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Knock-Out-Zertifikate – Große Chancen, große Risiken

Video-Einleitung

Das Knock-Out-Zertifikat ist eine besonders spekulative Form der Geldanlage.
Im Kern setzt der Anleger dabei auf die Kursentwicklung eines Basiswerts. Dabei kann es sich um die Kursentwicklung einer speziellen Aktie handeln, die Entwicklung des DAX insgesamt oder auch beispielsweise um das Verhältnis des Dollars zum Euro.

Das Grundprinzip ist einfach, es sei am Beispiel einer Aktie erläutert.
Angenommen, der Kurs einer Aktie beträgt aktuell 100 Euro. Der Emittent eines Knock-Out-Zertifikats bietet dem Anleger folgende Möglichkeit: Für einen relativ kleinen Betrag X, beispielsweise fünf Euro, kann der Anleger von Kursgewinnen der Aktie voll profitieren.
Ist an einem zuvor festgelegten Stichtag der Kurs diese Aktie auf beispielsweise 110 Euro gestiegen, erhält der Anleger den Kaufpreis des Zertifikats zuzüglich des Kursgewinns ausbezahlt, in diesem Fall also 15 Euro. Er hat damit eine sehr hohe Rendite von 200 Prozent erzielt. Hätte der Anleger statt des Zertifikats direkt die betreffende Aktie gekauft, betrüge seine Rendite lediglich zehn Prozent. Dieses Verhältnis von 200 Prozent zu zehn Prozent wird als Hebel des Zertifikats bezeichnet.

Jeder erfahrene Anleger weiß, dass solche Traumrenditen nur um den Preis eines entsprechend hohen Risikos zu erzielen sind. In diesem Fall steckt das Risiko in der so genannten Knock-Out-Schwelle, der diese Zertifikate ihren Namen verdanken. Diese könnte in diesem Beispiel etwa bei einem Aktienkurs von 95 Euro liegen. Unterschreitet der Kurs der Aktie diese Schwelle, wird das Zertifikat damit augenblicklich wertlos, das gesamte Investment ist damit verloren. Das wird als Knock-Out bezeichnet. Das gilt dabei nicht nur für den Stichtag, an dem das Zertifikat fällig wird, sondern während der gesamten Laufzeit. Der Aktienkurs darf aus Sicht des Anlegers diese Schwelle also nie unterschreiten. Dies ist die Schattenseite der Knock-Out-Zertifikate. Hätte der Anleger die Aktie statt des Zertifikats gekauft, betrüge sein Verlust bei einem Kursrückgang auf 95 Euro lediglich fünf Prozent. Ein Knock-Out-Zertifikat verliert 100 Prozent an Wert.

Call- und Put-Zertifikate

Das oben beschriebene Verfahren funktioniert auch, wenn der Anleger auf einen fallenden statt auf einen steigenden Kurs setzen möchte. In diesem Fall gewinnt das Zertifikat umso mehr an Wert, je tiefer die Aktie fällt. Die Knock-Out-Schwelle liegt dann oberhalb des Aktienkurses zum Ausgabedatum, in diesem Beispiel könnte sie bei etwa 105 Euro liegen. Übersteigt der Kurs der Aktie während der Laufzeit irgendwann diesen Wert, verfällt das Zertifikat.
Spekuliert der Anleger auf fallende Kurse, spricht man von einem Put-Zertifikat, ansonsten von einem Call-Zertifikat.

Call- und Put-Knock-Out im Vergleich zum Basiswert
Call- und Put-Knock-Out im Vergleich zum Basiswert, Quelle: eusipa.org

Welche Faktoren sind beim Kauf eines Knock-Out-Zertifikats zu beachten?

Zunächst können sich die Gebühren bei verschiedenen Emittenten unterscheiden. Von diesen Gebühren war im obigen Beispiel bislang nicht die Rede. Zuzüglich zu den fünf Euro pro Zertifikat wird die Bank im Regelfall eine Gebühr erheben, die beim Kauf zu entrichten ist. Ähnlich etwa zu Ausgabeaufschlägen bei Fonds, ist der Preis, zu dem das Zertifikat gekauft werden kann (Briefkurs) höher als der Preis, zu dem das Zertifikat zum selben Zeitpunkt verkauft werden kann (Geldkurs). Dieser Unterschied wird Spread bezeichnet und ist letztlich die Gebühr, die der Emittent vereinnahmt.

Von entscheidender Bedeutung ist darüber hinaus die Knock-Out-Schwelle. Aktienkurse verlaufen nicht stetig. Selbst wenn der langfristige Trend einer speziellen Aktie deutlich in eine Richtung weist, kommt es regelmäßig zu kurzfristigen Ausschlägen in beide Richtungen. Bisweilen sind dafür politische Entwicklungen verantwortlich, die den Gesamtmarkt beeinflussen, bisweilen auch Meldungen oder Gerüchte, die eine spezielle Aktie betreffen. Erweist sich beispielsweise ein solches Gerücht als falsch, erholt sich die Aktie meist schnell davon. Das Knock-Out-Zertifikat kann aber durch den kurzfristigen Kursausschlag verfallen.
Je kleiner der prozentuale Unterschied zwischen dem aktuellen Kurs und der Knock-Out-Schwelle ist, desto größer ist dieses Risiko – und natürlich auch die Chance, die sich an dem dann entsprechend hohen Hebel ablesen lässt.

Und schließlich ist wie bei jeder Geldanlage die Bonität des Emittenten zu beachten. Es versteht sich nahezu von selbst, dass Knock-Out-Zertifikate – wie alle anderen Zertifikate auch – nicht von der Einlagensicherung geschützt sind, sollte der Emittent insolvent werden.

Fälligkeit von Knock-Out-Zertifikaten

In unserem Beispiel wurde bislang der Normalfall zugrunde gelegt. Das bedeutet, dass zu einem festen Stichtag abgerechnet wird, sofern das Zertifikat durch einen Knock-Out nicht vorher verfallen ist. Eine lange Laufzeit bietet dabei grundsätzlich höhere Renditechancen, allerdings steigt auch die Gefahr eines vorzeitigen Verfalls des Zertifikats. Mittlerweile werden auch Knock-Out-Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit angeboten. Hier bewegen wir uns allerdings im Bereich der absoluten Profi-Produkte – sofern diese Einschätzung nicht ohnehin für alle Hebelprodukte gilt. Bei diesen so genannten Open-End-Knock-Out-Zertifikaten besitzen sowohl der Anleger als auch der Emittent ein Kündigungsrecht, was die Berechnung der Chancen und Risiken nochmals deutlich schwieriger gestaltet. Dies umso mehr, da die genauen Kündigungsregeln nicht einheitlich sind und in jedem einzelnen Fall dem Produktprospekt entnommen werden müssen.

Risikobegrenzungen

Einige Produkte weisen Mechanismen auf, die es dem Anleger gestatten, sein Risiko zu begrenzen. Dazu gehört zunächst die Stopp-Loss-Schwelle. Diese Schwelle liegt zwischen dem Anfangskurs und der Knock-Out-Schwelle. Im obigen Beispiel könnte diese Schwelle beispielsweise bei 97 Euro liegen, also zwei Euro über der Knock-Out-Schwelle. Erreicht der Aktienkurs diese Schwelle, kann der Anleger auf Wunsch seine Zertifikate zu einem zuvor vom Emittenten festgelegten Kurs verkaufen. Damit erleidet er zwar einen erheblichen Verlust, vermeidet aber den Totalverlust.

Eine weitere Verminderung des Risikos bietet ein wählbarer Hebel. Im Beispiel wurde davon ausgegangen, dass der Wert des Zertifikats um einen Euro steigt, wenn der Aktienkurs um denselben Wert steigt. Dieses Verhältnis von 1:1 ist selbstverständlich nicht zwingend, es können auch andere Hebelverhältnisse vereinbart werden. Knock-Out-Zertifikate mit geringerem Hebel bieten entsprechend geringere Gewinnchancen, beinhalten aber auch geringere Risiken.

Für wen eignen sich Knock-Out-Zertifikate?

Eindeutig nur für Anleger, die sich gegebenenfalls einen Totalverlust des eingesetzten Gelds leisten können. Das gilt grundsätzlich für alle Hebelprodukte. Ein Hebel potenziert immer sowohl die Gewinn- als auch die Verlustchancen.

Darüber hinaus erfordert der verantwortungsvolle Einsatz solcher Zertifikate detaillierte Marktkenntnisse. Es genügt nicht, sich eine fundierte Meinung über langfristige Trends der Entwicklung eines speziellen Wertpapiers zu bilden. Angenommen, ein Anleger ist der Meinung, dass beispielsweise Mobilfunkanbieter langfristig über gute Perspektiven verfügen. Das genügt sicherlich, um entsprechende Aktien zu kaufen. Um aber ein Knock-Out-Zertifikat zu erwerben, benötigt er auch Kenntnisse über die so genannte Volatilität der entsprechenden Aktien. Das bedeutet, er muss einschätzen können, wie stark die Aktie kurzfristig auf positive oder negative Meldungen reagiert. Wer die Aktien selbst langfristig für die Altersvorsorge ins Depot nimmt, muss sich um solche kurzfristigen Effekte hingegen nicht sorgen. /

Absicherung des Depots durch Knock-Out-Zertifikate?

Denkbar ist der Einsatz von Knock-Out-Zertifikaten oder anderen Hebelprodukten zur Absicherung des eigenen Depots. Wer beispielsweise sein Portfolio nicht weit streut sondern nur wenige Aktien besitzt, kann sich gegen hohe Verluste absichern, indem er zugleich mit Hebelprodukten auf einen Kursverfall seiner Aktien setzt. Auch das gehört allerdings eindeutig in den Bereich der fortgeschrittenen Anlagestrategien.

Ob und gegebenenfalls welche Hebelprodukte zu diesem Zweck eingesetzt werden sollten, kann nur eine individuelle Depotanalyse beantworten. Der an einer langfristigen Altersvorsorge interessierte Privatanleger ist sicher besser beraten, dem allgemeinen Ratschlag einer breiten Risikostreuung zu folgen.

Das richtige Knock-Out-Zertifikat finden

Mit dem Zertifikate-Vergleich auf OnVista können Knock-Outs bequem und übersichtlich nach diversen Merkmalen und Kennzahlen miteinander verglichen werden. So lässt sich schnell das passende Zertifikat finden.

Video-Quelle: Deutscher Derivate Verband
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