VIRUS/ROUNDUP: 'Schwarzer Tag' im Eishockey - Saisonaus finanziell 'Katastrophe'

dpa-AFX

KÖLN (dpa-AFX) - Nach dem "bittersten Tag unserer Geschichte" setzt die Deutsche Eishockey Liga auf staatliche Hilfe. Den vorzeitigen Saisonabbruch stufte die Liga wirtschaftlich als "eine Katastrophe" ein, deren genauen Ausmaße noch nicht beziffert werden können. "Da ist sicherlich der Staat in irgendeiner Weise gefragt, sagte der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke am Mittwoch in Köln. Welche Konsequenzen sich für den laufenden Fernsehvertrag mit der Telekom ergeben, war zunächst unklar - ein solches Szenario wie jetzt als Folge des Coronavirus hat es schließlich noch nicht gegeben.

Tripcke kündigte an, dass die DEL die Bundesregierung um Ausgleichszahlungen bitten werde. "Sobald sie da sind, werden wir das tun. Wir hoffen, dass eins der Pakete auch uns hilft", sagte der Liga-Chef bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Die wirtschaftlichen Folgen dürften noch schwerer wiegen als das plötzliche Ende aller sportlichen Träume. Die Playoffs sind die lukrativste Phase der Saison, in der das Eishockey sich am besten vermarkten kann. Mehr als 400 000 Zuschauer hatten die K.o.-Spiele 2018/19 insgesamt besucht. Mehrere Clubs wie die potenziellen Halbfinalisten Straubing und Bremerhaven haben einen Etat im einstelligen Millionenbereich, sie sind auf die Ticketeinnahmen angewiesen.

Dass am Dienstag, nur einen Tag vor dem Beginn der ersten Playoff-Runde, die Saison ohne einen Meister beendet wurde, hat auch für die Fernsehpartner Folgen. Die Telekom als Rechtehalter nahm die Entscheidung schlicht "zur Kenntnis". Auch Sport1 ist betroffen.

Von einem "schwarzen Tag für das deutsche Eishockey" sprach Adler-Gesellschafter Daniel Hopp im "Mannheimer Morgen". Nürnbergs bisheriger Namensgeber Thomas Sabo drückte mit dem "wohl bittersten Tag unserer Geschichte" sein Entsetzen aus. Dass er sich als Hauptsponsor der Franken zurückzieht, steht schon länger fest.

Die Nürnberger hatten bei den stundenlangen Beratungen nach eigenen Angaben auf eine verkürzte Playoff-Saison gedrungen. Der Vorschlag wurde aber ebenso abgelehnt wie das Spielen vor leeren Rängen, der Schaden wäre damit noch größer gewesen. Am Ende sei die Entscheidung, die erstmals in der 26-jährigen DEL-Geschichte getroffen wurde, "fast" einstimmig gefallen, sagte Tripcke und sprach von nun anstehenden "wirtschaftliche Aufräumarbeiten".

Dass das Vorzeigeprodukt ausfällt, wird für die Liga die aktuelle Suche nach einem neuen Hauptsponsor erschweren. Die Playoffs seien "das beste Verkaufsmaterial, das wir haben. Dass das nicht hilft, ist selbstverständlich", gab Tripcke zu. Die Vereine müssen bereits verkaufte Tickets zurückzahlen. So war zum Beispiel das erste Heimspiel der Augsburger Panther gegen Ingolstadt mit gut 6000 abgesetzten Tickets bereits ausverkauft. Die Frage, ob die Spieler Playoff-Prämien erhalten, dürfte von der Vertragslage abhängen.

Die Spieler bleiben mit vielen Ungewissheiten zurück. "Brutal", welche Auswirkungen das Virus habe, konstatierte der Olympia-Zweite Marcel Goc von den Adlern Mannheim, die am Vormittag nur ein kurzes Meeting hatten. "Es kommt einem vor, als ob man in einem falschen Film ist. Das Ganze ist absurd, komisch", sagte der 36-Jährige. "Jeder guckt sich eigentlich nur an und sagt: "Ist das wirklich so?""

Während für den früheren NHL-Stürmer seine Karriere auf seltsamste Weise endete, ist für die Nationalspieler noch unklar, wie es weitergeht. Sollte die für den 8. bis 24. Mai in Zürich und Lausanne geplante WM tatsächlich stattfinden, würde der Saisonabbruch Bundestrainer Toni Söderholm eine ungewöhnlich lange Vorbereitungszeit ermöglichen. Der Deutsche Eishockey-Bund berät derzeit über die Folgen. Aber der Eishockey-Weltverband IIHF diskutiert auch über eine Absage oder eine Verlegung./puk/DP/men

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