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Warum die deutsche Wirtschaft vor schwierigen Jahren steht

Reuters

- von Rene Wagner

Warum die deutsche Wirtschaft vor schwierigen Jahren steht

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft hat ihr "goldenes Jahrzehnt" schwach beendet.

Nach jahrelangem Boom reichte es 2019 wegen Handelskonflikten, kriselnder Autobranche und Brexit-Chaos nur zu einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 Prozent - dem kleinsten Plus seit 2013. Es spricht einiges dafür, dass die zwanziger Jahre nicht unbedingt goldene werden könnten. Es folgen die großen Risiken für die deutsche Wirtschaft im neuen Jahrzehnt:

AUTOKRISE

Die Autobranche hat schon im abgelaufenen Jahr mit ihrer schrumpfenden Produktion dafür gesorgt, dass die Industrie in die Rezession abgerutscht ist. "Diese Schwäche dürfte den Anstieg der Wirtschaftsleistung 2019 um etwa 0,75 Prozentpunkte gedämpft haben", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Dahinter steckt vor allem der Strukturwandel - weg vom Verbrennungs- und hin zum Elektromotor. Experten rechnen damit, dass im schlimmsten Fall Hunderttausende Jobs wegfallen könnten. Audi und Daimler haben bereits die Streichung von insgesamt etwa 20.000 Stellen in den kommenden Jahren angekündigt. Auch bei vielen Zulieferern fallen Arbeitsplätze weg. Die Schwäche der Autoindustrie trifft die deutsche Wirtschaft hart, steht diese doch für fünf Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung und beschäftigt drei Prozent der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen in Deutschland.

WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

Die Weltbank attestiert der deutschen Wirtschaft eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit. In ihrem "Ease of Doing Business Index" - ein Gradmesser für die Geschäftsfreundlichkeit von Volkswirtschaften - rutschte Deutschland zuletzt deutlich ab und findet sich nur noch auf dem 22. Platz wieder, hinter Ländern wie Nordmazedonien und Georgien. "Wir sind zu einem Schnarchland geworden, weil es uns zehn Jahre richtig gutging", kritisiert etwa der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. Steigende Energiekosten, vergleichsweise hohe Steuern, viel Bürokratie - all das steht Experten zufolge einer besseren Wettbewerbsfähigkeit und damit mehr Wachstum im Weg.

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HANDELSKRIEGE

Als Export-Europameister ist Deutschland besonders auf einen gut laufenden Welthandel angewiesen. Kein Wunder, dass der Zollkrieg zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaft USA und China für Sorgenfalten in den Chefetagen der hiesigen Unternehmen sorgt. Die Teileinigung zwischen beiden Seiden dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, "dass die USA den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas weiter mit handelspolitischen Instrumenten bremsen wollen", warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Außerdem ist der Protektionismus auch in vielen anderen westlichen Gesellschaften salonfähig geworden. Der Welthandel dürfte in den kommenden Jahren weiter langsamer zunehmen als das Welt-Bruttoinlandsprodukt." Keine gute Nachricht für die Exportnation Deutschland, die wie kaum ein anderes Land auf eine gute globale Konjunktur angewiesen ist.

KONKURRENT CHINA

China ist seit Jahren schon wichtigster Handelspartner Deutschlands. In diesem Jahrzehnt aber könnte sich die Volksrepublik endgültig als starker Konkurrent etablieren. Chinas "Schwenk zu höherwertigen Erzeugnissen" dürfte Exporteure aus Industriestaaten verstärkt unter Wettbewerbsdruck setzen, warnte die Bundesbank schon 2018. "Gerade deutsche Unternehmen könnten dies in den nächsten Jahren zu spüren bekommen." Heute stammen bereits sieben der zehn wichtigsten Batteriehersteller für Elektrofahrzeuge aus dem Reich der Mitte. Eine Herausforderung ist auch das ehrgeizige Ziel Pekings, beim neuen Mobilfunkstandard 5G, bei Künstlicher Intelligenz, in der Quantenforschung sowie in vielen anderen Zukunftstechnologien weltweit die Nase vorn zu haben. "Europa droht in diesen Wirtschaftsbereichen seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren", warnt das Berliner Mercator Institut for China Studies. "Chinesische Hightech-Unternehmen erobern europäische Märkte, und ihre Technologien kommen zunehmend in den Fintech-, E-Commerce- und Telekommunikationsstrukturen zum Einsatz."

DEMOGRAFIE

Führende Institute sagen für dieses und nächstes Jahr neue Rekorde bei der Beschäftigung voraus. Doch spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts dürfte der demografische Wandel zuschlagen. Das Statistische Bundesamt etwa geht davon aus, dass die erwerbsfähige Bevölkerung bis 2035 um rund vier bis sechs Millionen schrumpfen wird. Der Fachkräftemangel dürfte sich mithin noch verstärken. Gleichzeitig altert die Gesellschaft: Die Zahl der Menschen im Alter ab 80 Jahren soll von 5,4 Millionen im Jahr 2018 bereits bis 2022 auf 6,2 Millionen nach oben schnellen. Dadurch werden die Ausgaben der Sozialkassen - etwa für Renten-, Pflege- und Krankenversicherung - stark steigen. Das wiederum könnte dafür sorgen, dass Bürger wie Unternehmen höhere Sozialbeiträge leisten müssen, was wiederum den privaten Konsum dämpfen und die Wettbewerbsfähigkeit drücken dürfte. Die Bundesbank schlägt dagegen eine Anhebung des Rentenalters auf mehr als 69 Jahre vor.

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