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Türkei am Rande des Kollaps

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Türkei am Rande des Kollaps

Für Dr. Martin Lück, Leiter der Kapitalmarktstrategie bei BlackRock steht viel auf dem Spiel. Die Folgen für europäische Assets wären alles andere als vernachlässigbar. Die Türkei sei die siebtgrößte Volkswirtschaft unter den Schwellenländern. Bei einer Zahlungsunfähigkeit falle der Ansteckungseffekt entsprechend groß aus und würde auch europäische Finanzhäuser mitreißen, so Lück. Er blickt mit großen Sorgenfalten auf den Bosporus. Die Staatspleite der Türkei sei nur eine Frage der Zeit, so Lück, sollte sich die Regierung nicht zu einem Gegensteuern entscheiden können. Das sei aber kaum zu erwarten.

Damien Buchet, Finanzmarktexperte bei Principal Global Investores steht der Türkei-Krise eher gelassen gegenüber. Zwar sieht auch Buchet bisher keine Anzeichen dafür, dass sich die „strengeren währungs- und finanzpolitische Anpassungen“, die nötig wären, um die Währungsprobleme in den Griff zu bekommen, auf den Weg gebracht würden. Die Situation berge aber „kaum Ansteckungsrisiken“, so Buchet, da „ausländische Investoren ihr Engagement in der Türkei bereits seit einiger Zeit zurückgefahren und das Land untergewichtet hätten, so Buchet.

In der Zwickmühle

Dass die türkische Lyra weiter abwerten wird, ist die Überzeugung von Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner und Reuschel. Die türkische Politik stecke in einer „massiven Vertrauenskrise“, die Volkswirtschaft sei in einer „dramatischen Situation“. Der Zollstreit mit den USA sei lediglich der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum überlaufen gebracht habe. Er sieht vor allem die türkische Notenbank am Zug. Doch sie stecke in einem Dilemma. Sie müsste die Leitzinsen anheben, um „dem Verfall der Währung entgegen zu wirken“, so Mumm. Darunter würde aber die Wirtschaft noch mehr leiden. Bliebe sie dagegen untätig, würden internationale Investoren weiter Kapital aus dem Land abziehen. Er glaube auf Sicht sei kaum davon auszugehen, dass sich „Währung und Zinsen schnell erholen“ würden. Daran würde auch die Finanzspritze aus Katar nichts ändern können.

Ewout van Schaick, Head of Multi-Asset beim Fondshaus NN Investment Partners, macht die türkische Notenbank verantwortlich für die Entwicklung. Ihre „wait and see“-Politik habe zur Wirtschaftskrise maßgeblich beigetragen. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht, es sei wahrscheinlicher, so van Schaick, dass die Situation sich ausweite und die Krise verschärfe. „Eine tiefe Rezession sei unausweichlich“, so van Schaick. Das könnte am Ende auch andere Volkswirtschaften treffen: „das Risiko einer systemweiten Bankenkrise hat drastisch zugenommen“, sovan Schaick besorgt. Das Problem begrenze sich aber momentan noch auf die Türkei. Andere Volkswirtschaften der Emerging Markets seien noch nicht betroffen, so van Schaick.

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