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Von Marktphasen und Mondphasen

Martin Weber

Der Begriff Mondphase unterliegt einer strengen Definition. Im Mittel dauert ein Mondzyklus circa neunundzwanzig Tage. Dabei unterscheidet man zwischen Vollmond, abnehmenden Mond, Neumond und zunehmenden Mond. Mondphasen sind vorhersehbar und finden sich daher in Form kleiner Monde in vielen Jahreskalendern wieder. Auch die Auswirkungen von Mondphasen sind bestimmbar: Die Gezeiten - also die Entstehung von Ebbe und Flut. Mondphasen bestimmen also wie hoch der Wasserstand an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit ist und das können sich Schiffsführer oder Nordseeurlauber zunutze machen.

Können uns also Marktphasen die Börsenstände voraussagen, so wie es die Mondphasen beim Wasserstand tun? Im Gegensatz zu der klaren Definition von Mondphasen gibt es keine klare Definition von Marktphasen. Denken Sie einmal an die zwei extremsten Marktphasen (Bullenmarkt versus Bärenmarkt) und schlagen Sie deren Definition in einem Lexikon nach. Unter einem Bullenmarkt versteht sich ein anhaltend steigender Kurs, wohingegen der Bärenmarkt für einen anhaltend sinkenden Kurs steht. Gemäß diesen Definitionen wissen wir also erst im Nachhinein in welcher Markphase wir uns befinden. Eben erst dann, wenn die Kurse bereits einem anhaltenden Trend folgen. Zudem wissen wir nicht wann die Marktphase endet. Im Gegensatz zu den Mondphasen lassen sich Marktphasen nicht durch eine genaue Anzahl an Tagen definieren und dadurch können wir Marktphasen auch nicht einfach in unseren Jahreskalender eingetragen.

Warum aber sprechen wir oft von Marktphasen? So wie der Schiffsführer oder Nordseeurlauber die Mondphasen nutzt, wollen sich Marktteilnehmer die Marktphasen zunutze machen. Wer auf Marktbewegungen achtet und bestimmte Marktphase früh genug erkennt, scheint im Vorteil gegenüber anderen Investoren. So könne Marktphasen-Investoren im Bärenmarkt Aktien verkaufen bevor die Börsenkurse weiter sinken oder aber im Bullenmarkt Aktien kaufen bevor die Kurse weiter ansteigen. Neben Arbitragemöglichkeiten gibt es noch einen weiteren Grund warum Menschen gerne an Marktphasen glauben. Märkte gelten als unsicher und der durchschnittliche Investor versucht sein Risiko so gering wie möglich zu halten. Die Kategorisierung eines Marktes in Phasen gibt Investoren jedoch ein Gefühl der Kontrolle. Wenn Investoren eine Phase erkennen, dann wissen sie wie sich Preise in der Zukunft bewegen werden. Die Unsicherheit über zukünftige Preisentwicklungen wird dadurch scheinbar verringert.

Letztlich stellt sich die Frage: Sind Arbitragegeschäfte am Markt überhaupt möglich? Die Verfechter von Marktphasen bejahen dies und verweisen auf immense Handelserfolge, die alleine auf das frühzeitige Erkennen von Marktphasen zurückzuführen sind. Investoren die trotz Handeln nach Marktphasen keine Gewinne erzielen, sind nach Meinung der Marktphasen Verfechter einfach zu spät in den Markt eingestiegen. Burton Gordon Malkiel, ein Ökonom aus Princeton, kommt jedoch zu einem völlig anderen Schluss. In seinem bekannten Buch „A Random Walk Down Wallstreet“ erklärt er, dass Preisbewegungen an der Börse einem stochastischen Prozess unterliegen. Kurz gesagt, zukünftige Preise lassen sich nicht mittels vergangener Preise voraussagen. Spezielle Analyseformen wie etwa die Chartanalyse, bei der Analysten Trends an den Märkten auszumachen versuchen, sind für Malkiel nicht mehr als Kaffeesatzleserei.

Marktphasen und Mondphasen sind von Grunde auf unterschiedlich. Wir können Marktphasen nicht zyklisch erfassen und in unseren Kalender eintragen. Markphasen geben sich erst im Nachhinein zu erkennen und selbst wenn wir sie zu erkennen gedenken, wissen wir immer noch nicht wie lange sie noch anhalten werden. Wer sich beim Handeln auf Marktphasen verlässt, dem mag es wie einem meiner Freunde ergehen. Im März 2009 – als die Märkte am Tiefpunkt waren – war mein Freund der Überzeugung man müsse die Marktphase noch weiter abwarten und zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen - vielleicht wartet er heute noch.

Also hören wir auf von Marktphasen zu sprechen und belassen wir es doch bei den Mondphasen.

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Expertenprofil
Martin Weber Martin Weber

Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber ist Inhaber des Lehrstuhls für ABWL, Finanzwirtschaft, insb. Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Themen der Bankbetriebslehre, der Behavioral Finance und der Household Finance. Er ist Ko-Autor von Lehrbüchern zur Bankbetriebslehre und zum rationalen Entscheiden, sowie des Börsenratgebers „Genial einfach Investieren“. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Berlin-Brandenburger Akademie der Wissenschaften.

Professor Weber ist unter anderem Initiator und Mitglied der Behavioral Finance Group an der Universität Mannheim, welche Kompetenzen aus den Gebieten “Empirische und theoretische Finanzmarktforschung”, “Entscheidungstheorie”, sowie “Experimentelle Wirtschaftsforschung” vereint und die Erkenntnisse für die Praxis unter www.behavioral-finance.de aufbereitet.

Neben seiner Tätigkeit als Hochschulprofessor ist Professor Weber Mitglied des „ARERO“-Teams. Die Prof. Weber GmbH, zu der auch das „ARERO Team“ gehört, hat das Konzept von „ARERO – Der Weltfonds“ entwickelt, das von der DWS Investment S.A. im Rahmen der Verwaltung des Fonds umgesetzt wird. Die Prof. Weber GmbH präsentiert den Fonds auf der Webseite www.arero.de.


Copyright Foto: Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. (SG), Köln/Berlin

http://www.arero.de
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