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Wann geht den Bullen die Luft aus?

Jessica Schwarzer

Der Bullenmarkt an der Wall Street hat am Wochenende seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Es ist der längste Aufschwung in der Geschichte, getragen von der Politik der Notenbanken. Wie lange kann das noch gut gehen?

Wann geht den Bullen die Luft aus?

Die Kurse an der Wall Street steigen seit zehn Jahren. Und mit ihnen die Notierungen an vielen anderen Börsen der Welt – größere und kleinere Korrekturen inklusive. Wer hätte damit am 9. März 2009 gerechnet? Die Stimmung dies- und jenseits des Atlantiks war damals extrem schlecht. Kein Wunder, angesichts von Kursverlusten von 50 und mehr Prozent. Die Finanzkrise tobte, nicht wenige sahen das Ende des Finanz- und Wirtschaftssystems, wie wir es kennen. Die Medien befeuerten das mit Untergangs-Szenarien und auch die Analysten in den großen Investmentbanken sahen schwarz.

Doch wie so oft an den Börsen war diese extrem schlechte Stimmung ein ziemlich guter Kontraindikator. Denn an diesem 9. März 2009 startete ein beispielsloser Bullenmarkt. Der breite US-Index S&P 500 legte in den vergangenen zehn Jahren gut 300 Prozent zu, das Standardwerte-Barometer Dow Jones nur etwas weniger. An der Technologiebörse Nasdaq stiegen die Kurse sogar um mehr als 500 Prozent. Was für eine Rally! Auch der Dax legte trotz der arg gebeutelten Auto- und Bankenaktien mit fast 200 Prozent kräftig zu, wenn auch weniger stark als die US-Indizes.

Angesichts solcher Kursentwicklungen neigt der ein oder andere Anleger zu Höhenangst. Und die Crashpropheten tönen sowieso schon seit Monaten, dass die Rally bald endet und ein furchtbarer Absturz unmittelbar bevorsteht. Bisher strafen die steigenden Notierungen sie Lügen. Selbst die schmerzhafte Korrektor im vierten Quartal 2018 haben die Indizes weitestgehend wettgemacht. Trotzdem ist die Stimmung an den Märkten derzeit eher gedämpft. Und das ist gut so. Zu großer Optimismus oder gar Gier wären nämlich auch ein Kontraindikator.

Jeder Bullenmarkt endet irgendwann

Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, wann der Bullenmarkt endet und die Bären das Zepter wieder übernehmen. Wie lang ein Bullenmarkt läuft, dafür gibt es schließlich keine Regel. Die DWS hat sich das Thema in ihrem „Chart der Woche“ vorgenommen. Ihr Ergebnis: Bullenmärkte dauern immer länger. In den 1930er-Jahren waren es nur Monate, nach dem Zweiten Weltkrieg dauerten sie immerhin schon durchschnittlich vier Jahre.  Seit 1990 liefen Bullenmärkte im Schnitt sogar länger als acht Jahre. Und nun also zehn Jahre, mindestens. Die DWS-Experten liefern auch Gründe für diesen Dauerlauf: Die letzten beiden Konjunkturzyklen in den USA und in vielen anderen Industrieländern erstreckten sich über einen ungewöhnlich langen Zeitraum. Und dann ist da natürlich die Politik der US-Notenbank Fed.

Seit dem Crash von 1987 greifen die Notenbanker beherzt ein, wenn an den Märkten etwas schief zu laufen droht. Aber können Sie das auch wieder tun? Oder haben sie ihr Pulver verschossen? Auch die DWS-Experten mahnen zur Vorsicht, denn in den USA und insbesondere in der Eurozone sind die Spielräume für eine konventionelle Geldpolitik sehr begrenzt. Selbst wenn die möglichen Rettungsmaßnahmen wieder funktionieren sollten, dürften Anlegern im Fall einer Rezession ein paar heftigere Kursturbulenzen nicht erspart werden.

Wann es knallt, weiß niemand. Irgendwann wird es sicher passieren. Crashs kommen in der Regel überraschend und heftig. Auch wie lange der Bärenmarkt dann dauern wird, lässt sich kaum prognostizieren. Oder wie heißt es so schön? Am Markt wird nicht zum Ausstieg geklingelt. Zum Einstieg aber auch nicht. Das wissen all jene, die den Startschuss zu Rally vor zehn Jahren verpasst haben.

Titelfoto: Javen / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Jessica Schwarzer Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Die gebürtige Düsseldorferin hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Zuletzt erschien ihr viertes Buch 'Hin und Her macht Taschen leer? Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen - Teil 2’. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sich sie auch mit Vorträgen und Seminaren, und bei der Initiative finanz-heldinnen stark macht.

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