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Yuan-Schwäche als Warnsignal für die Aktienmärkte?

Stefan Riße

Es ist ein wenig kompliziert, aber wenn die chinesische Währung Yuan gegenüber dem Dollar zur Schwäche neigt, dann ist das schlecht für die weltweiten Aktienmärkte. Den massiven Kurseinbrüchen im August 2015 und Dezember 2016 war ebenfalls eine deutliche Schwäche der chinesischen Währung, die auch Renminbi genannt wird, vorausgegangen. Wieso ist das so? Weil die Schwäche der Währung auf eine Abschwächung der chinesischen Konjunktur hindeutet, was aufgrund des großen Anteils Chinas auch die Weltkonjunktur belasten würde. Das mag mitschwingen, die Auswirkungen sind aber viel offenbarer.

“Quantitative Easing” war der Turbo für die Aktien

Wir erinnern uns, in drei sogenannten “Quantitative Easing” (QE)-Programmen hat die US-Notenbank Federal Reserve (FED) nach der Finanzkrise die Wirtschaft gestützt. Gemeint war damit das, was die Europäische Zentralbank (EZB) noch immer macht und was unter der Bezeichnung „massiver Ankauf von Staatsanleihen“ bekannt ist. Diese Programme der FED, die es im Übrigen auch von der Bank of England gab und und von der Bank of Japan noch immer gibt, waren eine massive Stütze für den Aktienmarkt. Denn jede Staatsanleihe, die durch eine Notenbank aufgekauft wird und in deren Tresor landet, schafft Liquidität. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Jeder, der eine Staatsanleihe besitzt und an die Notenbank verkauft, erhält im Gegenwert Cash auf seinem Konto. Das muss er wieder investieren oder konsumieren. Nach der Idealvorstellung der Notenbanken sollte das Geld natürlich direkt in die reale Wirtschaft fließen, große Teile landeten in der Vergangenheit jedoch an den Finanzmärkten und trieben die Vermögenspreise und eben auch die Aktien nach oben.

“Quantitative Tightening” durch die Peoples Bank of China (PBOC)

Wie wir wissen, hat die FED die Wertpapierkäufe mittlerweile nicht nur eingestellt, sondern aufgrund der gut laufenden Konjunktur und dem zunehmend überhitzten Arbeitsmarkt mit dem “Quantitative Tightening” begonnen. Das bedeutet, sie schmelzt ihre Bilanz ab, indem sie nun Anleihen aus ihrem Bestand verkauft. Ab Oktober sollen es 50 Milliarden pro Monat sein. Unkontrollierter passiert dies aber wahrscheinlich schon jetzt durch die chinesische Notenbank PBOC. Denn neigt die heimische Währung zur Schwäche und kommt es zu Kapitalflucht, dann nutzt sie ihre rund drei Billionen US-Dollar großen Währungsreserven, um den Yuan zu stützen. Da diese zu großen Teilen in US-Staatsanleihen angelegt sind, müssen diese dementsprechend dann verkauft werden. So wird über diesen Umweg ebenfalls Dollar-Liquidität aus den Märkten genommen.

Index-Fonds kaufen reicht nicht mehr

Ist die Analyse richtig und waren diese Wertpapierverkäufe verantwortlich für die Kurseinbrüche 2015 und 2016, bedeutet dies für die Aktienmärkte im begonnenen zweiten Halbjahr nichts Gutes. Denn der Yuan hat zuletzt wieder deutlich an Wert verloren. 2015 begann der Absturz im August. Die Aktienanlage wird damit anspruchsvoller. Es gilt, Unternehmen mit stabilem und gesundem Geschäft auszuwählen, das unabhängig von der Konjunktur weiteres Wachstum verspricht. Und ganz wichtig, das nicht durch die Digitalisierung oder andere neue Technologien morgen zermahlen wird. Die allseits propagierte Index-Anlage wird nicht das richtige Mittel in den kommenden Jahren sein. Auch Anleihen bieten keine Alternative. Sie bringen noch immer zu wenig Zinsen und fallen im Kurs bei einem Zinsanstieg. Festgeld ist ohnehin nicht diskussionswürdig, hier frisst die Inflation das Vermögen auf. Nicht an der Börse anlegen, sondern in Unternehmen investieren, lautet deshalb das Credo.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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