VIRUS/GESAMT-ROUNDUP: Furcht führt weltweit zu Absagen von Groß-Veranstaltungen

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Weltweit werden wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus immer mehr Veranstaltungen gestrichen. Die US-Regierung sagte am Freitagabend (Ortszeit) ein für den 14. März geplantes Gipfeltreffen mit den Staaten des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) in Las Vegas ab. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) strich ihr Jahres-Symposium vom 17. bis 19. März in der Schweiz. Die große US-Fluggesellschaft United Airlines verschob ihren für Donnerstag geplanten Investorentag. Kurz zuvor war die weltgrößte Reisemesse ITB Berlin vom 4. bis 8. März abgesagt worden.

Es könnte nicht die letzte Absage dieser Art sein. Der Krisenstab der Bundesregierung empfahl am späten Abend, bei der Risikobewertung von Großveranstaltungen die Prinzipien des Robert Koch-Instituts zu berücksichtigen. Bei Anwendung dieser Prinzipien sollten aus Sicht des Krisenstabs "unmittelbar bevorstehende internationale Großveranstaltungen" abgesagt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte dennoch für "Maß und Mitte" beim Umgang mit dem neuartigen Coronavirus. Es sollten nicht alle Veranstaltungen deshalb abgesagt werden, sagte sie am Freitagabend auf ihrem Jahresempfang in ihrem vorpommerschen Bundestagswahlkreis in Stralsund. Deutschland gehöre zu den Ländern, die die besten Voraussetzungen hätten, um mit dem Virus klarzukommen.

In Deutschland war die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus Infizierten am Freitag auf über 50 angestiegen. Betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg. Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Hamburg beziehungsweise Schleswig-Holstein. Besonders stark betroffen ist derzeit der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Dort war die Zahl der Infizierten bis Freitagabend auf 37 gestiegen.

Der Krisenstab von Bundesinnenministerium und Bundesgesundheitsministerium teilte am Freitagabend mit, die Bundesregierung verlange von Reiseunternehmen künftig Angaben zur Gesundheit von nach Deutschland kommenden Passagieren aus insgesamt fünf Staaten. Zusätzlich zu China sei künftig für Reisende aus Südkorea, Japan, Italien und dem Iran vor der Einreise der Gesundheitsstatus der Passagiere zu melden.

Steigende Zahlen an Infizierten und Toten meldeten China und Südkorea auch am Samstag: Die Pekinger Gesundheitskommission teilte mit, in China seien weitere 47 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Laut offiziellen Angaben wurden landesweit 427 neue Erkrankungen registriert. Die Gesamtzahl der bestätigten Infektionen stieg auf dem chinesischen Festland damit auf 79 251. Bislang wurden 2835 Tote in China bestätigt.

In Südkorea stieg die die Zahl der Infektionsfälle binnen 24 Stunden um sogar fast 600. Wie die Gesundheitsbehörden mitteilten, steckten sich damit bisher 2931 Menschen mit dem Erreger von Covid-19 an - so viele wie nirgendwo sonst außerhalb Chinas. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, kletterte um drei auf bisher 16.

Die Regierung in Rom schob derweil am Freitagabend ein Bündel von Nothilfen für Menschen in den vom Coronavirus stark betroffenen Gebieten an. So will das Kabinett den Bürgern die Möglichkeit geben, Zahlungen an Versorgungsunternehmen und Versicherungen vorübergehend auszusetzen. Bei dem Coronavirus-Ausbruch, der in der Lombardei vor rund einer Woche seinen Anfang nahm, stieg die Zahl der erfassten Infizierten in ganz Italien in Richtung 900. Davon starben 21 Menschen bis Freitagabend an der neuen Lungenkrankheit oder im Zusammenhang damit. Elf Gemeinden im Norden sind gesperrt, in weiten Teilen des Landes ist der Tourismus stark geschrumpft.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC riet wegen des Coronavirus-Ausbruchs in Italien von nicht notwendigen Reisen in das Land ab. Das US-Außenministerium stufte den Reisehinweis für Italien am Freitagabend (Ortszeit) daher von Stufe zwei ("erhöhte Vorsicht walten lassen") auf Stufe drei ("Reisen überdenken") hinauf - eine Stufe vor der höchsten Stufe vier ("nicht reisen").

Von der Absage des Asean-Gipfels hatte der US-Sender NBC unter Berufung auf ungenannte US-Regierungsvertreter berichtet. Weiter hieß es, auch ein für kommenden Dienstag geplantes Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Die Wada teilte mit, Grundlage für die Absage des Symposiums sei die Entscheidung der Schweizer Behörden gewesen. Der Bundesrat verbot wegen des Ausbruchs von Sars-CoV-2 bis zum 15. März alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern. So wurden auch alle Fußball-Erstligapartien des Wochenendes auf einen unbestimmten Termin verlegt.

United Airlines begründete die Verschiebung seines Investorentags auf voraussichtlich September damit, dass sich die Marktreaktion verschlechtert habe, Anleger beschäftigten derzeit ausschließlich die kurzfristigen Auswirkungen. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass in der kommenden Woche produktive Gespräche über die langfristige Strategie geführt werden könnten.

Die Organisatoren ITB Berlin hatten erklärt, in den Tagen und Wochen zuvor hätten sich immer mehr Aussteller abgemeldet, nicht nur aus China. Nach Angaben der Messegesellschaft erhöhte das zuständige Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf Auflagen stark. Diese seien insgesamt von der Messe Berlin nicht umsetzbar.

Auch in Nordrhein-Westfalen hat die Ausbreitung des Coronavirus Auswirkungen auf die umfangreichen Messeaktivitäten und damit auch auf zahlreiche Hotels und Gaststätten. Nach der Kölner Eisenwarenmesse sind auch die Internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung in Düsseldorf und die Kölner Fitnessmesse Fibo auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden, wie die Veranstalter mitteilten.

Laut RKI hat sich die Zahl der Fälle weltweit auf mehr als 83 000 Infizierte in 52 Ländern erhöht. In Europa sind mehr als 20 Länder betroffen, wie aus der Statistik des europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervorgeht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte angesichts der wachsenden Zahl von Sars-CoV-2-Infektionen das Risiko einer weltweiten Verbreitung des Virus von "hoch" auf "sehr hoch".

Die meisten Sars-CoV-2-Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom RKI. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Infizierten, weit mehr als bei der Grippe./ags/DP/zb

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