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US-Wahlkampf: Was würde es für die Aktienmärkte bedeuten, wenn Elizabeth Warren Präsidentin werden sollte?

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US-Wahlkampf: Was würde es für die Aktienmärkte bedeuten, wenn Elizabeth Warren Präsidentin werden sollte?

Zu Beginn des in diesem Jahr gestarteten US-Wahlkampfs für die Präsidentenwahl 2020 ist Elizabeth Warren noch als eine Außenseiterin gehandelt worden, doch mittlerweile hat sich die 70-jährige Senatorin für den Bundesstaat Massachusetts zu einer ernsthaften Präsidentschaftskandidatin für die Demokraten und Konkurrenz für Donald Trump gemausert. Durch ihre wachsende Relevanz ist es sinnvoll, einmal zu überlegen, welche Auswirkungen eine mögliche Wahl Warrens auf die Börse haben könnte.

Warrens politischer Hintergrund

In den 90ern noch selbst eine republikanische Wählerin, hat sie sich mittlerweile zu einer enorm linksgerichteten demokratischen Politikerin entwickelt, die zudem als eine der schärfsten Kritikerinnen des Präsidenten gilt. Ursprünglich kommt Warren aus dem juristischen Bereich und hat sich als Professorin an der US-Universität Havard den Ruf als national anerkannte Expertin für Insolvenzrecht erworben. in den 90ern wurde sie als Hauptberaterin in die von Präsident Bill Clinton eingesetzte National Bankruptcy Review Commission berufen, die Vorschläge entwickeln sollte, um den starken Anstieg von Verbraucherinsolvenzen zu bekämpfen. Das war auch ihre Tür in die Politik. Während der Finanzkrise ab 2007 wurde sie (später auch als Teil des Beraterstabs von Präsident Barack Obama) eine wichtige Stimme für die Regulierung von Banken und Finanzmärkten. 2012 gewann sie das Rennen um den Posten als Senatorin für Massachusetts, im Jahr 2018 wurde sie für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Im Februar 2019 kündigte sie offiziell ihre Kandidatur und Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl 2020 an.

Wie ist Warrens politische Richtung?

Warren dürfte noch ein wenig linker als der demokratische Kandidat Bernie Sanders einzuordnen sein, Kritiker lassen sogar teilweise den Ausdruck linksradikal fallen. Ins Zentrum ihres Wahlkampfes will sie den Kampf um wirtschaftliche Gerechtigkeit und gegen Korruption stellen. Einer der radikalsten ihrer Vorschläge ist eine Reichensteuer, bei der bei Privatvermögen ab 50 Millionen Dollar jährlich 2 Prozent Steuern fällig werden sollen, 3 Prozent ab einer Milliarde Dollar. Die Steuer würde schätzungsweise 75.000 Haushalte betreffen und über einen Zeitraum von 10 Jahren 1,9 oder 2,75 Milliarden US-Dollar einbringen, so zwei unterschiedliche anfängliche Schätzungen. Ihr Vorschlag erhielt in einer jüngeren Umfrage die Zustimmung von 61 Prozent der Amerikaner, darunter auch einige Republikaner.

Ihre Kampfansage: Sie wolle gegen die „korrupteste Regierung seit Menschengedenken“ arbeiten und die reichsten Amerikaner besteuern, um deren „Klassenkampf“ gegen die Mittelschicht zu beenden. Weitere ihrer Forderungen sind ein kostenloses Studium für alle, sowie das Erlassen der Schulden von Absolventen der letzten Jahre. Dies würde laut ihrer Aussage die Wirtschaft fördern und vor allem die Mittelschicht entlasten. Desweiteren will sie einen höheren Mindestlohn einführen und strengere Antikorruptionsgesetze durchsetzen. Eine ihrer kontroversesten Forderungen ist es, die Tech-Giganten Google, amazon, Facebook unc Co. zu zerschlagen, die ihrer Aussage nach für wirtschaftliche Ungleichgewichte sorgen, sowie die Innovation hemmen würden.

Auch ihre außenpolitische Haltung ist stringent. Nachdem Trump 2018 zum ersten Mal Strafzölle gegen China erhoben hatte, sprach sie sich für eine Handelspolitik aus, „die die amerikanischen Arbeiter, kleine amerikanische Unternehmen und den amerikanischen Konsumenten an erster Stelle setzt“.

Was würde eine Präsidentin Warren für die Märkte bedeuten?

Eine tatsächliche Wahl von Warren dürfte für einiges an Volatilität an den Märkten sorgen, viel mehr noch, als man bisher unter Trump gesehen hat. „Die Kombination eines ‚Warren White House‘ und eines Demokratischen Kongresses wäre aus Bottom-up-Sicht für Aktien äußerst herausfordernd“, argumentiert beispielsweise Lori Calvasina, Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC Capital Markets, angesichts des Ehrgeizes und des Umfangs der politischen Vorschriften der Senatorin in allen Bereichen, von der Bankenregulierung über Vermögenssteuern bis hin zu „Medicare“ für alle. Von RBC befragte Investoren sehen Aktien aus den Bereichen Gesundheitswesen, Finanzen und Technologie als diejenigen an, die den größten Erfolg hätten, wenn Warren gewählt und die Demokraten den Senat zurückerobern würden.

Im Hinblick auf die teilweise sehr radikalen Pläne sieht Calvasina die Auswirkungen langfristig als nicht so gravierend an, wie auf den ersten Blick wahrscheinlich wäre und das aus einem bestimmten Grund: Sie argumentiert, dass selbst wenn Demokraten das Weiße Haus zurückerobern, die Wiedererlangung des Senats schwieriger sein wird und ein republikanischer Senat viele der extremeren Vorschläge von Warren blockieren könnte (wie beispielsweise die Reichensteuer).

Welche Sektoren könnten im einzelnen betroffen sein? „Die meisten Sektoren, die unter der Präsidentschaft von Warren einem hohen Risiko ausgesetzt sind (Finanzen, Energie, Gesundheitswesen, Industrie), sind im Vergleich zum breiteren Markt bereits stark unterbewertet“, betonte Calvasina. Dennoch könnte vor allem Warrens auch stark umweltschutz-geprägte politische Agenda Auswirkungen haben. Beispielsweise ein Fracking-Verbot könnte den Preis von Öl und Gas stark beeinflussen und ein Forcieren des grünen Energie-Sektors könnte diese Sparte auch auf Börsen-Ebene antreiben. Eine Forderung nach einem umfassenden, kostenlosen Krankenkassensystem könnte zudem die privaten Anbieter unter Druck setzen.

Könnte Warren sogar einen noch konfrontativeren Umgang mit China an den Tag legen als Trump?

Einige Experten haben in der Vergangenheit die These verbreitet, dass es für die chinesische Regierung besser sein könnte, die US-Wahl abzuwarten, um eventuell einen etwas einfacher zu bändigenden Verhandlungspartner im Weißen Haus sitzen zu haben, als es momentan mit Trump der Fall ist. Doch Elizabeth Warren könnte für die Chinesen sogar noch unangenehmer sein.

„Warren könnte noch wesentlich härter mit ihnen umspringen, vor allem wegen dem Klimawandel. Warren ist eine große, große Klimaverfechterin. China ist der größte Verschmutzer der Welt, also würden sie wohl lieber einen Deal mit Trump aushandeln, der, wie ich denke, einen Deal im ersten Quartal erledigt haben will“, sagt Wayne Kaufman, Chief Market Analyst bei Phoenix Financial Services gegenüber CNBC.

„Wenn sie (China) in einem Szenario sind, in dem Sie jemanden wie Elizabeth Warren als Präsident haben, wird sie meiner Meinung nach fast so hart agieren wie der Präsident in China“, sagte auch Clete Willems, ein ehemaliger stellvertretender Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates in der Trump-Administration, jetzt Partner bei der Anwaltskanzlei Akin Gump. „Und sie wirft möglicherweise auch andere Themen ein, auf die er [Trump] sich nicht konzentriert, wie Menschenrechte, Umwelt und Arbeit, und nutzt sie, um China gegenüber hart zu sein.“

Das würde im Gegenzug bedeuten, dass eine baldige Lösung im Handelsstreit weiterhin unwahrscheinlich sein würde – und für die Märkte würde es damit weiterhin außerst turbulent zugehen. Einzig der Unberechenbarkeits-Faktor – beispielsweise mit unerwarteten Tweets, die Chaos ausbrechen lassen – wäre bei Warren wohl wesentlich geringer, genau wie innerpolitische Verwerfungen, ausgelöst durch Korruptions- und Amtsmissbrauchs-Ermittlungen.

onvista-Redaktion

Titelfoto: Sheila Fitzgerald / Shutterstock.com

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