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Zinsen dürften Wall Street irgendwann ausbremsen

Stefan Riße

Von einer echten Zinswende kann nirgendwo die Rede sein. Auch nicht in den USA, zumindest wenn man sich die realen Renditen anschaut, die übrig bleiben nach Abzug der Inflation. Die liegt in den USA mittlerweile bei 2,7 Prozent. Der kurzfristige Leitzins liegt mit 2,25 Prozent damit immer noch unter der Teuerung und bedeutet Kapitalverzehr für kurzfristige Anlagen. Die zehnjährigen Zinsen stiegen zuletzt auf 3,2 Prozent und damit so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Hier ist zumindest eine reale positive Rendite von 0,5 Prozent  zu erzielen. Von früheren Zeiten, als drei Prozent nach Inflation übrig blieben, sind wir aber auch hier weit entfernt.

Für den Aktienmarkt zählen die nominalen Renditen

Auch der Sparer in den USA hat von den gestiegenen Zinsen also so gut wie nichts, weil gleichzeitig die Inflation gestiegen ist. In Europa ist ja ohnehin nichts zu holen. Das spricht natürlich weiterhin für die Aktie, aber es zählt hier der nominale Renditevergleich. Denn relativ zu den Aktien sind Anleihen wieder attraktiver geworden. Die Inflation hat die realen Renditen der Aktien natürlich genauso geschmälert und zwar mehr als die der Anleihen, weil hier die Renditen gestiegen sind. Und so lässt sich konstatieren, dass die Bedingungen für Aktien sich verschlechtert haben. Dazu kommt das Abschmelzen der Notenbankbilanz. Die Geldmenge M1 wächst zudem gerade noch mit 4,3 Prozent und da die Wirtschaft nominal um über fünf Prozent wächst, bleibt keine Überschussliquidität für die Aktienmärkte.

Zinssteigerungen wirken sich mit Zeitverzögerung aus

Nun kann man den Pessimisten entgegen halten, dass bereits Ende 2015 die erste Zinserhöhung in den USA stattgefunden hat und der langfristige Zins schon seit der Wahl Donald Trumps massiv gestiegen ist. Trotzdem ist der Aktienmarkt zumindest in den USA auf Rekordfahrt. Sind Aktienmärkte möglicherweise immun gegen steigende Zinsen geworden eben weil Aktien alternativlos erscheinen? Möglich ist an der Börse immer alles und auch das Gegenteil von allem. Wahrscheinlich ist es nicht. Denn es dauert immer eine gewisse Zeit, bis sich steigende Zinsen negativ auswirken. Bis zur Jahrtausendwende war die zeitliche Verbindung enger. Da waren es selten mehr als zwölf Monate, bis der Aktienmarkt dem Anleihemarkt folgte. Durch die massive Liquidität, die mittlerweile durch das Finanzsystem wabert, ist der zeitliche Zusammenhang nicht mehr so eng, aber er besteht noch immer. Im letzten Zinserhöhungszyklus von 2004 bis 2006 gab es den ersten großen Einbruch erst 2007.

Kurzum, würde der Aktienmarkt nicht negativ auf die steigenden Zinsen reagieren, dann wäre es das erste Mal in der Börsengeschichte.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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