Wirtschaft hofft auf Modernisierung des Staats und mehr Einwanderung

Reuters

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine Modernisierung des Staates unter einer von Olaf Scholz geführten Ampel-Regierung.

"Wir müssen das schneller machen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag in Berlin. Unternehmensgründungen sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren dauerten einfach zu lange. Die angestrebte Regierung aus SPD, Grünen und FDP müsse sich an guten Beispielen in den Bundesländern als auch in Europa zur Digitalisierung orientieren. Zur Modernisierung des Staates gebe es keine Alternative. Die drei Parteien haben mehrfach erklärt, bei dem Thema Tempo machen zu wollen.

Wansleben sagte, der Fachkräftemangel sei momentan das größte Problem für viele Unternehmen. Die Coronavirus-Krise habe es noch verschärft. In einer DIHK-Umfrage von 28.000 Unternehmen aus allen Branchen nannten dies 59 Prozent als Geschäftsrisiko, nach zuletzt 43 Prozent. "Am Ende hilft nur Einwanderung", so Wansleben. Es gehe um rund 400.000 Menschen pro Jahr, vor allem aus dem außereuropäischen Ausland wie etwa Vietnam oder Brasilien. Die Ampel-Partner planen ein Punktesystem, um Fachkräfte aktiv anzuwerben.

Besorgt sind die befragten Unternehmen zudem wegen der hohen Energie- und Rohstoffpreise. 58 Prozent stufen dies als Risiko ein, nachdem es zuletzt nur 42 Prozent waren. "Die Unternehmen möchten produzieren, können häufig aber nicht", sagte Wansleben mit Blick auf beispielsweise fehlende Chips, Bauteile und Rohstoffe. "Das kannten sie vorher gar nicht." Jetzt gingen die Kosten hoch, während die Einnahmen oft noch fehlten. "Die Hütte brennt." Viele Lieferketten seien als Spätfolge der Pandemie gestört. Der Stau werde sich aber hoffentlich bis zum nächsten Frühjahr aufgelöst haben.

DIHK SCHÄTZT PERSPEKTIVEN SKEPTISCHER EIN ALS REGIERUNG

Laut DIHK fällt die Erholung von der Corona-Krise nicht so stark aus wie erwartet. "Vor Ende nächsten Jahres werden wir das Vorkrisenniveau kaum erreichen", sagte Wansleben. Das sei dann in etwa ein Jahr später als ursprünglich gehofft. Es reiche für eine Erholung, aber nicht für einen nachhaltigen, investitionsgetriebenen Aufschwung. "Die Politik muss jetzt alles daran setzen, aus Deutschland wieder einen attraktiven Investitionsstandort zu machen."

Der scheidende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Mittwoch gesagt, das Vorkrisenniveau werde bis März 2022 erreicht. Die Regierung hatte ihre Wachstumsprognose für 2021 deutlich auf 2,6 Prozent gesenkt, rechnet dafür 2022 mit 4,1 Prozent. Der DIHK ist auf Basis seiner Umfrage skeptischer: Das Wachstum dürfte 2021 nur bei 2,3 Prozent liegen. Im Frühsommer hatte der Verband noch 3,0 Prozent erwartet, nachdem die deutsche Wirtschaft im Corona-Jahr 2020 um satte 4,6 Prozent eingebrochen war. 2022 rechnet der DIHK dann mit 3,6 Prozent.

Nachdem in der Pandemie lange Dienstleister am stärksten litten, trifft es nun wegen der Lieferkettenprobleme vor allem die Industrie. Hier werten 81 Prozent der Betriebe die Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. In bestimmten Zweigen - Bergbau, Metallerzeugung oder der Kunststoffindustrie - sind es sogar jeweils mehr als 90 Prozent. Die Exporte der deutschen Wirtschaft, die 2020 um 9,3 Prozent eingebrochen waren, dürften 2021 nur noch um 7,5 Prozent zulegen - einen halben Punkt weniger als im Frühsommer von DIHK erwartet. 2022 sollte es dann zu einem Plus von 7,0 Prozent reichen.

Enttäuschend seien eher die Aussichten vieler Firmen, sagte Wansleben. Die aktuelle Lage dagegen sei ziemlich gut. "Hier kommt der Schwung des Sommers nach dem Lockdown zum Tragen." 43 Prozent der Firmen bewerten ihre Lage als gut, nur noch 14 Prozent als schlecht. Handel und Dienstleister spürten vor allem Verbesserungen.

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