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Türkei startet Militäreinsatz im Nordosten Syriens

Reuters

- von Mert Ozkan

Türkei startet Militäreinsatz im Nordosten Syriens

Akcakale (Reuters) - Der seit Tagen angedrohte türkische Militäreinsatz im Nordosten Syriens hat begonnen.

Ziel sei es, die Entstehung eines "Terror-Korridors" an der südlichen Grenze der Türkei zu verhindern und in dem Gebiet Frieden zu schaffen, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch. Der zusammen mit verbündeten syrischen Rebellen gestartete Einsatz richte sich gegen die kurdische YPG- und die radikal-islamische IS-Miliz. Das Militär griff aus der Luft und mit Unterstützung schwerer Artillerie an. Die EU und die Bundesregierung forderten umgehend einen Stopp des Einsatzes. Befürchtet wird ein neues Kapitel in dem seit mehr als acht Jahren tobenden syrischen Bürgerkrieg und eine weitere Destabilisierung der Region.

Der Sender CNN Türk berichtete, die syrische Grenzstadt Ras al-Ain sei von schweren Explosionen erschüttert worden. Flugzeuglärm sei zu hören. Rauch steige auf. Ähnliches berichteten Augenzeugen aus der mehr als 100 Kilometer entfernten Grenzstadt Abjad. Menschen flohen demnach in Scharen aus Angst um ihr Leben. Ein Vertreter der türkischen Sicherheitskräfte sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Stellungen und Munitionslager der YPG würden mit Haubitzen beschossen. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.

"SCHLAGT SIE MIT EISERNER FAUST"

Die protürkische Nationale Armee, eine Rebellengruppe in Syrien, rief ihre Anhänger in einer Erklärung dazu auf, die YPG mit "eiserner Faust" zu schlagen. "Lasst sie die Hölle eures Feuers schmecken." Zivilisten und Überläufer sollten aber verschont werden.

Bei der Bekämpfung des IS war die YPG zusammen mit dem von ihr angeführten Rebellenbündnis SDF auf syrischem Boden lange Zeit der wichtigste Verbündete der internationalen Militärkoalition unter Führung der USA. Gleichzeitig ist die Miliz der Türkei aber ein Dorn im Auge. Die Regierung in Ankara fürchtet ein Erstarken der Kurden jenseits der türkischen Südgrenze und damit auch der in der Türkei nach Autonomie strebenden Kurden. Den Weg frei für den türkischen Militäreinsatz machte letztlich der von US-Präsident Donald Trump vor wenigen Tagen angeordnete Rückzug amerikanischer Soldaten aus dem Gebiet. Von kurdischer Seite, aber auch im eigenen Land wurde Trump vorgeworfen, die verbündeten Kurden faktisch im Stich zu lassen. Er weist dies zurück.

Die Türkei hatte im Vorfeld erklärt, sie wolle eine Sicherheitszone im Nordosten Syriens schaffen, um Millionen syrische Flüchtlinge die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Kurz vor dem Start der Offensive sagte Erdogan dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat, der Einsatz werde Syrien zu Frieden und Stabilität verhelfen.

MAAS: ES DROHT EINE HUMANITÄRE KATASTROPHE

Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die türkische Offensive dagegen auf das Schärfste. Durch sie drohten "eine weitere humanitäre Katastrophe sowie neue Fluchtbewegungen ... Wir rufen die Türkei dazu auf, ihre Offensive zu beenden und ihre Sicherheitsinteressen auf friedlichem Weg zu verfolgen." Die Türkei nehme in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiere ein Wiedererstarken des IS.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker forderte ebenfalls einen Stopp des Einsatzes. "Wenn der Plan die Schaffung einer sogenannten Sicherheitszone beinhaltet, erwarten Sie nicht, dass die EU dafür irgendetwas bezahlt." Das Rebellenbündnis SDF forderte die USA auf, eine Flugverbotszone einzurichten, um die türkischen Angriffe im Nordosten Syriens zu stoppen.

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