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Rasante Jahresendrallye oder erneuter Einbruch?

Stefan Riße

Die Analystenstimmen sind derzeit ziemlich einheitlich für den DAX. Mehrheitlich erwartet man eine Jahresendrallye. Die Kursziele sind aber sehr moderat. Euphorisch ist keiner mehr. Die Argumente aus dem Frühjahr mit der Dividende, die der neue Zins ist, weil Aktien ja alternativlos seien, ist nirgends zu hören. Die Unsicherheit über die weiteren Aussichten dominiert. Die Auguren berufen sich zumeist eher auf den Saisonzyklus und demnach stehen uns die statistisch guten Börsenmonate bevor. Und tatsächlich muss man sagen, dass das Jahr 2015 sehr nach dem klassischem Saisonmuster verlaufen ist.

Analystenmehrheit liegt fast immer daneben

Nun ist es aber so, dass die Analysten mit ihren Prognosen fast nie richtig liegen. Zumindest nicht der Konsens. Bedeutet das, dass die Kurse also wieder fallen werden. Nein! Solange ich denken kann, verfolge ich die Jahresprognose des Handelsblattes mit, wo die Experten aller großen und kleineren Banken zum Jahreswechsel ihre Kursziele für das Jahresende bekannt geben. Diese Rubrik gibt es, glaube ich, schon seit über 20 Jahren. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein negativer Kursverlauf für den Aktienmarkt voraus gesagt worden wäre. Würden sie immer diametral falsch liegen, dann hätte der DAX ja jedes Jahr fallen müssen. Das aber war nicht der Fall. Doch fast immer stieg er entweder viel stärker als prognostiziert oder es ging abwärts.

Euphorie oder Einbruch

Übertragen wir diese Logik auf den Rest des Jahres, dann ist entweder noch eine rasante Rallye zu erwarten, vielleicht wieder bis auf 12.000 Punkte. Oder aus der Jahresendrallye wird nichts und es geht nach kurzer Erholung abwärts. Für beide Richtungen lassen sich gute Gründe finden. Für abwärts die von China ausgehende Abschwächung der Weltkonjunktur und die Kapitalabflüsse aus fast allen Schwellenländern. Für rasant aufwärts sprechen die erwartete Ausweitung des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) und Bank of Japan (BoJ), die immer weniger wahrscheinliche Zinswende in den USA und nach wie vor die Alternativlosigkeit der Aktien. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit 0,5 Prozent.

Die weiteren Konjunkturdaten werden entscheidend sein

Sieht man sich die Stimmungsindikatoren an, dann dürfte die internationale Investorengemeinde relativ risikoarm investiert sein. Das legt den Grundstein für steigende Kurse, selbst wenn die Unternehmensgewinne und Dividenden nur noch stagnieren sollten. Doch zieht China die ganze Welt in eine Rezession, oder die USA oder beide zusammen, und rezessionsbedingt brechen die Gewinne ein, wird es die Liquidität allein wahrscheinlich nicht richten. Auch ich habe keine Glaskugel. Doch gehe ich nicht davon aus, dass es zu letzterem Szenario kommt. Auch der IWF hat zuletzt gesagt, dass China kein „Hard-Landing“ erleben wird. Die USA leiden unter dem starken Dollar. Und längerfristig dürften die USA mit der ungleichen Einkommensverteilung noch größere Probleme bekommen, derzeit ist die Lage aber noch zu solide.

Aus meiner Sicht spricht daher mehr für eine rasante Jahresendrallye als für einen neuerlichen Einbruch. So oder so würden die Analysten überrascht.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Börsenexperte

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für „n-tv“, wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Von 2011 – 2015 war Stefan Riße in der Vermögensverwaltung bei der der HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH in Hamburg tätig, wo er noch in Anlageausschüssen mitwirkt.

Seit 2016 ist er unabhängiger Börsenexperte und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei „n-tv“ wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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