Was sind Index-Zertifikate? Das Finanzprodukt verständlich erklärt!

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Index-Zertifikate ermöglichen es Anlegern, auf einfache, günstige und transparente Weise an der Wertentwicklung von DAX, Dow & Co. teilzunehmen - ohne befristete Laufzeit. So geht's!

Index-Zertifikate - gut zu wissen

  • Ein Index-Zertifikat bildet 1:1 den Wert eines bestimmten Index ab, dem Basiswert - in der Regel ohne feste Laufzeit und günstiger als ein ETF (Exchange Trusted Fonds).
  • Ob steigende oder fallende Kurse, der Anleger spürt jede Bewegung des Basiswerts unmittelbar am eingesetzten Kapital. Deshalb: Nur wer eine positive Marktentwicklung erwartet, sollte den Kauf eines Index-Zertifikats erwägen.
  • Beliebt sind Zertifikate auf den Aktienindex DAX, den S&P 500 oder den Dow Jones.
  • Sie investieren nicht in eine bestimmte Aktie, sondern diversifizieren durch die breiter aufgestellten Indizes in eine Vielzahl von Unternehmen und streuen dadurch das Risiko.
  • Zertifikate sind Schuldverschreibungen und bieten bei einer Insolvenz des Emittenten wenig Schutz. ETFs sind an diesem Punkt besser aufgestellt.

Die Alternative zu ETFs. Was Sie über Index-Zertifikate wissen sollten.

1. Wie funktionieren Index-Zertifikate?

Diese Art von Zertifikate bildet die Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Basiswerts, einem Index, eins zu eins ab - etwa eines Aktienindex wie den DAX. Steigt der deutsche Leitindex beispielsweise um ein Prozent, legt auch ein DAX-Index-Zertifikat um ein Prozent zu. Das gleiche gilt jedoch auch für die entgegengesetzte Richtung: Verzeichnet der Index Kursverluste, dann nimmt der Anleger in vollem Umfang an diesen Einbußen teil. Auf eine einzelne Aktie lässt sich also mit diesem Produkt nicht setzen. Das ist kein Nachteil, denn Sie müssen kein sehr erfahrener Anleger sein, um an der Wertentwicklung eines Index zu partizipieren.

Mit einem Index-Zertifikat investieren Sie breit gestreut, kostengünstig und ohne feste Laufzeit.

Die eins-zu-eins-Partizipation zum Basiswert ist das zentrale Merkmal dieser Produkte. Sie werden daher auch als Partizipations-Zertifikate bezeichnet. Einen Teilschutz wie bei Bonus-Zertifikaten oder eine Kapitalgarantie gibt es hingegen nicht. Voraussetzung für einen Kauf ist eine grundsätzlich positive Erwartungshaltung gegenüber dem abgebildeten Index.

Interessant sind Index-Zertifikate für alle Anleger, die mit einem einzelnen Investment breit gestreut und nicht in nur eine einzelne Aktie, investieren wollen. Mit dem Kauf eines solchen Zertifikats erwirbt der Käufer also einen Bruchteil aller enthaltenen Aktien im Index und streut somit das Risiko vor Verlust. Andererseits ist die Chance auf Gewinne ebenfalls relativ übersichtlich im Vergleich zu einzelnen Titeln. Den Markt, also einen Index, zu schlagen gelingt ohnehin meistens nicht. Deshalb ist das kein Nachteil. 

Zahlreiche Basiswerte

Der dem Zertifikat zugrundeliegende Index wird als Basiswert bezeichnet. Mit Index-Zertifikaten kann man an der Entwicklung einer breiten Palette an Märkten teilnehmen, meist ohne an eine bestimmte Laufzeit gebunden zu sein. In der Regel handelt es sich dabei um Aktienindizes wie den DAX, EURO STOXX 50 oder S&P 500. Aber auch eine hohe Anzahl an Nischen-, Themen- oder Strategieindizes sind über diese Zertifikate investierbar. Das gleiche gilt für Rohstoffe. 

DAX, S&P 500, Euro Stoxx 50 und MSCI World im 10-Jahres-Vergleich
DAX, S&P 500, Euro Stoxx 50 und MSCI World im 10-Jahres-Vergleich · Quelle: onvista

Keine Fälligkeit

Die Laufzeit von Index-Zertifikaten ist meistens unbegrenzt. Oft enthalten sie dann den Zusatz „Open End“. Ein Open-End-Zertifikat hat den Vorteil, dass der Anleger selbst entscheiden kann, wann bzw. zu welchem Kurs er in den Markt einsteigen will und wie lange er investiert bleiben möchte.

Konkurrenz durch ETFs

Index-Zertifikate gibt es schon seit rund 20 Jahren. Allerdings hat ihre Bedeutung in den vergangenen Jahren spürbar abgenommen. Der Grund dafür liegt in der immer stärkeren Verbreitung von Exchange Traded Funds (ETFs) – sowohl was die Anzahl als auch das Anlagevolumen betrifft. ETFs weisen ähnliche Merkmale auf wie Index-Zertifikate, jedoch stellen die angelegten Mittel Sondervermögen dar. Für viele Anleger ist das ein kaufentscheidendes Argument. Mehr dazu in Punkt 4: „Was kaufen? Index-Zertifikat oder ETF?

2. Welche Vorteile bieten Index-Zertifikate?

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Transparenz durch die gleichlaufende Entwicklung mit dem zugrunde liegenden Basiswert. Durch die in der Regel unbegrenzte Laufzeit kann der Anleger zudem den Einstieg- und Ausstiegszeitpunkt selbst wählen. Aufgrund des Fehlens einer Fälligkeit können Index-Zertifikate sehr flexibel eingesetzt werden. Etwa, um kurz- bis mittelfristig die Wertentwicklung in bestimmten Märkten zu nutzen. Aber auch, um ein langfristiges Kerninvestment in einen Basiswert zu tätigen.

Diversifikationsnutzen

Ein weiterer Vorzug ergibt sich aus dem Merkmal, dass mit lediglich einem Wertpapier kostengünstig ein ganzer Markt mit zahlreichen Aktien erworben werden kann. Ein Index ist bekanntlich nichts anderes als die gebündelte Abbildung verschiedener Werte. Wer sich zum Beispiel ein Index-Zertifikat auf den DAX ins Depot holt, nimmt auf diese Weise an der Entwicklung der Kurse der 40 größten deutschen Aktien teil. Da es für jedes Land und jede Branche bestimmte Indizes gibt, kann man sich schon mit wenigen Zertifikaten ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen. Dadurch reduzieren Anleger das Risiko hohe Verluste zu erleiden. Nachteil ist, dass keine Outperformance gegenüber dem Markt erzielt wird, was mit den richtig ausgewählten Aktien möglich ist, aber selten gelingt.

Günstige Anlage

Index-Zertifikate sind vergleichsweise kostengünstig. Managementgebühren fallen in der Regel nicht an – zumindest nicht bei Standardindizes als Basiswert.

💎  TIPP: Prüfen Sie vor einem Kauf die verschiedenen Angebote hinsichtlich der Gebühren. Diese gehen aus den endgültigen Bedingungen hervor, welche die Emittenten im Web veröffentlichen.

Geringer Mitteleinsatz

Index-Zertifikate können auch mit kleinen Beträgen erworben werden. Denn sie beziehen sich in der Regel nicht auf den vollen Kurs des Index, sondern sind mit einem Bezugsverhältnis ausgestattet. Bei einem DAX-Stand von 15.000 Punkten und einem Bezugsverhältnis von 1:100 müsste der Anleger für ein Zertifikat 150 Euro zahlen (ohne Berücksichtigung von Gebühren).

3. Was ist beim Kauf von Index-Zertifikaten zu beachten?

Index-Zertifikate weisen insbesondere zwei Risiken auf: das Marktrisiko und das Emittentenrisiko.

Definition Marktrisiko

Das Marktrisiko ist das Risiko, das mit Verlusten aufgrund ungünstiger Kursbewegungen des Basiswertes verbunden ist. Will heißen: Kommt es am deutschen Aktienmarkt in Gestalt des DAX zu Kursverlusten, nehmen Zertifikate auf den DAX-Index vollumfänglich daran teil. Weil Indizes in einem gewissen Grad in sich selbst diversifiziert sind, ist das Marktrisiko in der Regel geringer als bei einer einzelnen Aktie.

Gleichwohl: Auch Indizes können temporär massiv einbüßen. Man denke an die Finanzmarktkrise 2008/09 oder an den Crash zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 als der Deutsche Aktienindex massiv nach unten rauschte.

Definition Emittentenrisiko

Darunter versteht man das Risiko, dass der Emittent des Zertifikats in eine finanzielle Schieflage geraten könnte und Insolvenz anmelden muss. Etwa aufgrund von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Da es sich bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen des Emittenten handelt, wären bei einer Insolvenz die investierten Gelder wohl zum größten Teil, wenn nicht ganz verloren.

Achten Sie bereits vor dem Kauf auf die Bonität, also die Zahlungs- und Kreditwürdigkeit des Emittenten.

☞ Beachte: Kündigungsrecht durch Anbieter

Obwohl es sich um Open End Anlagen handelt, also um Werte ohne bestimmte Laufzeit, kann der Emittent durch ein Sonderkündigungsrecht das Produkt vom Markt nehmen und die Rückzahlung anordnen. Dieses Kündigungsrecht ist in den endgültigen Bedingungen enthalten. Die Rückzahlung erfolgt in der Regel zum gültigen Marktwert.

Für den Anleger wäre eine solche Verfügung von Nachteil. Er muss für die frei gewordenen Gelder nach neuen Anlagen Ausschau halten und die Order- und Börsenkosten für die Wiederanlage tragen, was einem Verlust gleichkommt.

Kurs- oder Performance-Index?

Die meisten bekannten Indizes werden sowohl als Performance-Index als auch als Kursindex berechnet. Der Unterschied liegt darin, dass die Dividenden der enthaltenen Werte bei ersterem Typ in den Index eingerechnet werden. Bei Kursindizes, häufig auch als Preisindizes bezeichnet, ist das nicht der Fall.

Wer beispielsweise ein DAX-Zertifikat erwerben möchte, sollte darauf achten, dass es sich bei dem Basiswert um den DAX-Performance-Index handelt. Welcher Typ von Index dem Zertifikat zugrunde liegt, geht aus den Produktbedingungen hervor.

DAX-Performance vs. Kursindex
DAX-Performance vs. Kursindex · Quelle: onvista

Im Vergleich ist deutlich ersichtlich, wie unterschiedlich die beiden Dax-Indizes in den letzten zehn Jahren abgeschnitten haben. Während der Dax-Kursindex (orange Linie) bei gerade mal knapp 59 % liegt (ca. 4,3 % p.a.), hat es der Dax-Performance-Index auf gut 113 % geschafft (ca. 7,9 % p.a.), Stand 16.05.2022. Wer 10.000 Euro im Mai 2012 investierte, konnte daraus via Dax-Kursindex 15.900 Euro erzielen. Per Dax-Performance-Index wären es 21.300 Euro geworden. 

4. Was kaufen - ETF oder Index-Zertifikat?

Beide Finanzprodukte bilden einen zugrunde liegenden Basiswert ohne eine begrenzte Laufzeit eins zu eins ab. Zudem werden beide Anlagen an Börsen gehandelt. Soweit die Gemeinsamkeiten.

ETFs sind gegen Insolvenz des Emittenten geschützt, Index-Zertifikate günstiger. Je größer die Bank bzw. der Emittent, desto geringer das Risiko einer Insolvenz. 

Der Hauptunterschied liegt darin, dass Exchange Traded Funds (ETFs) Sondervermögen darstellen. Dieses ist vor Insolvenz des Emittenten geschützt. Bei Zertifikaten handelt es sich dagegen um Schuldverschreibungen, die in die Konkursmasse fallen. Sie sind dann für den Anleger in der Regel verloren. Zertifikate werden meistens von großen Banken angeboten. Dass ein solches Institut Pleite geht, ist zwar sehr selten, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Zudem werden bei Index-Zertifikaten im Unterschied zu ETFs, die im Index enthaltenen Unternehmen nicht tatsächlich gekauft, es wird lediglich die Performance geliefert. Vor diesem Hintergrund bieten ETFs also mehr Sicherheit als Zertifikate.

Auf der anderen Seite sind Index-Zertifikate für gewöhnlich kostengünstiger als Indexfonds. Häufig wird auf Verwaltungs- oder Managementgebühren, wie sie für gewöhnlich bei einem ETF anfallen, verzichtet. Anleger müssen daher abwägen, welcher Aspekt für sie im Vordergrund steht: Sicherheit oder Kostenvorteile.

Sie interessieren sich für ETFs? Alles, was Sie über diese Anlageprodukte wissen müssen, finden Sie in unserem ETF-Ratgeber.

5. Sonstige Fragen und Antworten zu Index-Zertifikate

Die wichtigsten Fragen zum Thema haben wir bereits beantwortet. Nachfolgend widmen wir uns den folgenden Fragen:

  1. Welche Kosten fallen beim Handel an?
  2. Wer bietet Index-Zertifikate an und wo werden sie gehandelt?
  3. Wie finde ich das passende Index-Zertifikat?
  4. Was ist besser: Index-Zertifikat oder einzelne Aktie?
  5. Gibt es Zertifikate mit Hebel?
  6. Wie werden Index-Zertifikate besteuert?

Welche Kosten fallen beim Handel mit Index-Zertifikaten an?

Ähnlich wie bei einem Kauf einer Aktie oder anderen Wertpapieren, fallen Kosten in Form von Ordergebühren des Brokers und etwaige Börsenentgelte an. Um Gebühren zu sparen, sollten Anleger grundsätzlich die Konditionen der Broker vergleichen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Wertpapierdepot.

Weitere Kostenfaktoren sind der Spread sowie etwaige Managementgebühren. Der Spread ist die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs, auch als Geld-Brief-Spanne bezeichnet. Bei Index-Zertifikaten von verschiedenen Anbietern auf den gleichen Basiswert, ist unter ansonsten gleichen Bedingungen das Produkt mit dem geringsten Spread zu bevorzugen.

Dasselbe gilt für die Managementgebühren, sofern überhaupt welche erhoben werden. Bei international bekannten Indizes ist das in der Regel nicht der Fall. Bei Nischen-, Themen- oder Strategieindizes können jedoch Managemententgelte bis zu 1,5 Prozent pro Jahr erhoben werden.

Wer bietet Index-Zertifikate an?

Bei den Emittenten von Index-Zertifikaten handelt es sich meistens um große Banken wie die DZ Bank, Societe General, HypoVereinsbank oder die Deutsche Bank.

Wo werden Index-Zertifikate gehandelt?

Jedes Index-Zertifikat verfügt über eine eigene ISIN bzw. WKN. Der Handel kann über eine Börse erfolgen. Dazu zählt zum Beispiel die Börse Stuttgart. Zudem ist ein außerbörslicher Handel über den Emittenten möglich.

Wie finde ich das passende Index-Zertifikat?

Mit dem Zertifikate-Vergleich auf onvista können Index-Zertifikate bequem und übersichtlich nach diversen Merkmalen und Kennzahlen miteinander verglichen und schließlich gefunden werden.

Einzelne Aktien kaufen oder Indexanlage?

Einzelne Aktien und Wertpapiere sind für sich genommen immer riskanter als ein Index. Denn bei einem Index ist das Risiko auf zahlreiche Werte gestreut. Häufig fehlt Anlegern auch die Erfahrung und/oder die Zeit, um sich mit bestimmten Aktien bzw. den Unternehmen näher zu beschäftigen. Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis mögen zwar hilfreich sein, doch selbst Profis werden häufig durch negative Entwicklungen bei einer Aktie überrascht. Wer neu ist an der Börse, sollte daher bevorzugt über Indexanlagen die ersten Schritte machen. 

Gibt es Index-Zertifikate mit Hebel?

Nein, denn das zentrale Merkmal von Index-Zertifikaten ist die eins-zu-eins-Partizipation. Wer mit Hebel in einen Index investieren möchte, hat mit Optionsscheinen oder Knock-Out-Zertifikaten eine Möglichkeit dazu. Allerdings mit entsprechend erhöhtem Risiko bei gefallenen Kursen aber auch mit größerer Chance auf mögliche Gewinne.

Welche Steuern müssen auf Index-Zertifikate gezahlt werden?

Bei Index-Zertifikaten handelt es sich um Derivate. Erträge daraus, in der großen Mehrheit sind das Veräußerungsgewinne, unterliegen in Deutschland der Abgeltungssteuer. Sie wird automatisch von der depotführende Stelle an das Finanzamt abgeführt. Weitere Infos zur steuerlichen Behandlung von Derivaten finden Sie in unserem Steuer-Ratgeber.

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