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Discount-Zertifikate – Aktienkauf mit Rabattierung

Video-Einleitung

Anleger sind seit Monaten in einer schwierigen Situation: Die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto sind minimal und der Aktienmarkt bereits gut gelaufen. Welche Anlagestrategie ist in einer solchen Situation attraktiv, in der man solide Renditen über Tagesgeldniveau einfahren will? Für Lösungen lohnt es, sich bei Zertifikaten umzuschauen. Discount-Zertifikate sind eine Möglichkeit, um das Risiko am Aktienmarkt zu reduzieren und dennoch an steigenden Kursen zu partizipieren. Dabei lassen sich offensivere oder defensivere Strategien verfolgen – für jeden Anleger ist etwas dabei. Nicht ohne Grund werden Discount-Zertifikate als das Taschenmesser der Geldanlage bezeichnet. Die meisten Discounter, wie die Papiere auch genannt werden, haben Aktien und Indizes als Basiswerte, beziehen sich also auf diese Titel. Ein wichtiges Merkmal der Produktgattung ist die Volatilität. Doch der Reihe nach.

Der Name ist Programm

Das auffälligste Merkmal der Papiere ist der Kauf eines Basiswerts mit einem Discount gegenüber dem aktuellen Kurs des Basiswerts - daher die Namensgebung. Der erzielte Rabatt ist aber nicht umsonst. Denn gleichzeitig geben Anleger die Chance auf, unbegrenzt an steigenden Kursen zum Beispiel in der Aktie zu profitieren. Ein sogenannter Cap (Höchstkurs) begrenzt die Gewinnchancen. Der Cap stellt also das Niveau dar, bis zu dem Anleger mit Discountern maximal an Kurssteigerungen partizipieren. Notiert der Basiswert am Laufzeitende auf oder über dem Cap, erhalten Anleger den maximal möglichen Betrag in Höhe des Caps ausgezahlt. Liegt er bei Fälligkeit des Zertifikats darunter, entspricht der Wert des Discounters dem Kurs des zugrundeliegenden Basiswerts.

Ein Beispiel:

Angenommen, eine Aktie notiert bei 100 Euro und der Cap des Discount-Zertifikats auf diese Aktie soll bei 105 Euro liegen. Das Discount-Zertifikat soll 90 Euro kosten, das heißt, der Rabatt beträgt zehn Euro beziehungsweise zehn Prozent. Sollte die Aktie am Laufzeitende bei 105 Euro oder höher notieren, erhält der Zertifikateinhaber eine Rückzahlung von 105 Euro, was einen Gewinn von 15 Euro bedeutet. Das ist gleichzeitig der Maximalgewinn, der einer Rendite von 16,67 Prozent entspricht. Hier zeigt sich eine Stärke der Discount-Papiere. Sie ermöglichen höhere Renditen im Basiswert, sollte dieser nur moderat steigen. Statt fünf Prozent wie im Basiswert werden hier fast 17 Prozent Rendite erzielt. Erst bei deutlich stärker steigenden Kursen auf 116,67 Euro und mehr schneidet ein direkter Kauf der Aktie besser ab. Gleichzeitig profitiert der Discounter aber auch, wenn die Aktie bei 100 Euro bleiben sollte, also keine Rendite abwirft. Dann gewinnt der Discounter nämlich 10 Euro.

Discount-Zertifikat im Vergleich zum Basiswert
Discount-Zertifikat im Vergleich zum Basiswert, Quelle: eusipa.org

Und was passiert bei Kursrückgängen? Unterhalb von 105 Euro bekommt der Anleger umgerechnet den Kurs des Basiswerts wieder, entweder in Form einer Aktienlieferung oder durch einen Barausgleich in Euro. Bei 100 Euro ergäbe sich ein Gewinn im Discounter von zehn Euro, was einer Rendite von 11,11 Prozent entspricht. Fällt der Aktienkurs um fünf auf 95 Euro, erzielt der Discount-Besitzer immer noch einen Gewinn, diesmal in Höhe von rund 5,6 Prozent. Erst bei Kursen unter 90 Euro gleitet das Discount-Zertifikat in die Verlustzone. Im Vergleich zur Aktie sind die Verluste im Discount-Zertifikat aber geringer. Ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen, aber dafür müsste der Basiswert ebenfalls wertlos werden.

Praxistipps

Die Gewinn- und Verlustmöglichkeiten aus der Grafik beziehen sich auf den Fälligkeitszeitpunkt des Discounters. In der Praxis müssen Anleger aber auch während der Laufzeit verschiedene Einflussfaktoren beachten. Schließlich will man das Papier nicht immer bis zur Fälligkeit halten. So kann es sein, dass bei starken Aufwärtsbewegungen die Gewinnchance fast komplett erreicht wurde und andere Papiere dann attraktiver sind. Auf den ersten Blick ungewöhnlich ist auch der Wertverlauf: Der Preis eines Discounters kann nämlich während der Laufzeit stärker fallen oder in geringerem Umfang steigen als der Basiswert. Hintergrund ist, dass der Discount erst vollständig zum Laufzeitende abgebaut ist und sich dann komplett auf den Discounter auswirkt – mit einem entsprechenden Wertzuwachs.

Auch die Volatilität hat während der Laufzeit einen Einfluss auf die Preisbildung. Je stärker die Aktie oder der Index schwankt, desto größer ist das Risiko und umso größer fällt dann der Discount aus. Das hat auch Folgen für den Kaufzeitpunkt. Denn nach dem Kauf eines Discount-Zertifikats ist es vorteilhaft, wenn sich die Schwankungsintensität wieder beruhigt, weil sich dann der Discount gegenüber dem Basiswertkurs verringert und für steigende Preise im Discount-Zertifikat sorgt. Analog bewirkt eine zunehmende Volatilität während der Laufzeit einen Kursrückgang im Discounter. Die Volatilität hat also neben der Entwicklung des Basiswerts einen großen Einfluss auf die Preise von Discount-Zertifikaten.

Die Wahl des Caps

In der Praxis ist auch die Wahl des Caps für das Chance-Risiko-Profil eines Discount-Zertifikats mitverantwortlich. Je nach Cap können Anleger von steigenden oder sogar leicht fallenden Kursen im Basiswert profitieren. Auf keinen Fall sollten Anleger bei einem Investment in ein Discount-Zertifikat aber nicht mit einem stark sinkenden Basiswert rechnen. Klare Vorteile bietet der Seitwärtstrend. Wie das Beispiel oben zeigt, spielt das Discount-Zertifikat durch den gewährten Rabatt seine Stärke in einer solchen Marktphase aus. Positive Renditen sind nämlich auch dann zu erzielen, wenn der Basiswert stagniert oder leicht fällt. Daher eignen sich diese Papiere am besten bei leicht steigenden bis leicht fallenden Kursen und wenn sich dann noch die Volatilität beruhigt.

Die Höhe des Caps hat auch Folgen für den Discount und damit dem Risikopuffer. Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Cap, desto größer der Discount und umgekehrt. Im oberen Beispiel wurde ein offensives Papier vorgestellt, da der Basiswert zunächst um fünf Prozent steigen muss, damit die Maximalrendite eingestrichen werden kann. Liegt der Cap unterhalb des aktuellen Aktien- oder Indexstands, ist die Ausrichtung des Papiers defensiv, weil der Kurs sogar leicht - bis zum Cap - sinken kann und dennoch die Maximalrendite erzielt wird. Sie fällt selbstverständlich niedriger aus als bei einem offensiver ausgerichteten Papier. Der Cap sollte allerdings nicht zu niedrig gewählt werden, weil dann der Gewinn in Euro sehr gering ausfallen kann und die Gebühren für Kauf und Verkauf des Discounters möglicherweise nicht übertroffen werden. Dagegen sollte bei offensiven Discountern der Basispreis nicht zu hoch gewählt werden, weil dann der Discount sehr niedrig ausfällt und das Chance-Risiko-Profil nicht mehr ausgewogen sein kann.

Mehr Praxis

Beim praktischen Umgang mit Discount-Zertifikaten sollte noch der Zeitwerteffekt beachtet werden, denn wie bereits beschrieben, wirkt sich der Abbau des Discounts erst bei Fälligkeit vollständig positiv aus. Im Discount-Zertifikat spiegelt sich dieser Effekt daher als Zeitwertgewinn wieder, dessen Einfluss kurz vor Laufzeitende besonders ausgeprägt ist. Als Faustregel gilt: In den letzten drei Monaten der Laufzeit verstärkt sich der Einfluss des Zeitwertgewinns.

Auch wenn dieses Beispiel an einer fiktiven Aktie berechnet worden ist, entspricht es den Realitäten. Je nach Laufzeit, Höhe des Caps und der Volatilität können sich die Chancen und Risiken noch verschieben. Wenn die Volatilität allerdings zu niedrig ausfällt, ist das Chance-Risiko-Verhältnis in der Regel kaum attraktiv. Die Volatilität hat also einen großen Einfluss auf die Wertentwicklung von Discountern.

Das richtige Discount-Zertifikat finden

Mit dem Zertifikate-Vergleich auf OnVista können Discount-Zertifikate bequem und übersichtlich nach diversen Merkmalen und Kennzahlen miteinander verglichen werden. So lässt sich schnell das passende Zertifikat finden.

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