VW: Nach dem Börsenhype kommen nun die harten Fakten auf den Tisch – so bewerten die Analysten den Autobauer kurz vor der Zahlenvorlage

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VW: Nach dem Börsenhype kommen nun die harten Fakten auf den Tisch – so bewerten die Analysten den Autobauer kurz vor der Zahlenvorlage

Der Volkswagen-Konzern legt an diesem Donnerstag (6. Mai) seine Zahlen für das erste Quartal vor. Zu den wieder besser laufenden Geschäften nach dem Einbruch in der Corona-Pandemie vor einem Jahr garnierten die Wolfsburger die ersten Jahresmonate mit einem kleinen Feuerwerk in Sachen Elektromobilität – prompt bekam VW ein wenig Börsenhype ab und war zwischenzeitlich der wertvollste Börsenkonzern Deutschlands. Wohin Konzernchef Herbert Diess den Wolfsburger Riesen steuern will, was die Analysten sagen und wie die Aktie zuletzt lief.

So ist die Lage des Unternehmens

Diess hat in den vergangenen Monaten die Schlagzahl nochmal erhöht, mit der er VW in Richtung Elektrozeitalter und den reinen Batterieantrieb schiebt. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat er auch das obere Management in den Marken und im Konzern in weiten Teilen nach seinen Vorstellungen umgekrempelt.

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Zu den guten Zahlen, die Volkswagen für das vergangene Jahr auf den Tisch legte, kam trotz Chipknappheit und Corona-Pandemie verhaltener Optimismus für das laufende Jahr hinzu. Außerdem ziehen die Wolfsburger das Tempo bei Elektroautos ein weiteres Mal an. In Europa sollen bei der Kernmarke VW Pkw 2030 nun mindestens 70 Prozent der Verkäufe rein elektrische Autos sein. Eine glatte Verdoppelung der bisherigen Annahmen.

Im März kündigte VW dann an, in Europa mit Partnern bis 2030 insgesamt sechs Batteriezellfabriken bauen zu wollen, um den Bedarf zwischen 2025 und 2030 zu decken. Ein Schritt, den die meisten anderen Autobauer wie auch große Zulieferer wegen hoher Investitionen und unklarer Technologiezukunft scheuen – bis auf Tesla. Zudem wird die Batteriezelle bei VW vereinheitlicht, um hohe Kosten für die bisher vielen verschiedenen Zelltypen zu senken. Die Plattformstrategie von VW nimmt darüber hinaus künftig nicht mehr nur den Antrieb und den reinen Fahrzeugbau ins Visier, sondern verzahnt auch Software, Batterietechnik und Mobilitätsdienste, und das weitgehend über alle Marken des Konzerns.

Neue Nahrung erhielt auch das Thema eines möglichen Börsengangs der Sportwagentochter Porsche AG, über den bereits seit Jahren spekuliert wird. Diess ließ zuletzt verlauten, das nötige Geld für den Umbruch in der Branche aus dem laufenden Geschäft verdienen zu wollen und sah daher keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Und gerade Porsche als Ertragsperle lässt viel Geld in die Kassen des Konzerns fließen. Immerhin: Dem Marktwert von Volkswagen haben die Diskussionen nicht geschadet, sondern ihn ganz im Gegenteil eher befeuert.

Aber da ist ja auch noch das Tagesgeschäft, in dem VW die vielen Milliardeninvestitionen in die neue Mobilitätswelt erst einmal verdienen muss. Und da will Diess den Schwung aus dem zweiten Halbjahr 2020 mitnehmen, als sich die Autobranche schon deutlich von dem Einbruch in der Corona-Krise in der ersten Jahreshälfte erholt hat. Dabei kommt dem Unternehmen zugute, dass in der Krise eingeleitete Kosteneinsparungen noch spürbar entlasten, die Nachfrage aber derzeit vor allem in China und auch in Nordamerika deutlich angezogen hat. Insbesondere in der Volksrepublik, dem mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt der Wolfsburger, brummen die Geschäfte.

Allerdings sorgt die knappe Verfügbarkeit von Halbleitern für die Autoproduktion derzeit für Sorgenfalten bei den Automanagern. Im ersten Quartal konnten rund 100.000 Autos nicht wie geplant gebaut werden, und die Malaise mit fehlenden Chips dürfte sich noch hinziehen. Bislang geht Volkswagen für die zweite Jahreshälfte von Besserung aus.

Weil die Nachfrage teils über dem Angebot liegt und die Lieferzeiten derzeit lang sind – was auch an der weiter starken Förderung von Elektromodellen liegt – kann sich VW immerhin über weitgehend stabile Preise freuen, was dem Konzern beim Ergebnis im Tagesgeschäft in die Karten spielt.

Derzeit rechnet Volkswagen mit einem deutlichen Anstieg der Auslieferungen, sollte die Covid-19-Pandemie erfolgreich eingedämmt werden. Im vergangenen Jahr waren die Verkäufe an Kunden um 15 Prozent auf 9,3 Millionen Fahrzeuge eingeknickt. Im ersten Quartal lieferte VW insgesamt schon 21,2 Prozent mehr Fahrzeuge aus als im gebeutelten Vorjahreszeitraum.

An der Börse am meisten beachtet wird in aller Regel die Prognose für die operative Marge vor Zinsen und Steuern. Hier legte sich VW zunächst auf eine Spanne zwischen 5,0 und 6,5 Prozent fest – allerdings werde ein Wert am oberen Ende angestrebt, hieß es.

So sehen die Analysten die Aktie

Analysten sind da schon weiter und trauen VW mehr zu. 8,2 Prozent Marge für das erste Quartal etwa erwartet Kai Alexander Müller von Barclays. Er verwies auf die sehr starken Auslieferungszahlen im ersten Quartal vor allem der hochpreisigen Konzernmarken Porsche und Audi. George Galliers von Goldman Sachs erwartet eine operative Marge von 7,9 Prozent. Die Frage scheint nur noch, wann sich das Management um Diess und Finanzchef Arno Antlitz eine Prognoseerhöhung zutraut. Das könnte womöglich erst zum Halbjahresbericht sein, schrieb JPMorgan-Analyst Jose Asumendi.

Auch bei den Empfehlungen der Experten sieht es für die VW-Vorzugsaktie gut aus. Von zwölf Stimmen seit den Mitte März vorgelegten finalen Jahreszahlen rät keine zum Verkauf, dagegen aber zehn zum Kauf und zwei zum Halten der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 275 Euro und damit noch ein gutes Viertel über dem aktuellen Niveau von rund 215 Euro.

So läuft die Aktie

Anleger machten einige Jahre lang einen Bogen um Aktien der „alten“ Autowelt wie VW. Im Februar und März 2020 kam dann wegen des Corona-Ausbruchs der freie Fall, der die Aktien der Wolfsburger unter der 80-Euro-Marke auf das tiefste Niveau seit 2010 drückte. Es folgten einige mehr oder weniger marktkonforme Erholungsmonate und dann im März eine plötzliche Rally, die oberhalb von 250 Euro gipfelte. Zeitweise hatte VW damit den Software-Entwickler SAP wieder als wertvollstes börsennotiertes deutsches Unternehmen abgelöst.

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Als Anlass zur Rally galten einerseits die Sektorrotation weg von Technologie- und hin zu klassischen Industriewerten. Andererseits kamen die ambitionierten Pläne von Volkswagen hinsichtlich der Elektromobilität hinzu und die Hoffnung, dass die Wolfsburger zum US-Technologieführer Tesla aufschließen können. Da die Stammaktien noch stärker ausschlugen als die im Dax notierten Vorzüge, wurde außerdem vermutet, dass Wetten von Spekulanten im Zusammenspiel der beiden Aktiengattungen nicht aufgingen. Auch bei US-Privatanlegern, die sich in Internet-Foren organisieren und jüngst vor allem mit ihrem Einfluss auf die Gamestop-Aktie für Furore gesorgt hatten, war VW zum Thema geworden.

Zeitweise hob sich die Kursentwicklung der VW-Vorzüge auch positiv ab vom großen US-Elektrorivalen Tesla, dessen Aktien nach einer jahrelangen Rally in diesem Jahr bislang etwas Federn gelassen haben. Seit Anfang 2020 hat sich der Börsenwert des amerikanischen E-Autobauers aber noch immer verachtfacht. Bei dem Wert sehen die deutschen Autokonzerne selbst zusammengerechnet im Vergleich mit den Kaliforniern eher wie Zwerge aus. Und das, obwohl sie ein Vielfaches dessen an Autos verkaufen, was Tesla bisher auf die Straße bringt.

Zuletzt fiel die Marktkapitalisierung von VW mit gut 120 Milliarden Euro wieder hinter jene des Softwarekonzerns SAP und des Gasekonzerns Linde zurück. In den vergangenen Wochen war es wieder deutlich ruhiger geworden um die VW-Kurse: Im April konnte sich die Vorzugsaktie noch zweimal der 250-Euro-Marke annähern, seither hat sich das Branchenbild für Autokonzerne aber eingetrübt. Die Engpässe in der Versorgung mit wichtigen Elektronikteilen bereiten nicht nur den Konzernmanagern, sondern auch den Anlegern Kopfzerbrechen. VW musste deshalb bereits die Fertigung drosseln.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: balipadma / Shutterstock.com

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