Warum die Fondsbranche vor einer fundamentalen Wende steht

Fundresearch

BlackRock, Marktführer bei Indexfonds und ETFs, ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen verwaltet in seinen Portfolios rund sieben Billionen US-Dollar. Das entspricht ungefähr dem doppelten jährlichen Bruttoinlandsprodukt Deutschlands. BlackRock ist deshalb nicht einfach nur ein Vermögensverwalter unter vielen. Das Unternehmen bewegt schon aufgrund seiner Größe die Märkte. 

Bislang nutzt der Mega-Marktführer seine Macht nur in verhältnismäßig bescheidenem Ausmaß. Bei Abstimmungen auf Hauptversammlungen halten sich BlackRock-Vertreter, die dort die Stimmen der Anleger von passiven Produkten wie ETFs und Indexfonds repräsentieren, oft zurück. Und die vergleichsweise wenigen aktiven Fondsmanager des Unternehmens greifen nur vorsichtig strategisch ein. Dazu kommt, dass ETFs und Indexfonds keine aktive Anlagepolitik betreiben. Die Indizes, deren Wertentwicklung sie nachbilden, werden bei der Emission einmalig gesetzt und bleiben dann unverändert. Deshalb bewegen sich die sieben Billionen US-Dollar, die BlackRock verwaltet, wie ein schwerer Tanker. Eine Richtungsänderung ist nur mit Verzögerung möglich.

BlackRock forciert das Thema Nachhaltigkeit

Doch die Zeiten, in denen sich das Unternehmen als reiner Verwalter passiver Anlageprodukte in Zurückhaltung übte, sind offenbar vorbei. BlackRock-Chef Larry Fink hat nun offene Briefe an die CEOs von börsennotierten Firmen und an seine Anleger geschrieben. Und er hat in diesen Briefen nichts Geringeres als eine komplette Strategiewende seines Unternehmens angekündigt. In einem Brief an seine Kunden hat Fink eine Reihe von Initiativen genannt, mit denen BlackRock Nachhaltigkeit ins Zentrum seines Investmentansatzes rücken wird. Künftig wird Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Bestandteil der Portfoliokonstruktion und des Risikomanagements, so Fink. BlackRock wird sich demnach von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten. Gleichzeitig wird der Vermögensverwalter neue Anlageprodukte auf den Markt bringen, die Investments in fossile Brennstoffe ausschließen. 

Zugleich wird BlackRock aktiver auf die Unternehmen, deren Aktien der Vermögensverwalter in seinen Portfolios hält, einwirken, mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Transparenz zu legen. Dazu sollen die Firmen schon „bis zum Jahresende ihre Berichte gemäß den branchenspezifischen SASB-Richtlinien veröffentlichen oder ähnliche Daten in einer für ihr Geschäft relevanten Weise vorzulegen und über klimabezogene Risiken entsprechend den Empfehlungen der TCFD zu berichten“, so Fink. Diese Berichte sollen auch über die Pläne der Firmen informieren, welchen Beitrag sie leisten wollen, das Ziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, zu erreichen. BlackRock macht ernst mit Öko. In seinem Schreiben an die CEOs börsennotierter Unternehmen macht Fink unverblümt deutlich, dass BlackRock seine Stimmmacht in den Unternehmen aktiv nutzen will. „Wenn ein Unternehmen wesentliche Belange nicht ernst nimmt, sollte seine Führung nach unserer Überzeugung dafür zur Verantwortung gezogen werden“, schreibt Fink. Das ist eine Ansage, die der Boss der Bosse mit einer weiteren fulminanten Aussage würzt: „Schon bald - und früher als von den meisten erwartet - wird es zu einer erheblichen Umverteilung von Kapital kommen.“

Die Märkte eilen den Ankündigungen voraus

Was Ankündigungen bewirken können, lässt sich an der Börse schon seit einiger Zeit beobachten. Seit die EU-Kommission ernsthaft an ihren Initiativen zur verstärkten Berücksichtigung von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) in der Finanzindustrie bastelt, hat ein wahrer ESG-Hype eingesetzt, der sich auch in der Kurs-Performance der betreffenden Unternehmen bemerkbar macht. So schnitten in den zurückliegenden Jahren die MSCI ESG-Indizes umso besser ab, je strenger die Nachhaltigkeits-Auflagen waren. Gleichzeitig sanken die Kosten für ESG-ETFs zuletzt massiv. 

Auch eine aktuelle Studie von Amundi, Europas größtem Vermögensverwalter, belegt die positiven Auswirkungen von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien auf die Portfolio-Performance. Auch hier zeigt sich: Europa ist beim Thema ESG nicht nur regulatorisch führend. In der Eurozone hat ESG laut Amundi-Studie auch einen positiven Einfluss auf die Rendite, wobei insbesondere die Kriterien Umwelt und Soziales Outperformance bringen. In Nordamerika dagegen ist ein Rückgang der Alpha-Generierung in allen drei ESG-Dimensionen festzustellen, wobei sich der Faktor Umwelt sogar negativ auf die Wertentwicklung auswirkt.

Larry Finks Briefe an Investoren und CEOs weltweit kommt somit zum rechten Zeitpunkt. Der weltweit anlegende Vermögensverwalter wird nicht nur in Europa seine Portfolios umstrukturieren, sondern auch seine Anlagepolitik in den USA. So könnten die Vereinigten Staaten vielleicht doch noch zum Vorreiter in Sachen Weltrettung werden - und dies, obwohl der US-Präsident den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen beschlossen hat. Sieben Billionen US-Dollar haben abseits der Politik eben ein ganz besonderes Gewicht, das Investoren nicht mehr ignorieren können. 

Die Botschaft an Anleger ist in jedem Fall eindeutig: ESG-Fonds und ETFs sind nun keine exotischen Außenseiter-Investments mehr. Sie rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit und geben den Takt vor.

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