Weisheiten eines unbekannten Investors, der wie Warren Buffett anders ist als 99 % aller Investoren

Bernd Schmid
Weisheiten eines unbekannten Investors, der wie Warren Buffett anders ist als 99 % aller Investoren

Neulich habe ich endlich mal wieder ein Interview mit Anthony Deden von Edelweiss Capital gehört. Deden ist ein unbekannter Investor, der so gut wie nie öffentlich in Erscheinung tritt. Wenn er es täte, würde er von vielen ähnlich angesehen werden wie Warren Buffett oder Peter Lynch. Er ist einfach anders als 99 % aller professionellen Investoren.

Seine Renditen sind zwar etwas niedriger. Aber er verfolgt auch einen anderen Zweck. Er legt Kapital nicht mit der Priorität von Renditemaximierung an, sondern mit den Prioritäten Beständigkeit und Langlebigkeit. Sein ganzer Investitionsstil ist darauf ausgerichtet. Trotz Bottom-Up-Ansatzes war er zum Beispiel während der Dotcom-Blase zu 93 % in Cash oder aktuell rund zur Hälfte in Edelmetalle (inklusive Minengesellschaften) Investiert.

Es ist aber nicht nur eine Investitionsphilosophie, die auf Beständigkeit beruht. Man spürt dieses Element in seiner ganzen Lebenseinstellung. Das wird in den seltenen Interviews, die er gibt, eindrucksvoll deutlich. Aus diesen kann jeder Anleger etwas lernen, dessen Ziel der Vermögensaufbau oder -erhalt ist.

Daher hier einige Zitate aus dem letzten Interview, das Anthony Deden gegeben hat - aus einem Gespräch mit dem einzigartigen (ich kenne niemanden, der besser Gespräche führen kann als er) Grant Williams in dessen Podcast. (Leider hinter einer Bezahlschranke, aber ich habe am Ende dieses Artikels noch etwas.)

Die Zitate lasse ich bewusst unkommentiert.

Anthony Deden über …

… das passive Investieren und Indexfonds

Ich denke, das ist eine natürliche Folge des Interesses des Menschen an der Idee von Reichtum ohne Arbeit. Eine Vorstellung, die ihn seit Anbeginn der Zeit verwirrt hat, und so besitzt man eine Aktie mit dem Zweck, dass diese im Wert steigt. […] Und wofür? Diese Dinge funktionieren. Aber letztendlich werden sie scheitern.

… Währungen und andere Makro-Themen

Ich interessiere mich nicht für den Schweizer Franken. Ich weiß nicht, was der Schweizer Franken ist. Ich kann es dir nicht sagen. Ich habe kein Interesse an solchen Dingen.

Ich denke, der durchschnittliche Mensch mit Ersparnissen hat, Gott sei Dank, nicht wirklich die Mittel, um sich über diese Materie den Kopf zu zerbrechen.

Es gab eine Zeit, wenn man zurückgeht, sogar in der amerikanischen Finanzgeschichte, vielleicht vor 50, 60 Jahren, in der, wenn ein Journalist wissen wollte, was in der Wirtschaft passiert, er mit dem Präsidenten eines Industrieunternehmens sprach, nicht mit einem Wirtschaftswissenschaftler, der für einen Broker arbeitete. Also die Industrie gab den Ton an und die Finanzwelt folgte. Heute gibt das Finanzwesen den Ton an und die Industrie ist eigentlich ziemlich klein geworden.

… Börsengänge von Unternehmen

Die Motivation, die hinter einer Börsennotierung steht, muss mit dem Unternehmenszweck im Einklang stehen. Wenn das nicht der Fall ist, wird etwas kaputtgehen. Und was kaputtgeht, sind die DNA und der Sinn der Organisation.

… das Finden von Anlageideen

Um gute Ideen zu finden, muss man sich viele Ideen ansehen.

… das Analysieren von Unternehmen

Also, das Erste, was ich mir sagen würde, ist: „Kenne ich das Geschäft [in dem es tätig ist]? Habe ich es schon einmal gesehen? Kenne ich die wirtschaftlichen Zusammenhänge?“ Ich würde mich fragen: „Wer kauft diese Art von Produkten?“ Ich würde mich fragen: „Was ist die dauerhafte Natur eines solchen Geschäfts?“ Ich würde mich fragen: „Was könnte in diesem Geschäft schiefgehen?“

Den Risikofaktoren wird oft sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil das Risiko am schwierigsten zu verstehen ist. Du kannst eine DCF-Analyse durchführen und herausfinden, wie hoch die voraussichtlichen Gewinne in den nächsten fünf Jahren sein könnten. Aber woher weißt du, wie du die Risikoelemente identifizieren kannst, sowohl die finanziellen, quantifizierbaren als auch die unsichtbaren und nicht quantifizierbaren Aspekte?

Die zweite Sache, die ich mich fragen würde, ist: „Will ich in [diesem] Geschäft sein?“ […] Ich gebe dir das Beispiel des Trucking-Geschäfts, des eigentlichen Warentransports. Es ist ein großartiges Geschäft. Vielleicht ist es für viele Leute großartig, aber es ist kein Geschäft, das ich attraktiv finde, weil die Kosten fix sind, die Einnahmen einem erheblichen Wettbewerbsdruck unterliegen. Du hast Verbindlichkeiten in Form von Lastwagen und Mitarbeitern. Du fügst nicht viel Mehrwert hinzu. Es gibt keine Größenvorteile. Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht man in diesem Geschäft eine gewisse Größe. Man konkurriert mit Leuten, die viel größer sind als man selbst. Also, ich mag das Geschäft sehr, aber ich will nicht Teil davon sein.

Wenn ich also das Geschäft verstehe und es mir gefällt, dann würde ich mir ansehen, was du mir vorgeschlagen hast, und ich würde mir ansehen, wem es gehört, und mich fragen, ob ich mit diesen Leuten Partner sein möchte. Mag ich diese Leute? Stell dir vor, du und ich würden die gesamte Firma kaufen. Wir fragen uns, würden wir diese Leute weiter anstellen?

[…]

Du willst also ein qualitatives Verständnis für die Faktoren bekommen, die für das langfristige Überleben des Unternehmens zwangsläufig extrem wichtig sind, und das ist der Faktor Mensch. Du wärst erstaunt, was du durch das Lesen von Finanzberichten der letzten fünf, zehn Jahre erfahren kannst, denn diese Berichte geben Hinweise auf die Motivation, den Charakter und den Zweck eines solchen Unternehmens.

… Wert vs. Preis, Aktienkurse, Renditen, Volatilität

Es dauert ein Leben lang, um eine Investitionssammlung zusammenzustellen, und bis man alles über jede einzelne Sache weiß, die man besitzt. Und man erwirbt diese Anlagesammlung wegen des Wertes, den sie besitzt und nicht wegen des finanziellen Wertes, den man durch einen Verkauf erzielen würde. Ich kenne eine Reihe von Kunstsammlern. Keiner von ihnen ist daran interessiert, seine Kunst zu verkaufen.

Der Preis von etwas ist nur zweimal wichtig. Wenn man es kauft und wenn man es verkauft. Dazwischen hat der Preis von etwas absolut keine Bedeutung.

Sicherlich, in den meisten Fällen, in denen du Unternehmen siehst, die ihre Aktien zurückkaufen, tun sie es aus dem falschen Grund, aus der falschen Motivation und mit geliehenem Geld.

Das Leben kommt nicht in netten kleinen Schritten von 10 % pro Jahr oder wie viel Prozent auch immer pro Jahr. Es kommt in ungleichen Zeitabschnitten.

Wenn die Preise steigen, fragt niemand, warum sie steigen. Im umgekehrten Fall fragt jeder, na ja, warum gehen sie runter?

Ich denke, die Idee der Preisvolatilität sehe ich nicht als Risiko an, weil sie es einfach nicht ist.  Finanzleute sehen es als Risiko an. Tatsächlich gibt es zwei Arten von Leute, die Volatilität als Risiko ansehen: die Finanzleute und die völlig unwissenden Leute. Geschäftsinhaber sehen Volatilität nicht als Risiko an. Vielmehr sehen sie sie im Allgemeinen als Chance an.

… Gold und wirklich gute Unternehmen

Derzeit schätze ich unser Gold mehr als den Besitz von Anteilen an einigen anderen Dingen, die anscheinend steigen.

Große Unternehmen bleiben unbemerkt, weil sie nicht auf Twitter oder Facebook sind und niemand bewirbt ihre Aktien. Es sind Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von unter einer Milliarde Dollar, denen niemand folgt. In der Tat gibt es viele, in die BlackRock und andere nicht investieren können. Sie können sie nicht kaufen, weil der Streubesitz niedrig ist. Das ist ein Umfeld, in dem ich enorm viel Substanz finde, besonders auf dieser Seite des Atlantiks. Ich denke also, dass echte, echte Vermögensbildung viel wichtiger ist als der Besitz von Gold. Wichtig ist vor allem zu definieren, was wirklich echt ist, was dauerhaft ist und was unabhängig von äußeren Faktoren ist, wie die Dummheit der eigenen Regierung und … sorry, wenn ich mich wiederhole.

Neugierde geweckt?

Wer bis hierher gekommen ist, der konnte sich hoffentlich von der Einzigartigkeit Anthony Dedens überzeugen. Falls nicht, dann war das ausschließlich mein Fehler durch die Auswahl der Zitate.

Daher kann ich jedem Anleger, dessen Ziel der Vermögensaufbau ist und der Englisch versteht, nur empfehlen, ihm direkt einmal zuzuhören. Am besten, indem man es sich gemütlich macht und anstatt des nächsten Filmes dieses frei zugängliche Interview mit ihm anschaut. Es lohnt sich.

Foto: SFIO CRACHO / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist Chefanalyst von The Motley Fool Deutschland und leitet den Newsletter Stock Advisor Deutschland mit dem Ziel, langfristig orientierten Anlegern zu helfen überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und bessere Anleger zu werden.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid ist CFA Charterholder, besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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23.04.2021, 14:34, Deutsche Bank Indikation
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