Neue Chance für Galeria - Gläubiger stimmen Sanierungsplan zu

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Düsseldorf (Reuters) - Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria wird nicht zerschlagen.

Die Gläubigerversammlung in Essen billigte am Montag nach Galeria-Angaben mit großer Mehrheit den Sanierungsplan für den Konzern. Der Galeria-Bevollmächtigte Arndt Geiwitz sagte, der Plan gebe "Galeria Karstadt Kaufhof beste Chancen für eine Rückkehr in die Erfolgsspur". Bei einer Ablehnung des Plans durch die Gläubiger hätte das Aus des Geschäftsbetriebs bei Galeria gedroht. Mit ihrem Votum müssen die Gläubiger - unter ihnen Lieferanten, Vermieter und der staatliche Krisenfonds WSF - aber deutliche Einschnitte hinnehmen. Die Finanzagentur des Bundes räumte ein, ein Großteil der bei Galeria vom WSF eingesetzten Gelder in Höhe von insgesamt rund 680 Millionen Euro müsse abgeschrieben werden.

Der Sanierungsplan sieht weitere tiefe Einschnitte für den seit Jahren kriselnden Warenhauskonzern vor, der zur milliardenschweren Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko gehört. Von den aktuell noch 129 Warenhäusern sollen 47 Filialen die Pforten schließen, Tausende von Stellen fallen weg. Das Amtsgericht Essen muss den Insolvenzplan nun formell bestätigen. Das Insolvenzverfahren soll im Laufe des ersten Halbjahres beendet werden.

Galeria war angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise sowie des Ukraine-Krieges mit hoher Inflation und stark nachlassender Konsumfreudigkeit zum zweiten Mal binnen drei Jahren in ein Schutzschirmverfahren gegangen. Der ehemalige Kaufhof-Chef Olivier Van den Bossche soll Galeria nun neu ausrichten. Er übernimmt mit Abschluss des Schutzschirmverfahrens das Ruder von Miguel Müllenbach bei der Kette, die nun stärker regional ausgerichtet werden und auf Mode setzen soll.

Zunächst aber stehen 47 Filialen vor dem Aus. Diese Warenhaus-Immobilien könnten dann aber auch für andere Konzepte genutzt werden. In die ehemalige Kaufhof-Filiale in Cottbus zieht dem Immobilienfonds-Manager Verifort Capital zufolge im kommenden Jahr etwa die TEH Textilhandels GmbH, Markenname "Aachener", aus Dortmund ein, die auch Interesse an anderen Häusern angemeldet hatte. Der Deutsche Städtetag hatte gewarnt, Schließungen der Warenhäuser seien "für die betroffenen Städte ein tiefer Einschnitt". Auch der WSF hatte sich angesichts der Bedeutung der Warenhäuser in der Corona-Pandemie um eine Stützung Galerias bemüht. "Zum Bedauern des WSF haben sich die Erwartungen an die wirtschaftliche Erholung und Entwicklung des Konzerns nicht erfüllt und Galeria Karstadt Kaufhof musste erneut in ein Schutzschirmverfahren eintreten", teilte die Finanzangentur des Bundes mit.

Vor mehr als zwei Jahren hatte Galeria Karstadt Kaufhof bereits im damaligen Insolvenzverfahren gut 40 von damals noch 172 Filialen geschlossen. Im Februar war das aktuelle Insolvenzverfahren durch das Amtsgericht Essen eröffnet worden.

Karstadt und die ehemalige Metro-Tochter Kaufhof blicken angesichts der Konkurrenz durch den Online-Handel von Amazon bis Zalando, Mode-Ketten wie Zara sowie durch Shopping-Center auf einen stetigen Niedergang zurück. Immer neue Konzepte für die Ketten wurden ohne nachhaltigen Erfolg präsentiert, Manager von Thomas Middelhoff bis Stephan Fanderl, Eigner wie Nicolas Berggruen, die nordamerikanische Handelskette HBC oder die Signa Holding des Investors Rene Benko hatten sich an der Sanierung der Ketten versucht, deren Zusammengehen 2018 besiegelt worden war. Seit 2019 hat Benkos Signa bei Galeria Karstadt Kaufhof das Sagen, die HBC hatte sich zurückgezogen. Signa gebietet auch über zahlreiche Immobilien der Warenhäuser. Die Arbeitnehmer hatten immer wieder an Benko appelliert, zu seiner Verantwortung als Eigner zu stehen und Geld für eine langfristige Sanierung in die Hand zu nehmen.

"Alles, was das Management bisher gemacht hat, ist das Predigen von Schließungen und Entlassungen", kritisierte die bei der Gewerkschaft Verdi für den Handel zuständige Stefanie Nutzenberger nun. Die neue Leitung müsse nun "ein digital-stationäres Warenhaus der Zukunft aufbauen." Dabei kommt van den Bossche eine zentrale Rolle zu. Er war 2017 als Chef der damals bereits mit Umsatzrückgängen kämpfenden Kette Kaufhof abgelöst worden. Kaufhof war dann unter Benkos Regie mit Karstadt zusammengelegt worden. "Wir sind jetzt besser aufgestellt als jemals zuvor", hatte van den Bossches Vorgänger Miguel Müllenbach nach dem letzten Insolvenzverfahren erklärt: "Diese Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden." Müllenbach soll nun für Benkos Signa Holding arbeiten, van den Bossche muss sich am abermaligen Neustart der erneut deutlich geschrumpften Kette versuchen.

(Bericht von Matthias Inverardi, Mitarbeit Christian Krämer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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