Varta: Aktie hebt nach Zahlen ab ++ Gea: Konzernumbau sticht Corona-Virus aus ++ Dax setzt Erholung fort

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Varta: Aktie hebt nach Zahlen ab ++ Gea: Konzernumbau sticht Corona-Virus aus ++ Dax setzt Erholung fort

Wie stark hat die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal ausgebremst? Die Antwort auf diese Frage gibt es in noch nicht einmal einer Stunde. Da gibt das Statistische Bundesamt an diesem Freitag (10.00 Uhr) anhand vorläufiger Daten bekannt, wie stark das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist. Ökonomen rechnen mit einem Rückgang zwischen 1,8 und 2,5 Prozent.

Im Euroraum war die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal nach ersten Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat um 3,8 Prozent geschrumpft. Es war der stärkste Rückgang im gemeinsamen Währungsraum seit Beginn der Erhebungen 1995.

Die Talsohle ist nach Einschätzung von Volkswirten aber noch nicht erreicht. Der Rückgang im zweiten Quartal, als die Corona-Maßnahmen stärker durchschlugen, dürfte heftiger ausfallen. „Der Tiefpunkt der Krise dürfte mit dem April jetzt zwar hinter uns liegen, der Anstieg wird sich aber nur allmählich vollziehen, und von Normalität kann noch für längere Zeit keine Rede sein“, sagte jüngst Stefan Kooths, Konjunkturchef am Institut für Weltwirtschaft. Volkswirte der Deutschen Bank rechnen mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal um 14 Prozent. Ökonomen der Förderbank KfW sagten Europas größter Volkswirtschaft „einen langen Weg aus dem Corona-Tal“ voraus.

Im Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach 2020 um 6,3 Prozent schrumpfen, auch wenn es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen sollte. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 sank das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent. Die weltweite Corona-Krise mit unterbrochenen Lieferketten belastet den deutschen Export, aber auch den privaten Konsum.

Erzeugerpreis fallen leicht stärker als erwartet

In Deutschland sind die Erzeugerpreise im April wegen sinkender Energiepreise deutlich gefallen. Im Jahresvergleich seien die Erzeugerpreise um 1,9 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Die Preisentwicklung fiel etwas schwächer als erwartet aus. Analysten hatten im Mittel nur einen Rückgang um 1,8 Prozent erwartet.

Damit hat sich der Preisrückgang auf Erzeugerebene im April deutlich verstärkt. Im März waren die Preise nur um 0,8 Prozent im Jahresvergleich und im Februar um 0,1 Prozent gefallen. Im Monatsvergleich fielen die Preise, die Hersteller für ihre Waren erhalten, im April um 0,7 Prozent. Analysten hatten hier einen Rückgang um 0,6 Prozent erwartet.

Verantwortlich für den Rückgang waren vor allem sinkende Kosten für Energie. Diese lagen im April um 7,3 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Im Monatsvergleich fielen die Energiepreise um 1,8 Prozent. Zuletzt waren die Ölpreise an den Märkten regelrecht eingebrochen. So sanken die Heizölpreise im April im Jahresvergleich um 23,3 Prozent.

Auffällig war im April laut Destatis erneut die Preisentwicklung für Desinfektionsmittel. Diese kosteten 10,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 3,0 Prozent mehr als im Vormonat.

Dax deutlich im Plus

Nach vier Tagen im roten Bereich springt der Dax zum Wochenende hin 1,44 Prozent in die Höhe und startet mit 10.485,43 Punkten in den letzten Handelstag der Woche. Damit reduziert der deutsche Leitindex sein Wochenminus etwas. Vor dem heutigen Tag hatte des Börsenbarometer in dieser Woche über 5 Prozent nachgegeben.

Varta: Von Krise keine Spur

Der Batteriehersteller Varta ist robust in das neue Geschäftsjahr gestartet. Den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bestätigte das Unternehmen. Zwar seien negative Auswirkungen durch die Corona-Pandemie nicht gänzlich auszuschließen, teilte Varta am Freitag in Ellwangen mit. Jedoch gebe es bislang keine Hinweise darauf.

Der Umsatz stieg im ersten Quartal von 73,4 Millionen auf 198,5 Millionen Euro. Das Unternehmen profitierte vor allem von einer starken Nachfrage nach wiederaufladbaren Lithium-Ionen Zellen für Unterhaltungsprodukte wie etwa kabellose Premium-Kopfhörer. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich von 17,4 Millionen auf 51,7 Millionen Euro. Dabei schnitt der Konzern besser ab als erwartet. Unter dem Strich verdiente Varta mit 24,5 Millionen Euro ebenfalls deutlich mehr als im Vorjahr mit 9,2 Millionen Euro.

Gea: Umbau zahlt sich aus

Der im Umbau steckende Maschinen- und Anlagenbauer Gea hat der Corona-Krise im ersten Quartal getrotzt und beim Betriebsgewinn deutlich zugelegt. Während der Auftragseingang um 16 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro stieg, kletterte das um Kosten für den Umbau bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sogar um rund 41 Prozent auf 105 Millionen Euro, wie das im MDax notierte Unternehmen am Freitag in Düsseldorf mitteilte. Die positive Entwicklung sei vor allem auf die im Januar erneuerte Konzernorganisation sowie auf operative Verbesserungen durch die im letzten Jahr eingeleiteten Sparmaßnahmen zurückzuführen, hieß es weiter.

Gea steigerte den Umsatz im ersten Jahresviertel um 3,5 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand dennoch ein gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht um 1,2 Prozent rückläufiger Überschuss von knapp 29,8 Millionen Euro. Trotzdem zeigte sich Konzernchef Stefan Klebert zufrieden und sprach von einem guten Start in das Geschäftsjahr. Obwohl die Dauer und finanziellen Auswirkungen der Pandemie nur schwer abzuschätzen seien, halte der Konzern weiter an seiner Prognose fest, so Klebert. Als neuer Termin für die Hauptversammlung wurde der 26. November bekanntgegeben, die Aktionäre sollen nach wie vor eine Dividende in Höhe von 0,85 Euro je Anteilsschein erhalten.

Kurz & knapp:

Wüstenrot & Württembergische (W&W): Die Corona-Krise hat dem Finanzkonzern im ersten Quartal einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Unter dem Strich verdiente W&W rund 25 Millionen Euro und damit gut zwei Drittel weniger als ein Jahr zuvor, wie das im SDax gelistete Versicherungs- und Bausparunternehmen bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Freitag in Ludwigsburg mitteilte. Zu einer konkreten Gewinnprognose für das laufende Jahr sieht sich das Management weiterhin nicht in der Lage. Der Überschuss dürfte allerdings unterhalb der mittelfristigen Zielspanne von 220 bis 250 Millionen Euro liegen. Im ersten Quartal zogen der Absturz an den Finanzmärkten und Belastungen in der Betriebsschließungsversicherung die Finanzen von W&W in Mitleidenschaft. Allerdings konnte das Unternehmen seine Bruttoprämieneinnahmen im Versicherungsgeschäft um sechs Prozent auf gut 1,6 Milliarden Euro steigern.

Hapag-Lloyd: Die Container-Reederei hofft nach einem glimpflichen Jahresstart trotz der Coronavirus-Pandemie auf eine Erholung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr. Das Management will die Kosten des Unternehmens um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag drücken, um in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn (Ebit) von 0,5 bis 1,0 Milliarden Euro zu erzielen. Voraussetzung sei, dass der Höhepunkt der Pandemie im zweiten Quartal erreicht wird und es mit der Weltwirtschaft danach wieder aufwärts geht, teilte Hapag-Lloyd am Freitag in Hamburg mit. Das obere Ende der Prognose sei nur erreichbar, wenn sich die Nachfrage nach Containertransporten schneller erhole als in Marktstudien erwartet. Im ersten Quartal steigerte Hapag-Lloyd den Umsatz im Jahresvergleich um sechs Prozent auf gut 3,3 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank jedoch um ein Viertel auf 160 Millionen Euro. Unter dem Strich brach der Überschuss sogar um rund drei Viertel auf 22 Millionen Euro ein. Das Management erklärte die Rückgänge vor allem mit den höheren Kosten für schwefelärmeren Treibstoff und der Abwertung der Treibstoffreserven durch den Ölpreisverfall im Zuge der Corona-Krise.

Richemont: Die Coronavirus-Pandemie hat beim Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont Bremsspuren hinterlassen. Der Umsatz des Herstellers von teuren Uhren und Schmuck sank in den ersten drei Monaten 2020 um 18 Prozent. In dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 stieg der Umsatz um zwei Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Der Gewinn brach dagegen um zwei Drittel auf 931 Millionen Euro ein, vor allem weil im Vorjahr ein einmaliger Bewertungsgewinn angefallen war. Wie zuvor bereits die Konkurrenten LVMH oder Swatch will auch das Genfer Unternehmen die Dividende kürzen. Richemont schlage den Aktionären eine Halbierung auf einen Franken je Aktie vor.

Redaktion onvista / dpa-AFX

Foto: MircoV / Shutterstock.com

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