Geheimdienst-Zusammenarbeit mit Deutschland zurückfahren, sollte die Bundesrepublik Huawei den Zutritt zum deutschen 5G-Markt gewähren.

US-Regierung kann nun starken Einfluss auf Telekom-Branche nehmen

Mit dem am Mittwoch erlassenen Dekret erklärt Trump den Nationalen Notstand in Sachen Telekommunikation. Das erlaubt der Regierung, umfassende Geschäftstätigkeiten zwischen US-Unternehmen und Firmen aus „gegnerischen“ Staaten zu unterbinden – was selbst in den USA umstritten ist. Kritiker glauben, dass die 5G-Technik dort ohne die Chinesen erst viel später flächendeckend nutzbar sein könnte.

Als Reaktion auf die Ankündigung Trumps erklärte der chinesische Konzern am Donnerstag, durch Beschränkungen würden die Rechte von Huawei verletzt. Auch würden die USA ohne Huawei bei der Bereitstellung von 5G zurückbleiben, Unternehmen und Verbraucher dadurch benachteiligt. Huawei sei „bereit und gewillt, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten und wirksame Maßnahmen zur Gewährleistung der Produktsicherheit zu treffen“.

„Der Präsident hat deutlich gemacht, dass diese Regierung tun wird, was nötig ist, um die Sicherheit Amerikas zu gewährleisten“, heißt es in der Mitteilung des Weißen Hauses. Es gehe darum, das Land vor „ausländischen Feinden“ zu schützen, die aktiv und zunehmend Anfälligkeiten in der Informations- und Kommunikationstechnologie ausnutzten. Das Handelsministerium sei deshalb künftig berechtigt, alle Geschäfte zu unterbinden, die ein nicht akzeptables Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten oder die Sicherheit von Amerikanern darstellten.

Trotz politischer Spannungen - Huawei wächst weiter rasant

Der chinesische Konzern wächst im Smartphone-Geschäft laut Marktforschern schnell und das vor allem auf Kosten der Platzhirsche Samsung und Apple . Im ersten Quartal habe Huawei 59,1 Millionen Telefone verkauft – gut 50 Prozent mehr als vor einem Jahr, teilte die Analysefirma IDC Anfang Mai mit. Das bringt Huawei auf einen Marktanteil von 19 Prozent.

Wegen des Misstrauens wegen der Spionage-Vorwürfe kann der Konzern jedoch in den USA im Smartphone-Markt nicht Fuß fassen. Die Stärke in anderen Regionen – und im riesigen Heimatmarkt – sichert Huawei dennoch den klaren zweiten Platz beim Smartphone-Absatz.

Beim Marktführer Samsung sanken die Smartphone-Verkäufe nach IDC-Berechnungen im Jahresvergleich um acht Prozent auf knapp 72 Millionen Geräte. Damit läge Samsung noch bei einem Marktanteil von 23,1 Prozent. Bei Apple brach der iPhone-Absatz nach Einschätzung von IDC im Jahresvergleich sogar um 30,2 Prozent auf 36,4 Millionen Geräte ein. Insgesamt schrumpften die Smartphone-Verkäufe im ersten Quartal laut IDC um 6,6 Prozent auf knapp 311 Millionen Geräte.

Wo bleibt die Huawei-Aktie?

Angesichts der wachsenden Marktmacht gegenüber den bisherigen Branchen-Königen und den soliden Zahlen ist der Wunsch nach einer Aktien-Beteiligung bei vielen Anlegern nachvollziehbar. Huawei-Gründer Ren Zhengfei geht davon aus, dass Huawei in diesem Jahr seinen Umsatz auf 125 Mrd. US-Dollar steigern kann.

Aus finanzieller Sicht dürfte der Konzern angesichts seiner beeindruckenden Zahlen nicht auf einen Börsengang angewiesen sein. Dass Huawei seit längerem im politischen Fadenkreuz der USA liegt, dürfte ein weiteres Hemmnis sein - Sanktionen und weitere Presseberichte im Zusammenhang mit Spionage hätten wahrscheinlich erhebliche kurz- wie langfristige Auswirkungen auf den Kurs der Aktie. Sollte Huawei zudem wirklich enger mit dem chinesischen Staat zusammenarbeiten, als bis her bekannt, wäre dies ein weiteres starkes Argument gegen ein IPO.

2018 ließ der Konzern bereits einmal durchblicken, dass in nächster Zeit kein Interesse an einem Gang an die Börse bestehe.

(onvista/dpa-AFX)

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Titelfoto: flowgraph / Shutterstpck.com

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