Briten schocken Finanzmärkte – Schwarzer Freitag droht

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Der Brexit und die Folgen: Pfund und Euro verlieren dramatisch. Aktienmärkte in Asien brechen ein. Banktitel sind besonders unter Druck. Dax wird ganz tief im Minus erwartet.

Der Austritt der Briten aus der EU, der in letzten Umfragen noch abgewendet schien, dürfte an den Finanzmärkten für einen „Schwarzen Freitag“ sorgen. Anleger am deutschen Aktienmarkt müssen sich auf schwere Verluste einstellen. Der Broker IG taxierte den Dax gut zwei Stunden vor Handelsbeginn um 8 Prozent tiefer bei 9435 Punkten.

Die Anleger werden klar auf dem falschen Fuß erwischt: Seit Mitte der Vorwoche war der deutsche Leitindex in zunehmender Hoffnung auf einen Verbleib der Briten noch um fast 9 Prozent angesprungen. Der bislang schwärzeste Tag war 1989 mit einem Rutsch um 12,81 Prozent. Um diesen Negativrekord einzustellen, müsste der Dax aber deutlich unter 9000 Punkte abrutschen.

An den asiatischen Aktienmärkten ging es bereits kräftig abwärts, nachdem sich am Freitagmorgen ein Brexit abzeichnete. Der Nikkei-225-Index in Tokio stand zuletzt annähernd 8 Prozent tiefer – auch weil der Yen als “sicherer Hafen” für Anleger deutlich an Wert gewann, was die Exporte für die Japaner erschwert. Der Hang-Seng-Index in Hongkong büßte 5 Prozent ein. Hier standen vor allem britische Finanzwerte wie HSBC, Prudential und Standard Chartered unter Feuer, die 11 Prozent und mehr verloren. Chinas Festlandbörsen, die für ausländische Anleger weitgehend abgeschottet sind, zeigten sich nahezu unberührt.

Besonders hart trifft der Sieg des Brexit-Lagers die britischen Banken Standard Chartered und HSBC. An der Börse in Hongkong verloren die Aktien von Standard Chartered am Freitag mehr als zwölf Prozent, HSBC geben gut elf Prozent nach. Die beiden Banken werden auch an der Börse in London gehandelt.

Schwere Turbulenzen gab es an den Devisenmärkten: Der sich abzeichnende Brexit hat Euro und Pfund abstürzen lassen. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,0912 US-Dollar - mit einem Einbruch von mehr als 4 Prozent war das der größte Kursrückgang in der Euro-Geschichte. Zuletzt stand die Währung bei 1,0990 Dollar. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs noch auf 1,1389 Dollar festgelegt.

Besonders schwer wurde erwartungsgemäß die britische Währung getroffen. Das Pfund fiel zeitweise unter 1,33 Dollar, nachdem es in der Nacht zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte. Das war der tiefste Stand seit 1985.

Auch die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel angesichts des drohenden Austritts der Briten aus der Europäischen Union deutlich verloren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Morgen 47,92 US-Dollar. Das waren gut 5,87 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August fiel zuletzt 6,03 Prozent auf 47,09 US-Dollar.

OnVista/dpa-AFX
Foto: Deutsche Börse

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