UniCredit nach Milliardengewinn bereit für Monte-Paschi-Übernahme

Reuters

Mailand (Reuters) - Die italienische Hypovereinsbank-Mutter UniCredit hat sich nun doch zu Übernahmegesprächen mit der staatseigenen Krisenbank Monte Paschi di Siena breitschlagen lassen.

UniCredit führe mit dem Finanzministerium exklusive Gespräche über "ausgewählte Teile" von Monte Paschi, sagte UniCredit-Chef Andrea Orcel. In die Verhandlungen geht er mit geschwellter Brust: Der Gewinn stieg im zweiten Quartal stärker als erwartet auf über eine Milliarde Euro. Anleger deckten sich am Freitag mit Aktien beider Banken ein.

Ein Zusammenschluss mit Monte Paschi bringe signifikante Einsparungen und stärke die Marktposition von UniCredit in Italien, sagte Orcel. Das Institut musste vergangenes Jahr den Spitzenplatz unter den italienischen Banken an die Rivalin Intesa Sanpaolo abgegeben, die sich die Bank UBI geschnappt hatte. Die Gespräche mit dem Finanzministerium dürften sich über den Sommer hinziehen, machte Orcel klar. Im September werde es eine Entscheidung zu Monte Paschi geben.

Die Regierung in Rom drängt schon seit einiger Zeit darauf, dass UniCredit das vom Staat 2017 gerettete Geldhaus aus der Toskana übernimmt. Orcels Vorgänger Jean Pierre Mustier hatte sich aber dagegen gewehrt, was ihn Insidern zufolge schließlich den Job gekostet hat. Der seit April amtierende Orcel hatte sich seit seinem Amtsantritt vor allem auf interne Umstrukturierungen fokussiert und betont, Übernahmen werde es nur geben, wenn sie die Position von UniCredit verbesserten.

Bei einem Kauf von Monte Paschi sollen deren Rechtsrisiken beim Staat bleiben, auch Risikokredite müsste die Bank nicht in ihre Bücher nehmen. Zudem wird erwartet, dass die Stresstest-Ergebnisse der Europäischen Zentralbank (EZB) am Abend einen milliardenschweren Kapitalbedarf bei Monte Paschi aufzeigen.

Die Aktien der UniCredit kletterten um 5,4 Prozent, Monte-Paschi-Titel schossen um neun Prozent nach oben.

RISIKOVORSORGE GERINGER ALS ERWARTET

Investoren gefiel auch, dass Orcel zuversichtlicher wurde, was die Geschäftsentwicklung angeht. Der bereinigte Gewinn werde in diesem Jahr bei über drei Milliarden Euro liegen, sagte der ehemalige UBS-Investmentbanker. Bisher hatte er rund drei Milliarden in Aussicht gestellt. Die Kosten- und Ertragsziele bestätigte er.

Im zweiten Quartal konnte die Mutter der Münchener HVB den Gewinn auf 1,03 Milliarden Euro von 420 Millionen vor Jahresfrist mehr als verdoppeln. Die Erträge stiegen um 5,5 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge für faule Kredite fiel mit 360 Millionen Euro nur halb so hoch aus wie von Analysten geschätzt. Für das gesamte Jahr erwartet Orcel weniger Belastungen im Kreditgeschäft als bisher.

Fast alle Banken in Europa und den USA profitierten im zweiten Quartal von deutlich geringeren Risikokosten. Ein Jahr zuvor hatte die Corona-Pandemie gerade Fahrt aufgenommen, die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung war groß und Banken sorgten für Kreditausfälle vor. Mittlerweile zeigt sich, dass nur wenige Darlehen nicht bedient werden und die Banken müssen weniger Risikovorsorge in ihren Bilanzen bilden.

Der Nettogewinn der HVB ging im Berichtszeitraum wegen einer höheren Steuerquote um 39 Prozent auf 53 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis legte dagegen um gut zwei Prozent auf 179 Millionen Euro zu. Im Heimatmarkt Italien verdiente UniCredit mit netto 357 Millionen Euro mehr als drei Mal so viel wie im Vorjahr.

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