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Kein Neuer Markt 2.0!

Harald Weygand

Anbei ein Beitrag aus der Feder meines Kollegen Bastian Galuschka

Knapp 14 Jahre nach dem Ende des Neuen Marktes kommt wieder Bewegung in die deutsche Börsenlandschaft. Die Deutsche Börse will den eher ein Schattendasein führenden Entry Standard beerdigen und ein neues, bislang namenloses Wachstumssegment für kleine und mittlere Unternehmen (KMU-Segment) schaffen.

Falls Sie den Entry Standard nicht kennen: Es handelt sich dabei um ein im Jahr 2005 geschaffenes Technologiesegment für Wachstumsunternehmen, dessen Kernpunkte niedrigere Transparenz- und Verhaltensregeln und damit verbunden auch niedrigere Kosten im Vergleich zu den organisierten Märkten wie Prime oder General Standard sind. Es können nur Unternehmen in den Entry Standard aufsteigen, die zuvor im Open Market gelistet waren.

Das sind die aktuell im Entry Standard notierten Unternehmen:

Das Segment also einfach als "Abfallprodukt" abzustempeln, würde ihm nicht gerecht werden. Aktien wie beispielsweise Mühlbauer oder Steico hatte ich zuletzt auf dem GodmodeTrader analysiert und weisen seit vielen Jahren solide Zahlen aus, was man selbstverständlich nicht von allen im Enry Standard gelisteten Titeln behaupten kann.

Wenig überraschend fallen die Aufnahmekritierien für das Segment relativ überschaubar aus. Hier ein Auszug:

ein öffentliches Angebot (Prospektpflicht)
Mindestalter des Unternehmens: 2 Jahre
Mindestgrundkapital: 750.000 EUR
(rechnerischer) Nennwert pro Aktie: mindestens 1 EUR
Mindeststreubesitz der Aktien: 10 %

Mit einer Zulassungsgebühr von 1.500 EUR und einer jährlichen Notierungsgebühr von 5.000 EUR sind auch die Börsentgelte kaum der Rede wert. Doch an beiden Stellschrauben will die Deutsche Börse in Zukunft drehen, was nicht allen gelisteten Unternehmen gefallen dürfte.

Mehr Transparenz, mehr Kosten

Warum aber überhaupt ein neues Marktsegment? Vorstandschef Carsten Kengeter erläuterte die Pläne bereits im vergangenen Jahr vor dem Deutschen Eigenkapitalforum in Frankfurt: „Wachstumsfinanzierung gehört zu den Kernaufgaben einer Börse“, erklärte er. „Wir wollen hiermit einen zuverlässigen Marktplatz schaffen.“

Die Deutsche Börse will sich dabei auf der Investorenseite an Family Offices, Vermögensverwalter und Retail Investoren wenden. Auf der anderen Seite sollen sich kleine und mittlere Unternehmen angesprochen fühlen, wobei man nicht ausschließlich nur auf Wachstumswerte setzt. Eine gewisse Wachstumsrate in der Vergangenheit beim Gewinn beispielsweise wird nicht vorausgesetzt.

Um ein zweites Desaster wie am Neuen Markt zu verhindern, wird es erneut Aufnahmekriterien geben, die verglichen mit denen im Entry Standard auch verschärft wurden. Drei der fünf folgenden Kriterien müssen ehemalige Entry Standard-Titel bzw. Neuaspiranten erfüllen:

Umsatz von mindestens 10 Mio. EUR
positiver Jahresüberschuss
positives bilanzielles Eigenkapital
mindestens 20 Mitarbeiter
mindestens 5 Mio. EUR eingesammeltes Eigenkapital vor dem IPO

Dem aber nicht genug. Als harte Kriterien werden zudem eine Marktkapitalisierung von mindestens 30 Mio. EUR, eine Unternehmenshistorie von mindestens zwei Jahren und ein Streubesitzanteil von 20 % oder mindestens 1 Mio. Aktien festgelegt. Anleger dürfen sich über garantierte Halbjahres- und Jahresabschlüsse freuen. Auch muss eine Analystenkonferenz pro Jahr abgehalten werden. Als Analystenkonferenz gilt aber auch ein Besuch des Eigenkapitalforums.

Zudem verpflichten sich Emittenten, mit einem Deutsche Börse Capital Market Partner zusammenzuarbeiten. Über die von der Deutschen Börse beauftragten Analystenhäuser Morningstar und Edison werden regelmäßig Research-Reports erstellt.

Gerade beim Thema Marktkapitalisierung sei man den Unternehmen entgegen gekommen, so die Deutsche Börse. Von Investorenseite hätte man hier lieber eine Mindestschwelle von 50 Mio. EUR gesehen.

Wenngleich die Bemühungen der Deutschen Börse um mehr Transparenz zu befürworten sind, hat die Medaille zwei Seiten. Denn die Kosten für die Aufnahme und das Listing im neuen KMU-Segment haben sich vervielfacht. Die Aufnahmegebühr steigt von 1.500 auf 20.000 EUR fix. Hinzu kommt eine variable, von der Marktkapitalisierung abhängige Vergütung. Das jährliche Notierungsentgelt beträgt ebenfalls 20.000 EUR, im Entry Standard waren es 5.000 EUR. Die Deutsche Börse lässt sich das neue Marktsegment also einiges kosten.

Kein von Unternehmen beauftragtes Research mehr

Den Preisanstieg begründet sie vorrangig mit den Kosten für die von ihr mandatierten Researchhäuser.

So wird es von Edison ein bis zu 12 Seiten umfassendes Initialresearch auf Englisch geben mit einer Zusammenfassung auf Deutsch. Quantitative Analysen, sprich, täglich und automatisiert und rund 1 bis 2 Seiten umfassend, stammen von Morningstar. Zudem wird Edison mindestens zweimal jährlich und bei besonderen Events Research-Updates mit einem Umfang von 2 bis 4 Seiten den Aktionären zur Verfügung stellen.

Da der Auftraggeber für das Research nun die Deutsche Börse und nicht mehr das jeweilige Unternehmen ist, will man den in der Vergangenheit durchaus immer wieder feststellbaren subjektiven und sehr optimistisch formulierten Research-Reports einen Riegel vorschieben. Denn bezahlten die Unternehmen ein Research-Büro direkt, mussten sie das zwar offenlegen, hatten aber natürlich einen gewissen Anspruch. Kritische Analystenberichte werden dann eher zur Seltenheit. Nichtsdestotrotz werden natürlich auch im neuen Marktsegment die Ansprüche der Unternehmen in Richtung positives Research nicht kleiner werden. Zumal sich die Deutsche Börse dieses gut bezahlen lässt. Ein gewisser, wenn auch indirekter Interessenskonflikt, kann daher nicht abgestritten werden.

Grandfathering für Entry Standard-Unternehmen

Unternehmen, die in das neue KMU-Segment aufgenommen werden möchte, müssen bis 27. Februar einen Antrag bei der Deutschen Börse einreichen. Unternehmen, die bereits im Entry Standard gelistet sind, müssen sich im Zuge des sogenannten "Grandfatherings" spätestens bis 24. März entscheiden. Erfüllen sie die Kriterien des neuen KMU-Segments nicht, fallen sie in das sogenannte Basic Board. Das ist neben dem Quotation Board (größtenteils für Anleihen) ein weiteres Teilsegment des Open Markets.

In einigen Tagen will die Deutsche Börse den neuen Namen des KMU-Segments bekannt geben. GodmodeTrader wird Sie über den Start im März und die weitere Entwicklung selbstverständlich wie gewohnt informieren.

(© BörseGo AG 2017 - Autor: Harald Weygand, Head of Trading)

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Harald Weygand Harald Weygand Head of Trading bei GodmodeTrader.de

Harald Weygand entschied sich nach dem Zweiten Staatsexamen in Medizin, einer weiteren wirklichen Leidenschaft, dem charttechnischen Analysieren der Märkte und dem Trading, nachzugehen.

Nach längerem, intensivem Studium der Theorie ist Weygand als Profi-Trader seit 1998 am Markt aktiv. Im Jahr 2000 war er einer der Gründer der BörseGo AG und des Portals www.GodmodeTrader.de . Dort ist er für das charttechnische Coverage von Aktien, Indizes, Rohstoffen, Devisen und Anleihen sowie die fachliche Führung des Traderteams zuständig.

Über die Branche hinaus bekannt ist der Profi-Trader für seine Finanzmarktanalysen sowie aufgrund seiner Live-Analysen auf Anlegerveranstaltungen und Messen. Weygand ist zudem gern gesehener Interviewgast bei N24, n-tv und dem Deutschen Anlegerfernsehen.

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